Wahlkampf in Bad Tatzmannsdorf: Von Kulis und eingelegten Chillis

Visionen, Chilis und Marmelade. Bei der Bad Tatzmannsdorfer BürgermeisterInnenwahl wird heftig geworben. Martina Parker weiß trotzdem noch nicht so genau, wen sie wählen soll.

Ganz Österreich muss sich gerade überlegen, wen es am 15.10. wählt. Und ich muss es mir sogar zweimal überlegen, denn in Bad Tatzmannsdorf ist nächsten Sonntag Gemeinderatswahl. Es gilt, einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin zu bestimmen. Ich darf hier wählen, weil ich hier einen Nebenwohnsitz habe. Das hat mit einer ominösen Evidenzliste zu tun. „Das stehen die seltsamsten Leute drauf“, sagt eine Nachbarin mit Augenrollen.

Weil ich auch drauf stehe, werde ich heftig umworben. Ich bekomme Besuch von Parteirepräsentanten und an meinem Tor hängen abends Geschenke. Traditionell gibt es viele Kugelschreiber und Feuerzeuge. Das wundert mich, denn heute schreiben doch alle auf dem Computer und mit dem Rauchen haben auch die meisten aufgehört.

Ich hebe die Feuerzeuge dennoch auf, um meine Duftkerzen anzuzünden. Allerdings überklebe ich vorher die Parteilogos, weil mir die doch zu aufdringlich sind. Eine Kandidatin schickt mir eingelegte Chilis, weil sie „...für Bad Tatzmannsdorf brennt“. Das finde ich eine ausnehmend kreative Idee. Ein paar Tage später bekomme ich von einer anderen Partei regional produzierte Marmelade. Ich überlege, ob sich die Chiliversenderin dadurch kopiert fühlt, oder ob das ein Koalitionsantrag war. Chili und Jam – in England geht so was als Chutney durch.

Noch mehr als die Geschenke beschäftigen mich die Wahlprogramme. Alle Bürgermeisteranwärter wollen das Freibad retten, das Ortsbild verschönern und die Lebensqualität der Bewohner stärken. Diese Einigkeit finde ich gut, aber irgendwie auch verwirrend.

„Bei der Bürgermeisterwahl wählt man nicht nach Farbe, sondern nach Sympathie“, sagt eine Freundin aus Oberwart. Das ist eine Persönlichkeitswahl. Die hat leicht reden. Wenn ich auf der Oberwarter Evidenzliste stehen würde, würde ich auch den Georg Rosner wählen. In Bad Tatzmannsdorfist das schwieriger. In jeder Fraktion sitzen ehemalige Schulfreunde, denen ich eine gute Gemeindepolitik zutrauen würde. Außerdem scheinen die Bewerber doch laut Wahlprogrammen ohnehin alle recht gleich zu ticken.

Von internen Streitigkeiten, kriege ich als "hoibate Wearnerin" ja wenig bis gar nichts mit. So eine Gemeinderatswahl soll ja schon Standesbeamte ins Burnout getrieben haben. Manchmal ist Unwissenheit ein Segen.

Zu mir sind derweil alle nur super freundlich. Ich werde sogar von Listenkandidaten gegrüßt, die mich seit 30 Jahren nicht gegrüßt haben. Das freut mich ehrlich. Ich fand schon immer, "durchs Reden kommen die Leute zsamm" und Kommunalpolitik kann man nur durch gute Kommunikation stemmen. Also lächle ich zurück und hoffe, dass dieses positive Klima auch bestehen bleibt, nachdem ich am Sonntag mein Kreuzerl gesetzt habe.

 

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