Wann eine Mediation bei einer Scheidung Sinn macht

In Österreich wird jede dritte Ehe wieder geschieden, genau genommen betrug die Scheidungsrate 2013 laut Statistik Austria sogar 40 Prozent. Nicht jede dieser Trennungen geht geräuschlos über die Bühne. Warum die Lösung manchmal in einer Mediation liegen kann, erklärt Rechtsanwältin Katharina Braun.

Wann ist eine Mediation bei Scheidungen die bessere Lösung?

Katharina Braun: Eine Mediation ist keine Alternative zu einer Scheidung, vielmehr hilft eine Mediation eine einvernehmliche Lösung bzw. den genauen Modus der Scheidung vorzubereiten. Es gibt aber auch Fälle, in denen aus rechtlichen Gründen eine einvernehmliche Scheidung nicht empfehlenswert ist, wie beim Stichwort Witwenpension. Ist eine Frau z.B. zum Zeitpunkt der Scheidung über 50, jahrelang zuhause bei den Kindern geblieben und hat keine Eigenpension, so ist es besser, wenn der Mann die Scheidungsklage wegen dreijähriger Zerrüttung einbringt und in weiterer Folge das Verschulden an der Zerrüttung übernimmt. Nur so bekommt diese Frau auch nach der Scheidung die Witwenpension in voller Höhe.


Ich selbst arbeite als Rechtsanwältin sehr eng mit Mediatoren zusammen, da ich einfach das Gefühl habe, dass die Parteien oft in Ruhe noch über ihre Bedürfnisse und Emotionen sprechen wollen und eben auch müssen, um für eine einvernehmliche Lösung bereit zu sein. Im Anschluss an die Mediation prüfe ich dann als Rechtsanwältin die Mediationsvereinbarung auf ihre rechtliche Haltbarkeit und setze auf Grundlage dessen, was in der Mediation besprochen worden ist die Scheidungsvereinbarung auf.

Mag. Katharina Braun


Warum muss bei einer einvernehmlichen Scheidung laut Gesetz eine Beratungsstunde verpflichtend gemacht werden?

Nur bei einer einvernehmlichen Scheidung mit minderjährigen Kindern ist eine so genannte Elternberatung gemäß § 95 Abs. 1 a AußStrG verpflichtend. Viele sind nämlich der irrigen Meinung, dass nunmehr eine Paartherapie oder Mediation verpflichtet sei, dies auch wenn keine Kinder vorhanden sind. Dies stimmt nicht. Der Hintergedanke des Gesetzgebers bei der Einführung der verpflichtenden Elternberatung war jener, dass durch diese Elternberatung den Eltern bewusst werden soll, dass eben eine Scheidung auch für die Kinder eine große Veränderung bedeutet, die sehr belastend ist und da ist es wichtig, den Kindern bei der Scheidung das Gefühl zu geben, dass sie an der Scheidung keine Schuld tragen und sie keinen Elternteil verlieren.

§ 95 Abs 1 a AußStrG.

(1a) Vor Abschluss oder Vorlage einer Regelung der Scheidungsfolgen bei Gericht haben die Parteien zu bescheinigen, dass sie sich über die spezifischen aus der Scheidung resultierenden Bedürfnisse ihrer minderjährigen Kinder bei einer geeigneten Person oder Einrichtung haben beraten lassen.


Was kann eine Mediation, was das Gericht nicht kann?

Der Unterschied einer Mediation im Vergleich zu einem Gerichtsprozess ist der, dass hier die Parteien selbst Ihre Lösung erarbeiten und diese nicht vom Gericht auferlegt bekommen. Im Rahmen einer Mediation ist auch große Kreativität möglich und ist die Lösung ganz individuell. So gibt es Lösungen, die ich mir für mich persönlich nicht vorstellen könnte, die aber für den Klienten perfekt passen und nur darauf kommt es an: der Klient muss mit seiner Lösung glücklich und zufrieden sein. Es gab z.B. einmal einen Fall, da wollte die Frau zumindest für eine Woche jährlich immer wieder im ehelichen Haus wohnen können. Großes Streitthema ist oft sogar die Betreuung der Hunde nach einer Scheidung, da werden immer wieder Kontaktrechte ähnlich denen von Kindern vereinbart. Auch derartige Wünsche und Bedürfnisse können in einer Mediation gut besprochen werden.


Gibt es bestimmte Menschentypen, die mit Mediationen zu bessern Ergebnissen kommen?

Mediation macht bei jenen Menschen meist keinen Sinn, die an einer konstruktiven Lösung nicht interessiert sind, oder die sehr aggressiv sind und denen einfach nur ums „ Gewinnen“ geht („Ich will dass schwarz auf weiß steht, dass er schuld ist“). Wobei zu sagen ist, dass gerade bei Familienstreitigkeiten Mediation langfristig oft die bessere Lösung ist, denn ein jahrelanger Rosenkrieg kostet nicht nur viel Geld, sondern muss man auch bedenken, dass man – dies zumindest wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind – auch nach der Scheidung immer wieder aufeinander trifft. Es gibt doch nichts Schlimmeres, als Eltern, die bei der Hochzeit ihres gemeinsamen Kindes es nicht schaffen ein Wort miteinander zu wechseln.

Menschen, die besonders einer Mediation aufgeschlossen sind erkennen an, dass es auch nach der Scheidung über die Kinder Überschneidungspunkte geben wird und es wohl besser ist nicht zu viel „verbrannte Erde“ zu hinterlassen, welche ein späteres Aufeinanderzugehen so gut wie unmöglich macht.


Wie laufen Mediationen ab? Wer trifft die Entscheidung, wie die Situation am besten zu schlichten ist?

Eine Mediation läuft so ab, dass der Mediator den Parteien den Ablauf erklärt, mit diesen die Mediationsvereinbarung durchgeht (der Mediator unterliegt der Verschwiegenheit). Danach werden die Themen festgelegt, die in der Mediation besprochen werden sollen (eben z.B. Ehegattenunterhalt, Vermögensaufteilung). In weiterer Folge geben die Parteien nacheinander ihre Vorstellungen und Bedürfnisse bekannt (z.B. Bedürfnis der Frau: diese will zumindest bis Volksschulende des Kindes in der ehelichen Wohnung bleiben). Danach werden in einem „Brainstorming“ die einzelnen Lösungsoptionen aufgelistet, dem Mediator kommt hierbei eine vermittelnde und moderierende Rolle hinzu. Jede Lösungsoption wird durchargumentiert, auf Pro und Kontra geprüft und am Schluss sollte im Idealfall eine Lösung erarbeitet worden sein, die für beide Parteien passt.


Profitieren Kinder mehr von Mediationen?

Ein Rosenkrieg ist nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder sehr schlimm, sehr belastend. Kinder lieben doch beide Eltern und ist es für sie ein Martyrium, wenn sich die Eltern gegenseitig fertig machen, zumal ja oft dann auch die Aufmerksamkeit der Eltern für die Kinder verloren geht. Denn die Eltern widmen sich oft ganz dem Prozess. Ich erlebe es immer wieder das Kinder während eines langwierigen Scheidungsprozesses massiven psychischen Schaden nehmen, dies kann sogar bis zu Selbstmorddrohungen und sogar tatsächlichem Suizid des Kindes führen. Es sollte daher wirklich das Bestreben der Eltern sein einen Rosenkrieg möglichst zu vermeiden und gemeinsam eine Lösung ihrer Trennungssituation zu erarbeiten. Selbst wenn eine Scheidungsklage eingebracht worden ist – und dies ist manchmal notwendig, um dem Anderen zu verstehen zu geben, dass es mit der Scheidungsabsicht ernst ist - ist noch eine einvernehmliche Scheidung möglich Dies wird auch in der Praxis oft gemacht, nur 10 Prozent aller Scheidungen in Österreich werden strittig durchgeführt. Für eine Lösung ist es nie zu spät.

Die Expertin

Mag. Katharina Braun ist Scheidungsanwältin in Wien.

Web:www.rechtsanwaeltin-braun.at

 

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