Vorsicht Shoppingfalle!

Verlassen Sie sich bei (Online-)Käufen auf die Bewertung anderer User? Vorsicht! Denn 30 Prozent der Kommentare sind Fakes. Aber Schleichwerbung und Fakes machen sich auch anderswo breit - vielleicht sogar in Ihrem nächsten Umfeld?

Produktbewertungen im Netz sind nicht das Einzige, wo Sie genau hinschauen sollten, bevor Sie den Empfehlungen Dritter beim Shoppen folgen.

Trau, schau, wem!

Nur ein knapper Drittel der Konsumenten glauben bei Konsumentscheidungen an die Versprechen der klassischen Werbung, aber neun von zehn Menschen vertrauen auf den Rat von Freunden und Bekannten. Das zeigt eine internationale Studie der Marktforschungsfirma Nielsen aus dem Jahr 2012. ...

Flogging:

Oft spezialisieren sich Blogger ja auf bestimmte Themen, z.B. Make-up oder Mode. Und hat ein Blog mal eine gewisse Zahl regelmäßiger Leser, schicken Firmen neue Produkte zum Testen an den Urheber. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, wenn die Artikel nicht extrem teuer sind. Doch wenn die Schreiber Geld für ihre netten Textchen über die Artikel bekommen, ist die Unabhängigkeit dahin. Man nennt das dann Flogging - von Fake und Blogging. Schauen Sie also genau hin: Wenn eine Firma sehr oft in einem Blog vorkommt, ist das verdächtig. Manche Schreiber gehen natürlich auch ganz offen mit dem Thema „Wir sind Produkttester" um. Hier müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie solchen Urteilen noch vertrauen können und wollen.

Produktester:

Apropos Produkttests: Weil Werbung kaum mehr zieht, werben viele Firmen mit der Verschickung von Gratisprodukten zum Testen. Frau kann sogar Marken- oder Produktbotschafterin werden (etwa bei Nivea). Als Gegenleistung möchten sie ein Posting über den Artikel auf ihrer Webseite und das man ihn (auch mittels Produktproben) weiterempfiehlt im Umfeld. Klingt gut? Nun ja, Menschen die etwas geschenkt bekommen, urteilen milder. Und wer sich kritisch äußert, wird bei der nächsten Testrunde nicht selten ausgeschlossen. Viele Firmen haben diese Form des Marketing übrigens längst an Agenturen outgesourced.

Trefferkauf:

Es gibt Dienstleistungen, die werden eher nicht bewertet, weil die Plattform fehlt oder die Menge an Menschen, die Erfahrungen damit gemacht haben. Beispiele sind Handwerksbetriebe oder Ärzte. Viele verlassen sich dann auf Google. Was und wer von der Suchmaschine bei der Eingabe „Zahnarzt, Wien" oder „Schreiner, Graz" ausspuckt wird, wird „gebucht". Dabei ist Google alles andere als objektiv. Viele Kleinunternehmer zahlen inzwischen zum Beispiel dafür, in der Trefferliste ganz oder zumindest weit oben zu erscheinen.

Werbeprämien:

Seit langem ist es gang und gebe, dass etwa Verlage ihren Abonnenten Prämienprodukte bieten, wenn die einen neue Leser werben. Neuerdings jedoch ist das auch in anderen Branchen Usus - du dort fließt dann auch Geld. Wer etwa den Online-Speicher HiDrive Pro 2500 von Strato erfolgreich weiterempfiehlt, kann sich über eine Prämie in Höhe von 50 Euro freuen.

Klick und Geld:

Eine weitere Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist die Einbindung von Firmen-Textlinks oder -Werbebanner auf der eigenen Webseite. Für jeden Klick gibt es ein paar Cents oder auch Euros. Ist okay? Wenn man weiß, dass Freunde solchen Empfehlungen zu fast 82 Prozent vertrauen, sieht die Sache anders aus.

Facebook, Twitter und Co:

Schon mal gewundert, warum Andrea die Seite der Firma Y gefällt und Stefan über das Unternehmens Z twittert? Möglicherweise verdienen sie damit Geld. Die Pinterest-ähnliche Plattform The Fancy belohnt etwa User, die Produkte an ihre Freunde empfehlen, mit Provisionen.

Stealth-Marketing:

Eines der berühmtesten Beispiele: eine Werbekampagne von Sony Ericsson. Die Firma engagierte sechzig Schauspieler in zehn Städten, um Touristen zu spielen. Die Schauspieler baten Passanten, ein Foto von ihnen zu machen, drückten ihnen das brandneue Handy mit Kamerafunktion in die Hand und bemerkten, ganz nebenbei, was für ein cooles Gadget das Ding doch sei.

Die Morgensons:

Die Zukunft des Empfehlungsmarketings? Familien, die ihren Freunde und Bekannten gezielt Produkte empfehlen und dafür Geld bekommen. In Kalifornien lief ein Testlauf mit der gecasteten Morgenson-Familie, die Ergebnisse sind in Martin Lindstroms Buch „Brandwashed" nachzulesen. Chat Threads befragte Nachbarn der Morgemsons nach dem Experiment nach Marken, die ihnen spontan einfielen, und sie nannten fast nur noch solche, die ihnen die Morgensons empfohlen hatten. Ein Drittel der Bekannten hatte inzwischen begonnen, diese Marken den eigenen Freunden weiterzuempfehlen. Und im Schnitt kaufte jeder Nachbar der Morgensons drei der propagierten Produkte.

Die Armee der Unwissenden:

Gesprächsauswertungen des amerikanischen Marktforschers Keller Fay haben ergeben, dass 90 Prozent aller Produktempfehlungen nicht im Internet, sondern während eines Treffens oder am Telefon ausgesprochen werden. Im Durchschnitt erwähnen wir in sechzig Gesprächen pro Woche eine Marke, rund vierzigmal in mehrheitlich positivem Zusammenhang, nur fünfmal deutlich negativ.

 

Aktuell