Wann hat man das richtige Alter?

Älterwerden hat auch positive Seiten: Man weiß, was man will, kennt sich besser und führt ein selbstbestimmteres Leben. Wir haben Frauen aus unterschiedlichen Generationen ­gefragt, was das Beste an ihrem jetzigen Alter ist.

Das richtige Alter

"In der ­Pension tue ich das, was ich will" - Daniela (60)

Ich bin seit letztem Herbst in Pension und genieße das total. Ich habe weniger Stress und keine Sorgen mehr um den Job. Wenn ich zum Beispiel nachts nicht gut geschlafen habe, kann ich in der Früh lange im Bett bleiben und muss nicht denken: "O Gott, bin ich heute konzentriert genug in der Arbeit?" Das ist schon ein Vorteil. Dennoch ist es wichtig, eine Auf­gabe zu haben. Deswegen arbeite ich ehrenamtlich und plane, mich im nächsten Jahr noch mehr zu engagieren. Ich mache in meiner Pension Dinge, die ich gerne tun will und sinnvoll finde.

"Ich habe meinen Stil gefunden" - Eva (41)

Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich nicht mehr 20 oder 30 bin. Von früher Jugend an habe ich – wie wohl die meisten von uns – viel mit meinen Outfits und Looks experimentiert. Ich bin Trends nachgelaufen und habe Vorbilder zu imitieren versucht. Das ist oft genug danebengegangen, sei es, weil die Kleidung nicht zu meiner Figur und die Farben nicht zu meinem Teint gepasst haben oder weil die ­Modestücke schlichtweg wahnsinnig unbequem waren. Mit 40 bin ich ­sicher in der Wahl, was zu mir passt und worin ich mich wohlfühle. Ich habe meinen Stil gefunden und weiß, zu welchen Outfits ich für welchen Anlass greifen muss, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Da macht sogar das zwischenzeitliche Experimentieren wieder Spaß.

"Ich kann mehr ich selbst sein" -Karin (64)

Ich hatte seit meiner Jugend viele Konflikte mit meinen beiden Schwestern. Ich bin die Jüngste und hatte immer das Gefühl, dass ich mich behaupten muss. Sie haben oft versucht, sich in mein Leben einzumischen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Irgendwann habe ich bemerkt, dass ich bei Konflikten empfindlicher geworden bin, es mich viel mehr aufgewühlt hat. Aber eigentlich ist das ein Vorteil, weil man dann sozusagen "gezwungen" ist, die Dinge anzusprechen. Ich erlaube mir heute, mehr ich selbst zu sein. Damit geht es mir besser. Meinem jüngeren Ich würde ich raten: Lebe bewusst, aber denk nicht da­ran, was in 20 Jahren sein wird. Das kannst du nicht wissen. Versuche einfach, fürsorglich für dich selbst zu sein. Vertraue dir selbst. Du kannst das!

"Das Beste sind meine Enkelkinder" - Maria (72)

Das Beste am Älterwerden ist, dass ich Enkelkinder habe; dass mein Sohn eigene Kinder hat und ich weiß, wenn ich mal nicht da bin, dann hat er Familie. Das hat mich eine Zeit lang beschäftigt. Meine Familie ist größer geworden – das liebe ich.

"Ich bin beruflich gefestigt" - Sandra (45)

Im Vergleich zu meinen 20ern oder 30ern geht es mir heute vor allem beruflich besser. Ich habe mich im Jobleben sehr lange unsicher gefühlt – des­wegen habe ich es auch oft nicht lange an einer Stelle ­ausgehalten. Mit Mitte 30 bin ich dann in der Firma gelandet, in der ich heute noch arbeite. Ich mache genau das, was mir entspricht und mich interessiert. Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man seine Arbeit gut kann, viel Erfahrung hat und nicht immer wieder die Neueinsteigerin ist. Das gibt mir Sicherheit. Mit der Erfahrung von heute würde ich meinem jüngeren Ich raten, sich nicht zu lange mit Dingen aufzuhalten, die nicht passen.

 

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