Wählen mit Kindern: Wahlgeheimnis? Kennen wir nicht!

Wenn WIENERIN-Kolumnist Florian Danner mit seinen Söhnen das Haus verlässt, ist das mit dem Wahlgeheimnis bei den Kleinen schnell vergessen ...

Florian Danner

Es ist die klassische Situation in diesen Tagen, wenn wir durch unser Vorstadtdörfchen an den Dreieckständern der Spitzenkandidaten vorbeigehen. "Stimmt's, Papa, den mögen wir nicht? Der ist so gemein zu den anderen", sagt da unser dreijähriger Noah in voller Lautstärke, damit andere flanierende Ortsbewohner ihn sicher gut hören. Geheimnisse? Wofür denn?

FRAGEN. Die Wahlplakate der Parteien gehen an unseren Söhnen nicht spurlos vorüber - und wir nie wortlos an ihnen. "Warum hat denn diesem Mann wer einen Bart aufgemalt?" "Warum lacht diese Frau nicht?" "Und wieso schaut der Mann da irgendwohin in die Luft?"

Wobei die Wahlkampf-Fragezeichen für unsere zwei eigentlich schon daheim beginnen. An klassischen Wochenendmorgen, wenn wir mit vielen Zeitungen am Frühstückstisch sitzen, die Burschen die Sportteile durchblättern und meine Frau und ich die eine oder andere Schlagzeile besprechen, bekommen Noah und Theo riesige Ohren. Dass ihnen Hillary Clinton leidtut und sie Donald Trump für garstig halten, könnten sie gut von diesen Gesprächen haben.

Dabei versuchen wir, ihnen auch möglichst wertfrei zu erklären, was dafür- und was dagegenspricht, dass wir Österreicher weniger fliegen, mehr Elektroautos fahren, mehr oder weniger Flüchtlinge aufnehmen oder jeder selber schauen muss, ob er irgendwann einmal eine Pension vom Staat kriegt oder nicht.

Meine Frau und ich wählen erstens selten dasselbe und zweitens oft anders als bei der vorhergehenden Wahl. Und weil wir von vornherein nur wenige Parteien oder Politiker ausschließen, dauert der Entscheidungsprozess bei uns meistens ziemlich lang.

WÄHLEN. Den Wahltag lassen sich die Kids jedenfalls nie entgehen. Natürlich kommen unsere zwei Burschen mit ins Wahllokal, weil sie so gerne das Kreuzerl machen. Solange sie "Ruhe und Ordnung" nicht stören, darf die Wahlbehörde Kinder in der Wahlkabine ja erlauben, steht im Gesetz. Wär ja auch schön blöd, wenn wir, um wählen zu gehen, die Kinder unbeaufsichtigt lassen müssten. Damit wir den Wahlvorgang auch wirklich nicht stören, haben wir seit den ersten Wahlen mit Kindern ausgemacht, dass wir in der Wahlkabine nur flüstern. Das klappt so weit auch immer ganz gut, wenn wir den Kindern dann leise klarmachen, wohin sie das Kreuzerl malen sollen.

Nur einmal ist das mit der Ruhe und Ordnung im Wahllokal schiefgegangen: Als wir alles im Flüsterton hinter uns gebracht hatten und aus dem Klassenzimmer, in dem unser Wahlsprengel untergebracht war, schon fast wieder draußen waren, sagte Theo, ganz gespannt auf das Wahlergebnis, in der Tür stehend: "Hoffentlich wird jetzt wirklich eine Frau unsere Präsidentin." Lang lebe das Wahlgeheimnis! Aber soll noch einer sagen, die Jungen wären nicht politikinteressiert.

Unsere Bilanz? Konfliktfrei. Auch wenn wir zu fünft auf 45 Quadratmetern gewohnt haben, hat jeder den Vorteil der Situation gesehen. Oma war mit 68 zum ersten Mal in einem ausverkauften Footballstadion im Silicon Valley, meine Frau und ich waren ab und zu auch als Paar und nicht nur als Familie unterwegs.

Und die Kids hatten den größten Spaß mit der Oma, die nie Nein sagt. Außer einmal: als die Burschen sie überreden wollten, ein Selfie mit einem älteren Herrn zu machen, der neben uns am Strand lag. Theo und Noah wollten den daheimgebliebenen Opa per WhatsApp eifersüchtig machen. Aber Oma hat beim Selfie mit dem Fremden nicht mitgespielt. Und so wird dieser knackig braune Mittsiebziger von Santa Barbara mit dem knappsten Stringtanga der Erde um die Hüfte nur in unseren Urlaubserinnerungen festgehalten bleiben.

 

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