Während Fußballturnieren kommt es öfter zu häuslicher Gewalt

Wenn die eigene Mannschaft verliert, laden Fußballfans ihren Frust ab - und verprügeln ihre Frauen.

"If England gets beaten, so will she" - Wird England geschlagen, wird sie es auch. Mit unter die Haut gehenden Bildern macht die neue Kampagne des britischen National Centre for Domestic Violence (NCDV) auf die Gefahr häuslicher Gewalt während und nach Fußballturnieren aufmerksam.

Ein verlorenes Spiel heißt 38 Prozent mehr Gewalttaten gegen Frauen

Mehrere Studien britischer ForscherInnen konnten einen erheblichen Anstieg häuslicher Gewalt während vergangener Männer-Fußballweltmeisterschaften feststellen. Sobald die englische Nationalelf spielt, müssen vor allem Frauen büßen. Unabhängig vom Ergebnis des Spiels: Eine Studie der Universität Lancaster beweist, dass sogar ein Sieg des englischen Teams einen Anstieg häuslicher Gewalt zur Folge hat. Gewann das Team oder spielte es unentschieden, stieg die Zahl der gemeldeten Übergriffe um 26 Prozent, bei einer Niederlage registrierte die Polizei 38 Prozent mehr Notrufe von Frauen, deren Partner sie angegriffen hatte.

Den Polizeibehörden ist das bekannt: Laut eines Berichts des Independents stellen sie sich während großer Fußballturniere auf mehr Notrufe wegen häuslicher Gewalt und dementsprechende Einsätze ein. Mehr PolizistInnen, die für solche Eingriffe ausgebildet sind, sind im Dienst. Für Finalspiele am Wochenende werden die Teams zusätzlich aufgestockt.

Neben der generellen Gewaltbereitschaft tragen auch erhöhter Alkoholkonsum und die emotionale Anspannung zu den vermehrten Angriffen bei. ExpertInnen gehen davon aus, dass sich dieser Zusammenhang nicht auf Großbritannien beschränkt. Auch in anderen Ländern und Sportereignissen, bei denen starke Emotionen und Alkoholkonsum zusammenfallen, dürfte es zu einem Anstieg der Gewalttaten im häuslichen Umfeld kommen. Die Opfer sind Frauen in fast allen Ländern der Welt.

Kampagne gegen häusliche Gewalt

Es ist bereits die zweite Kampagne des NCDV, die auf den Zusammenhang von Fußball und häuslicher Gewalt aufmerksam macht. Sie soll für das Thema sensibilisieren, außerdem macht sie Opfer auf die Möglichkeit einer einstweiligen Verfügung aufmerksam, die sie schützen könnte. In den Sujets wurden die Flaggen Englands, Japans, Frankreichs, Belgiens und der Schweiz als Körperverletzungen geschminkt und von Neil Raja fotografiert. Das Konzept stammt von der Werbeagentur J. Walter Thompson London.

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