Vom Gender Gap im Immobiliengeschäft

Frauen verhandeln schlechter und haben weniger Zeit, sich mit dem Markt auseinanderzusetzen. Daher verlieren sie beim An- oder Verkauf von Immobilien Geld.

Warum Frauen beim An- oder Verkauf von Immobilien Geld verlieren

Als Sheconomy- Kolumnistin ist mir im Lauf der Zeit schon jeder Gender-Gap untergekommen - dachte ich zumindest. Mitnichten! Letztens stieß ich auf eine Studie der Yale School of Management mit dem Titel "The Gender Gap in Housing Returns". Ich dachte, ich hätte mich verlesen. Wie kann es einen Gender-Gap bei der Immobilienrendite geben?

Tatsächlich entsteht dieser durch die An-und Verkaufspreise: Frauen kaufen teurer und verkaufen billiger als Männer. Die Studienautor*innen haben 50 Millionen Immobilientransaktionen aus einem Zeitraum von 26 Jahren analysiert. Das Ergebnis: Frauen erwirtschaften in diesem Feld zwischen 1,5 und 7,9 Prozentpunkte weniger Rendite pro Jahr.

Frauen verkaufen, wenn sie müssen

Wie kann das sein? Das wurde für die Studie auch analysiert - und hier treffen wir auf altbekannte Gründe, die Frauen generell finanziell ausbremsen: Etwa, dass bei Singlefrauen oder Alleinerzieherinnen oft sich ändernde Lebensumstände zu Immobilientransaktionen führen, während es bei Männern öfter rein finanzielle Gründe sind.

Frauen kaufen oder verkaufen Wohnungen oder Häuser, wenn sie müssen, und nicht, wenn es aus der Sicht des Markts am günstigsten ist. Besonders Frauen mit Kindern fehlt zudem die Zeit, sich ausreichend mit dem Thema auseinanderzusetzen, was ebenfalls zu ungünstigeren Preisen führt.

Rücksichtslosigkeit gefragt

Doch es kommt noch schlimmer: Nicht nur die objektive Marktentwicklung und schlechtes Timing spielen hier mit, sondern auch, wie der Markt Frauen sieht. Während bei Männern akzeptiert wird, dass sie hart verhandeln, wird das bei Frauen als beleidigend und gierig aufgefasst. Studienautorin Kelly Shue analysiert: Von Frauen wird angenommen, dass sie eher bereit sind, ein Stück vom Kuchen abzugeben und somit den verhandelten Preisnachlass zu teilen. Den größten Nachlass erzielen Männer, wenn sie es mit einer Verkäuferin zu tun haben. Zumindest behandeln sich Frauen bei Transaktionen gegenseitig relativ fair.

Was wir daraus lernen können, ist, dass wir auf den Ruf pfeifen und rücksichtsloser verhandeln - und am besten schnapsen wir uns Deals unter uns Schwestern aus.

 

Aktuell