Vorstadtweiber 2018 – "Genau-so-isses!"

Die Vorstadtweiber polarisieren. Entweder man liebt die Serie über die Sorgen und Nöte der Damen im Grinzinger Cottageviertel, oder man hasst sie.

Reality Bites

Die Grinzinger Schickimickiweiber, die ich kenne, finden die Serie ausnahmslos toll. Interessanterweise checkt aber keine von ihnen, dass ihr die Serie quasi auf ihren (im John Harris gestählten, mit Designerfetzen aus der Obkirchergasse dekorierten) Leib geschnitten wurde. Das nennt man wohl blinden Fleck. Aber jede einzelne von ihnen könnte hier sofort mitspielen. Und jede Figur in den Vorstadtweibern erinnert mich an irgendwen, den ich auch im echten Leben kenne. Ich bin mir fast sicher, dass ich den Minister und den Star-Gynäkologen schon mal interviewt habe. Ich verstehe jeden, der die Vorstadtweiber zu laut, zu schrill, zu obszön oder einfach „zu tiaf“ findet. Aber für mich macht diese Realitätsnähe die Serie einfach einmalig.

Was bisher geschah

Gestern ging die Erfolgsserie des ORF in die dritte Saison. Das fulminate Finale der zweiten Staffel muss aufgelöst und weitergesponnen werden. Wir erinnern uns: Waltraud Steinberg wurde bei der geplanten Hochzeit mit Minister Schnitzler von Nicoletta angeschossen, eine Tat für die der komplexbeladene Polizist Jörg aus Liebe zu Nicoletta ins Gefängnis ging.

So geht es weiter

In der neuen Staffel suhlen sich Hadi und Bertram in ihrem Elend als Bankrottiers – allerdings zum Glück nicht lange, sie laufen schnell wieder zu böser Hochform auf ... während Caro eine Affäre mit Waltrauds Pfleger anfängt. Maria rafft sich endlich zur Scheidung auf und Vanessa putzt Autos, um an den belastenden USB-Stick mit Joachims Tat zu kommen. Blöderweise geht der Stick aber kaputt.

Bittere Wahrheit

So weit, so soap. Schrill, hysterisch und gewohnt böse. Aber eigentlich sind mir die Plots ohnehin herzlich egal, solange die Dialoge so nah ans Leben geschrieben sind, dass man am liebsten ständig „Ja, genau-so-isses!“ schreien möchte.

Genau-so-isses!“, rufe ich innerlich, wenn Vanessa sich bei Waltraud anbiedert. Vanessa: „Wir waren doch einmal echte Freundinnen.“ Waltraud: „Wir waren einmal auf einen Kaffee zusammen und sind im selben Krankenzimmer gelegen.“ Vanessa: „Eben. In Vorstadtdimensionen ist das eine Freundschaft fürs Leben.“

Genau-so-isses!“, brülle ich, wenn Vanessa ihre Einkäufe vom Diskonter in Designersackerl umräumt, um sich vor den Nachbarn keine Blöße zu geben. Und wer glaubt, das wäre übertrieben: Ich kenne sogar Frauen, die haben eigene Designersackerl speziell für Ausflüge in den ersten Bezirk!

Genau-so-isses!“, rufe ich bei dem Satz: „Willst Du mich nicht, weil ich der Toni Kollarits aus der Kriehubergasse bin und kein Steinberg?“ Weil mir sofort eine Grinziger Schickimicki-Freundin einfällt, die mal gesagt hat, sie würde lieber sterben, als mit – sagen wir mal – einem aus Meidling auszugehen.

Genau-so-isses“, juble ich, wenn der Autoverkäufer gegen die Reifen des angepriesenen Autos tritt. Weil ich selbst Wiener Autoverkäufer kenne, die immer haargenau dasselbe tun.

Genau-so-isses“, kreische ich, als ich mitansehe, wie die Pleitiers Hadi und Rolf beschließen, eine Consulting Firma zu gründen. Und muss an ehemalige Geschäftsführer denken, die jetzt natürlich auch Berater sind.

Fazit: eine Serie, die in ihren kleinen Gesten dieses „Genau-so-isses“ Gefühl auslöst, muss man einfach lieben. Her mit den neuen Folgen und Figuren! Denn es warten noch viele Überraschungen auf uns: Thomas Stipsits kommt als Scheidungsanwalt hinzu. Als Putzfrau mit Hintergedanken kommt Doris Golpashin ins Spiel, Christoph Grissemann tritt als Gebrauchtwarenhändler auf.

Die "Vorstadtweiber" laufen ab 8. Jänner immer montags um 20.15 Uhr in ORF 1. Versäumte Folgen kann man in der ORF TVthek abrufen.

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