Wahl: Sandra Frauenberger

Kreuzstich ist out, Kreuzchen machen in: Im Herbst wählen die Steiermark und Wien neue Landesregierungen – und wir Frauen können viel bewegen. Was die Damen Frauenberger, Vassilakou, Brauner, Edlinger-Ploder und Marek damit zu tun haben, sagen wir Ihnen hier.

Sandra Frauenberger (43), Frauenstadträtin der SPÖ Wien

Zur Person:
Seit 26 Jahren gewerkschaftlich aktiv, seit 2001 in der Wiener Stadtpolitik. 2007 übernahm sie das Stadträtin-Amt für Integration, Frauenfragen, KonsumentInnenschutz und Personal. Hat zwei Söhne (6 und 12). Läuft und kocht gern, liebt Sneakers. Sternzeichen: Jungfrau.
Ich bin ...
... eine Kämpferin mit Konzept.
Ich will ...
... dass Frauen sicher, selbstbestimmt und unabhängig in der Stadt leben können. Selbstbestimmung bedeutet, sich eine eigene Existenz aufbauen zu können - daher sind Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik das Um und Auf. Doch auch mein Einsatz etwa gegen sexistische Werbung dient der Selbstbestimmung. Denn: Sexistische Werbung manifestiert alte Rollenbilder.
Der Moment, als ich sagte: „Jetzt geh ich in die Politik" ...
... war mit 16 eine Friedensdemo. Mir wurde klar: Nur wenn ich etwas tue, ändert sich etwas. Danach trat ich in die Gewerkschaft ein.
Eine meiner konkreten Forderungen:
Die flächendeckende Ganztagsschule. Frauen hilft sie, Familie und Beruf zu vereinen. Migrantenkindern ermöglicht sie, sich erfolgreich zu integrieren.
So verbinde ich Kinder und Karriere:
Mittlerweile leichter. Als die Kinder noch klein waren, halfen ein Jahr Karenz, das Familiennetzwerk und die Stundenreduzierung meines Mannes, bei der er bis heute geblieben ist.
Darauf können Frauen bei mir setzen:
Auf Authentizität, Frauensolidarität, meinen Kampf für Gleichstellung und soziale Sicherheit & gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Und: auf mein großes Herz.

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Das zipft mich an der Politik an:
Machogehabe, Intoleranz, Frauenfeindlichkeit.
Was mir besonders am Herzen liegt:
Zu sagen, was ist: In Wien hat fast jeder Zweite einen Migrationshintergrund, die Hälfte davon sind Kinder. Wichtig ist mir, ihr Potenzial zu för­dern. 90 % der MigrantInnen nehmen das Angebot von Deutschkursen wahr. Und 60 % der Neuzuwanderer sind gut qualifiziert.
Haben Sie einen speziellen weiblichen Zugang zur Politik?
Zu meiner Strategie gehört es, mich in jedem Fall mit etwas oder jemandem auseinanderzusetzen. Phrasendrescherei ist nicht meins. Ich höre mir kompromissbereit die verschiedenen Argumente an, um mir dann einen eigenen Weg zu konzipieren. Dazu gehört auch, Unterstützung zu suchen und zu lobbyieren: Außer den Männerlobbys gibt es mittlerweile sehr gut funktionierende Frauennetzwerke.
Spielen Sie das Spiel der Männer in der Politik mit?
Ich versuche, mich dort herauszunehmen und Politik anders zu gestalten - ohne den Fehler zu begehen, in dieselbe Machtstrukturiertheit der Männer zu verfallen. Die Kunst muss sein, einen Kulturbruch herbeizuführen: dass wir Frauen eine eigene Politik und eigene Strategien verfolgen.
Meine Stärken:
Ich bin sehr strukturiert und meine Leidenschaft ist meine Stärke: Es gibt keine Distanz zwischen mir und meinem Job.
Meine Schwächen:
Ungeduld. Und: Ich kann nicht gut mit Unordentlichkeit (anderer).
Mein Motto:
Ein richtiges Motto habe ich nicht. Aber ein Satz, der für mich gilt, lautet „Das Private ist politisch."


WIENERIN-FAZIT

+ Untypische Rote, zieht konstruktive Vorschläge jedem Konflikt vor. Die Partei steht hinter der Feministin.
- Nichts zu finden - selbst politische Gegner loben ihre Kompetenz und Handschlagqualität.

 

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