Walking Dad: Väterlicher Verschleiß

Viele behaupten, wenn Männer Väter werden, reife ihr Charakter. Mag sein. Noch mehr Veränderung ortet Kolumnist Florian Danner aber an der männlichen Anatomie.

Der Freund meiner hochschwangeren Arbeitskollegin hat mich neulich, kurz vor ihrem Mutterschutz-Abschied, gefragt, was sich für Männer ändert, wenn sie erstmals Väter werden. Die Antwort kann man anhand eines männlichen Körpers gut veranschaulichen.

Da wäre zum Beispiel das Gesicht. Eigentlich hätte ich mein bisheriges Leben ohne Nasenbrüche und gröbere Narben überstanden - was man bei einem Landkind durchaus als kleines Wunder bezeichnen kann. In der Vaterrolle hat sich das bei mir geändert: Eines Tages öffne ich mit unseren Söhnen ein Packerl mit Kleidung, das der Postler gerade gebracht hat - nicht wissend, dass der Lieferant einen Plexiglaswürfel in der Größe einer Faust mit dem Logo des Labels beigelegt hat. Während ich die Schachtel nach Kleidung durchwühle, entschließt sich unser Großer, "Siegerehrung" zu spielen, und stemmt den Würfel wie einen Pokal in die Luft. Im Weg war nur meine Stirn. Der Hausarzt hat beim Nähen der Platzwunde über der linken Augenbraue gemeint: "Sie haben ja noch einen zweiten Sohn. Der kann sich dann symmetriebedingt um die rechte kümmern."

Hebefigur ...

Veränderungen sind auch an der Körpermitte festzustellen. Als unser erster Sohn mit dem Laufradfahren begonnen hat, wollte er ständig wie BMX-Biker von Parkbänken springen. Eines Herbstnachmittags habe ich ihn also mitsamt dem Laufrad stundenlang auf die Lehne der Bank gehoben und dann - den Sprung simulierend - wieder runter. Meine Rückenmuskulatur war davon weniger begeistert. Sie hat sich am nächsten Tag beim Lebensmitteleinkauf direkt vor der Wursttheke einfach entschieden, eine Jausenpause einzulegen. Der Hexenschuss hat mich so niedergestreckt, dass ich das Schinkensortiment von unten bewundern durfte und die Wurstverkäuferin die Rettung gerufen hat. Unser Sohn war von der Action vor seinen Augen begeistert. Er hat sich Wochen später noch an besagter Supermarktstelle selbst auf den Boden gelegt und darauf gehofft, dass die Rettung wieder mit Blaulicht anrücken würde.

... und Ess-Kalation 

Und dann ist da natürlich noch die unweigerliche Veränderung eines Vaters in der Bauchgegend. Ich habe gerade eine Studie mit folgendem Ergebnis gelesen: Väter sind dicker als Männer ohne Kinder, aber gesünder. Das mit dem positiven Gesundheitsaspekt soll daran liegen, dass Papas öfter an der frischen Luft sind. Für den Gewichtszuwachs habe ich aber meine eigene Erklärung: Wir können nämlich gar nichts dafür, dass wir Männer in der Vaterrolle zunehmen. Unser Fehler liegt darin, dass wir neben unserer eigenen Portion noch das zusammenessen, was die Kinder übrig lassen. Manchmal kämpfen wir sogar mit so viel Überzeugung gegen das Wegwerfen von Essensresten, dass wir nicht nur Ungekautes von den Tellern unserer Kinder verspeisen. Zugeben würden wir das natürlich nie. Aber es ist die Wahrheit. Auch, wenn einem das werdende Väter vor dem ersten Kind niemals abkaufen würden.

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