Von Männern für Männer: Warum das Design von Smartphones sexistisch ist

Schon mal darüber nachgedacht, dass iPhone und Co für Männerhände gebaut wurden? Die Autorin Caroline Criado Perez hat hinterfragt, warum "One size fits all" tatsächlich meistens "One size fits men" bedeutet.

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"Invisible Women: Data Bias in a World Designed for Men" heißt das Buch von Caroline Criado Perez, das kürzlich erschienen ist. In ihrem Werk hinterfragt die Autorin das Design von Alltagsgegenständen - und belegt mithilfe von Fakten, wie sehr eben das auf den Körpermaßen von Männern beruht.

Von der Klaviertastatur bis zum Smartphone: Der "One size fits all"-Zugang zu vordergründig unisex-Dingen benachteiligt Frauen deutlich. Die durchschnittliche weibliche Handspannweite beträgt zwischen 17,5 und 20,5 Zentimeter. Auf einem Klavier sind die Oktaven normalerweise 18,8 Zentimeter auseinander - eine Studie hat belegt, dass 87 Prozent der Pianistinnen dadurch benachteiligt werden. Es hindert sie aber nicht nur daran, dasselbe Level an Anerkennung zu erreichen (das schaffen einer Untersuchung aus dem Jahr 2015 zufolge nur Frauen, die eine Handspannweite von knapp 22 Zentimetern oder mehr haben), sie tragen auch das Risiko dadurch hervorgerufener gesundheitlicher Folgen. Mehrere Studien aus den 1980er und 90er Jahren haben gezeigt, dass überdurchschnittlich viele professionelle Klavierspielerinnen an berufsbedingten Verletzungen leiden. 78 Prozent der Frauen hatten das RSI-Syndrom entwickelt (eine chronische Überlastung, auch "Mausarm" genannt), aber nur 47 Prozent der Männer.

Es gibt genügend Daten, die zeigen, dass Frauen durchschnittlich kleinere Hände haben als Männer, und trotzdem entwerfen wir weiterhin Geräte nach den Maßen der durchschnittlichen männlichen Hand, als wäre one-size-fits-men dasselbe wie one-size-fits-all.

von Caroline Criado Perez

Bei iPhone und Co zeigt sich dasselbe: Das durchschnittliche Smartphone ist knapp 14 Zentimeter hoch. Während wir alle immer noch größere Bildschirme im ersten Moment super finden, denkt niemand daran, wie das Ding in die Hände der Hälfte der Population passen soll (geschweige denn in klitzekleine oder erst gar nicht vorhandene Hosentaschen, wie sie bei "Frauenkleidung" vorhanden sind).

Frauen kaufen iPhones, die für Männer entworfen wurden

Das nervt und ist zudem ziemlich blöd für ein Unternehmen wie Apple, meint Caroline Criado Perez in ihrem Buch mit dem Verweis, dass Untersuchungen zufolge mehr Frauen als Männer ein iPhone besitzen. Auf der Suche nach Erklärungen dafür ist die Autorin bei den großen Smartphone-Firmen abgeblitzt. Alex Hern, Tech-Reporter beim Guardian, konnte ihr ebenfalls keine plausible Antwort geben: "Es ist eine offen bekannte Tatsache, aber ich habe nie eine konkrete Info dazu bekommen." Inoffiziell habe er jedoch oft das Feedback erhalten, dass Smartphones ohnehin nicht mehr einhändig benützt werden würden und Frauen zu größeren Telefonen tendieren würden, die sie sowieso in ihrer Handtasche verstauen. Gut und schön, meint Criado Perez, aber Frauen trügen hauptsächlich deshalb Handtaschen, weil ihre Kleidung keine ordentlichen Taschen besitzt.

Gesundheitliche Schäden durch Smartphones, die zu groß sind

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Weiter hat sich Caroline Criado Perez auf die Suche nach Studien gemacht, die die Auswirkungen dieses Größenunterschiedes auf die Gesundheit von Frauen untersuchen. "Es ist ein relativ neues Forschungsgebiet, aber die Untersuchungen, die es gibt, zeichnen kein positives Bild des Einflusses von Smartphones auf die Gesundheit", schreibt sie und merkt an, dass die entsprechenden Studien nicht in Geschlechter aufgeteilt wurden - sofern überhaupt eine repräsentative Zahl an Frauen daran teilgenommen hat. Obwohl Frauen bewiesenermaßen kleinere Hände haben und ein höheres Risiko an Störungen des Muskelapparats des Arms aufweisen, haben das zu wenige Untersuchungen berücksichtigt. Jene, die das getan haben, zeigen einen deutlichen Gender Gap (zur Studie).

 

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