Von zerbrechlichen Männern

Klischeebehaftete Männlichkeitsbilder können fatale Folgen haben. Der Hashtag #MasculinitySoFragile stellt diese nun in Frage - aber nicht zur Freude aller.

Das Konzept der Männlichkeit wird im Internet gerade auf den Prüfstand gestellt. Denn genauso wie es klischeehafte Frauenbilder gibt, sind auch falsche Männlichkeitsbilder – also, das was man sich allgemein darunter vorstellt – voller stereoyper Lebensentwürfe und Rollenbilder.

Der neue Twitter-Hashtag #MasculinitySoFragile versucht diesem Phänomen auf den Grund zu gehen und erinnert uns daran, dass wir die Kritik am Konstrukt von der Kritik an der Person trennen müssen. Wenn Feministinnen Männlichkeitsbilder anprangern, dann schimpfen sie nicht gleich über „alle Männer“. Problematische Konzepte von „Männlichkeit“ müssen thematisiert werden, so der allgemeine Tenor. Dazu gehört, wie Männer in dieser Gesellschaft sozialisiert werden – etwa, dass sie keine Schwäche zeigen dürfen oder auch muskulös daherkommen müssen. Der Druck, diesen Bildern zu entsprechen, hat fatale Folgen. Die Suizidrate der Männer ist in Österreich etwa doppelt so hoch wie jene der Frauen.

Hier sind einige der besten Tweets:

„Männern wird beigebracht, ihre Emotionen zurückzuhalten und das ist der Grund, warum viel mehr Männer an Suizid sterben.“

„Die Kritik am Patriarchat wird als Kritik an jedem einzelnen Mann gelesen.“

„Es gibt einen Grund, warum der Ausdruck ,wie ein Mädchen‘ eine Beleidigung ist – und ,wie ein Mann‘ ein Kompliment ist.“

„Männer haben Angst, ihren Söhnen Barbies oder andere ,weibliche Spielsachen‘ zu geben, aus Angst, dass sie schwul werden.“

„Du kannst keine Frau daten, die mehr verdient als du.“

„Sogar ihr Essen muss ,tough‘ sein.“

„Männer haben nicht gelernt die Kritik an Männlichkeit als Konstrukt von der Kritik an ihnen als Individuen zu trennen.“

Wie zu erwarten, melden sich aber auch Kritiker zu Wort – mit Kommentaren wie „Wenn Männer so fragil sind, warum rasten Frauen dann aus, wenn ihre Nägel brechen?“

„Du drohst damit, Frauen zu schlagen, um deine Überlegenheit und körperliche Stärke zu beweisen.“

Dabei könnte diese Diskussion dazu beitragen, männliche Lebensentwürfe, die nicht der Norm entsprechen, in dieser Gesellschaft endlich zu akzeptieren. Gleichzeitig muss es möglich sein, patriarchale Weltbilder zu kritisieren, ohne dass sich Männer gleich persönlich angegriffen fühlen. Bei der Kritik geht es darum, Konstrukte anzuprangern, die Bilder in unseren Köpfen zu hinterfragen und auch einmal über den Tellerrand zu blicken. Denn nicht jeder Mann ist muskulös, bärtig und emotionslos. #MasculinitySoFragile beweist, dass Feminismus, Gleichberechtigung und die Akzeptanz dessen, was nicht unserer konstruierten gesellschaftlichen Norm entspricht, allen zugute kommt.

 

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