"War Paint" macht "Make Up für Männer" und alles daran ist falsch

Männliche Männer haben männliche Haut und sind auch sonst so männlich, dass sie auf keinen Fall Produkte für Frauen verwenden dürfen.

Stell dir vor, deine Geschlechtsidentität ist so zerbrechlich, das sie von etwas so Harmlosen wie getönter Tagescreme restlos zerstört werden kann. Die männliche Männlichkeit männlicher Haut kann folglich nur durch etwas Mächtiges beschützt werden. Sowas wie Krieg. Kriegsbemalung!

Das ist keine Satire. Ein britisches Unternehmen macht jetzt "Make Up für Männer", und damit Genderstereotype mit geschminkter "Männerhaut" nicht all zu hart zerstört werden, heißt die Marke tatsächlich "War Paint", zu Deutsch: Kriegsbemalung.

"Kriegsbemalung für Männer" ist rassistisch und sexistisch

Alles daran ist falsch. Fangen wir beim unsensiblen Rassismus an: Der Begriff der Kriegsbemalung wird fast ausschließlich mit den rituellen, dem Schutz dienenden Bemalungen amerikanischer Ureinwohner in Verbindung gebracht. Er sollte nicht zweckentfremdet werden, um fragile Männlichkeit im Patriarchat zu schützen.

WAR Paint ist Make Up für Männer.

Pflegeprodukte für Männer dürfen seit jeher nichts Sanftes an sich haben, denn sanft und schwach sind nur Frauen. Bestes Gendermarketing sammelt deswegen zerstörerische und ungezähmte Naturgewalten und pappt sie auf kleine Plastikbehälter voller Deodorant für Männer. Da überschlagen sich Gletscher und Lawinen, riesige Wellen und hunderte Meter hohe Edelhölzer. Nur so bleibt der Mann ein Mann und darf sensible Gesichtshaut nach dem Rasieren pflegen oder nicht nach Schweiß riechen. Make Up und die meisten Pflegeprodukte sind (noch) eine andere Kategorie. Sie mögen in ihrem Produktdesign und der Werbung auf Frauen zugeschnitten sein - hauptsächlich weil "Schönheit" im Patriarchat den Wert einer Frau bestimmt - die Produkte selbst aber sind schlicht für Menschen gemacht. Das inkludiert auch Männer, deren Haut genauso unrein und fahl, fleckig und uneben sein kann, wie die von Frauen. Wir sind es nur nicht gewohnt, Männer auf Grund ihrer Haut zu bewerten.

"War Paint" tut so, als hätten sie Schminksachen für Männer neu erfunden. Männerhaut sei "dicker und öliger", behauptet das Unternehmen und bekämpft diese dem ebenmäßigen Teint unliebsamen Eigenschaften mit Vitamen E, Teebaumöl und der Salicylsäure. Inhaltsstoffe, die häufig und seit langem in auf ölige Haut zugeschnittenen Pflege- und Make Up-Produkten enthalten sind. Das Unglaubliche ist nämlich tatsächlich wahr: Männerhaut ist nicht fundamental anders als Frauenhaut. Haut ist Haut.

Kritik für "War Paint"

Auf Twitter hat sich das Unternehmen jedenfalls keine FreundInnen gemacht. Die NutzerInnen kritisieren die unsensible Namenswahl und das Konzept "Make Up für Männer".

 

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