Wahlkampfsong der FPÖ

Gestern wurde die neue Hymne der FPÖ Wien vorgestellt. Blondinen, Berge, Bierzelte – es ist alles dabei, was das patriotische Österreicher-Herz begehrt. Eine Analyse.

„Pathos“ bedeutet so viel wie ein „überbetriebener Ausdruck von Ergriffenheit“. Mit diesem Wort lässt sich die neue Wahlkampfhymne der FPÖ Wien wohl am besten beschreiben. Die Botschaft ist ganz klar: unsere Österreicher, unser Land, unser Wien. Nicht umsonst steckt schon gleich im Songtitel der Satz „Bleibe meine Heimat“. Was dabei mitschwingen soll, ist die Vorstellung einer bedrohlichen Zukunft, in der das nicht mehr so sein könnte.

Zunächst erinnert der Song jedoch an „Go West“ von den Pet Shop Boys, im Original von den Village People. Mit Gay Liberation hat er aber wenig zu tun. Vielmehr aber mit der Melodie der Hymne der Sowjetunion, auf der der Song beruht. In der Vergangenheit setzten die Blauen schon oft auf linke Symbolik. Wir denken etwa an HC Straches Vergleich mit Che Guevera aus dem Jahr 2007 und ganz aktuell an die Wahl-Plakate der Oktober „Revolution“. Dass letztere ein Ereignis war, das bei geschichtsbewussten Menschen gemischte Reaktionen hervorruft, sei einmal dahingestellt. Doch auch diese Formulierung ist Kalkül – es sind immer „wir“ gegen die „anderen“, die Menschen sollen zusammengerottet werden, sie sollen glauben, sie seien wirklich Teil einer Revolution. Sie sollen glauben, die FPÖ stehe für Aufstand und Umdenken.

Dass diese „Revolution“ eher rückwärts- als vorwärtsgewandt vonstattengehen würde, zeigt auch das neue FPÖ-Video. Trachten, Berge, Gipfelstürmer und allerlei Nationalsymbolik vermitteln die Botschaft, dass es früher besser war. Zurück zur Tradition, zurück zu alten Zeiten, zurück zu einem migrantenfreien Land (das es nie gab).

„Das schöne Gefühl ganz tief in mir“

Der Text fällt (wenig erstaunlich) eher einfach und singbar aus, der Refrain „Immer wieder Österreich, Immer wieder Österreich, Immer wieder Österreich, für immer und eeeeeeewig“ wiederholt sich einige Male und wird zum Schluss nur mit einem „Bleib‘ mei Heimat, du mei Wien“ ausgetauscht. Immer zu sehen: die vollen Bierzelte, weiße Spritzer, die Österreich-Flagge in allen Formen. Hände in die Höhe und mitklatschen, lautet die Devise.

Die Zeiten der Einsamkeit sind vorbei, soll da die Botschaft sein. Im Song wird sogar etwas oder jemand – wahrscheinlich das Heimatland oder Strache (?) – in der zweiten Person besungen:

„Das schöne Gefühl ganz tiaf in mir,
wann i verstanden werd‘ von dir,
das gibt’s kan zweit‘s Mal auf da Welt.“

Das alles wäre ja lustig, wenn es nicht so traurig wäre: der "Song", der ein Gefühl à la "I am from Austria" vermittelt, könnte manchen Menschen tatsächlich gefallen oder sie sogar dazu verleiten, die FPÖ zu wählen. In der Zwischenzeit schweigt Parteichef Strache eisern zur neuen Solidaritätswelle und spontanen Hilfsaktionen für Flüchtlinge in Österreich. Viel lieber haut er auf die „Asyl- und Schleppermafia“ hin und unterscheidet zwischen „bösen“ und „guten Asylwerbern“. Die Lösung: „Unsere europäischen Außen-Grenzen und nationalen Grenzen sichern“. Denn: „Alles andere würde im Chaos enden“, ist auf seiner Facebook-Seite zu lesen.

Gesungen wird der schmalzige Song übrigens von Werner Otti, auf dessen Homepage folgendes Lebensmotto zu finden ist: „Gedenke Mensch, dass du sterben mußt, auf das du klug werdest!“ Nun – dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

 

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