Warum alle Kinder Disney's "Vaiana" sehen sollten

Disneyfilme funktionieren eh immer gleich und enden mit der Traumhochzeit? Ja, fast. Aber wenn es um "Vaiana" geht, muss man sagen: Gratulation Disney, euer Frauenbild hat sich verändert. In eine gute Richtung!

Die Heldin: eine tolle Nicht-Prinzessin

Vaiana ist 16 Jahre alt, lebt auf einer polynesischen Insel und ist die Tochter des Chiefs, also des Stammeshäuptlings. Weil sie seine Nachfolgerin werden wird, ist sie eigentlich schon so etwas wie eine Prinzessin, will aber partout keine sein.

Was ich jetzt in einem klassischen Disneyfilm erwarten würde: Dass die Hauptfigur hübsche Kleider trägt, eine Wespentaille hat, es eine Liebesgeschichte gibt und am Ende ein Prinz Welt sowie Prinzessin rettet und Hochzeit gefeiert wird. So oder so ähnlich geschehen bei Cinderella, Dornröschen, Arielle oder Mulan. Die beiden letzteren waren zwar schon kämpferischer und eigenständiger, Happy End bedeutete aber trotzdem: Hochzeit mit dem Traumprinzen.

Wenn eine 16-Jährige den Halbgott blass aussehen lässt

Diesmal ist alles anders, und das finde ich gut: Die Nicht-Prinzessin hat keine Barbiemaße und ist ein taffes, junges Mädel, dessen Mut sogar den Halbgott Maui daneben blass aussehen lässt. Eine Mädchenfigur, die man sich zum Vorbildnehmen schon lange gewünscht hat und sie jetzt endlich groß auf der Kinoleinwand findet.

Weil die Kokosnüsse auf den Palmen vertrocknen und in der Lagune die Fische verschwinden, beschließt Vaiana, ihre Insel zu retten. Ein Fluch soll auf der Gegend lasten, seit der Halbgott Maui das Herz der Inselgöttin Te Fiti gestohlen hat. Vaianas Aufgabe also: Maui finden, ihn zwingen, das Herz zurückzubringen und dafür sorgen, dass alles wieder blüht und ihr Volk die vergessene Seefahrertradition wieder aufnehmen kann.

Botschaften, die ich in "Vaiana" gut finde:

Vaiana geht auf Abenteuerreise und startet also ihre Weltrettungsaktion. Wer sie dabei begleitet, kann aus meiner Sicht jede Menge lernen:

1. Vaiana nimmt allen Mut zusammen und stürzt sich ins Abenteuer, um für alle was Gutes zu tun. Wir sehen: Du musst nicht immer die angepasste Tochter sein, die alles erfüllt, was man von ihr erwartet. Ihr Stammeshäuptlingsvater ist nämlich gar nicht angetan von ihren Plänen und mahnt sie zur Pflichterfüllung.

2. Obwohl Vaiana von allen hört, wie gefährlich der Ozean wäre, will sie segeln lernen und raus aufs Meer. Also: Vertraue deinem Bauchgefühl mehr als übervorsichtigen Stimmen.

3. Als sie auf den Halbgott Maui trifft, gibt er ihr ungefragt ein Autogramm, glaubt, sie wäre ein neuer Fan. "Du bist nicht mein Held", stellt Vaiana daraufhin deutlich klar. Denn nein, einen Helden, der sie einfach rettet, braucht sie nicht. Sie ist nämlich selber eine Heldin. Merke: Als Mädchen oder Frau brauchst du nicht unbedingt einen Helden, der dich rettet. Manchmal ein bisschen Hilfe vielleicht, aber stark bist du selbst.

4. Bei den Kämpfen gegen die Kokomora (kleine Kokosnusspiraten) oder das Vulkanmonster Te Ka kommt ihr und Maui auch der Ozean zu Hilfe. Also: Wenn du Hilfe wirklich brauchst, vertrau drauf, dass sie irgendwie kommt.

5. Vaiana schafft es schließlich das Herz der Göttin Te Fiti zurückzubrigen und erlöst ihr Volk. Als sie zurückkommt, blüht die Insel wie nie zuvor. Merke: Selber die Welt zu retten ist cooler, als auf den Prinzen zu warten.

Und noch ein abschließendes Merke: Filme mit Figuren wie Vaiana zu schauen oder seinen Kindern zu zeigen, wäre ein guter kleiner Beitrag, um gängige Rollenklischees wenigstens ein bisschen aufzubrechen. Ich mag Heldinnen, wir könnten alle mehr von ihnen brauchen.

 

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