Vitamine zum Essen

Immer wieder hört man, dass Obst und Gemüse nicht mehr ausreichend Vitamine und Mineralstoffe beinhalten. Ernährungswissenschafterin Ingrid Neugebauer spricht im Interview mit uns über Vitamintabletten, lange Lagerungszeiten von Obst und Gemüse, Tiefkühlprodukte sowie die vitaminreichsten Früchtchen im Herbst.

Häufig wird behauptet, dass Obst und Gemüse weniger Vitamine enthalten, als vor 100 Jahren. Wie entsteht dieser Eindruck?
Ingrid Neugebauer: Der Vitamingehalt von Obst oder Gemüse ist von vielen Faktoren wie vom Anbaugebiet, der Sorte, dem Zeitpunkt der Ernte, dem Wetter etc. abhängig und kann somit starken Schwankungen unterliegen.

Wie kann der Konsument herausfinden, ob das Obst und das Gemüse, das er kauft, vitaminreich oder -arm ist?
Greifen Sie zu in der Sonne gereiften Obst. Dieses ist meist besonders vitaminreich.

Ist es noch möglich genügend Vitamine und Mineralstoffe über die normale Ernährung zu sich zu nehmen?
Für einen gesunden Menschen ja. Wie hoch der Vitamin- und Mineralstoffbedarf ist, hängt immer mit dem allgemeinen Gesundheitszustand zusammen oder auch wenn man sehr viel Sport betreibt kann ebenfalls ein höherer Bedarf vorhanden sein.

Warum boomt der Markt mit Vitamintabletten oder sogar -infusionen so? Was bringen diese und für wen sind sie gedacht?
Vitamininfusionen oder Tabletten sind nur für Personen geeignet die durch ein Krankheitsbild oder durch Befunde vom Arzt ein Defizit aufweisen und dadurch eine Supplementierung benötigen. Ich vertrete nicht das Gießkannenprinzip von wegen „hilft es nicht, so schadet es nicht", da dadurch auch Überdosierungen bei Vitaminen zustande kommen können.

Was wären mögliche Folgen von Überdosierungen?
Diese treten im Wesentlichen bei fettlöslichen Vitaminen auf, da diese nicht wie die wasserlöslichen Vitamine über die Niere ausgeschieden werden. Vitamin A und Vitamin D wären da zu erwähnen. Folgen könnten sein: Trockenheit und Jucken der Haut, Haarausfall, Kopfschmerz, blutende Mundwinkel, Hyperkalzämie (erhöhter Kalziumspiegel im Blut) um nur einige Symptome zu erwähnen.

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Mittlerweile weiß man, bei welchen Lebensmitteln der Vitamingehalt schnell sinkt und wo die Vitamine in der Frucht genau sitzen. Außerdem gibt es die Möglichkeit bei Obst und Gemüsesorten, die schnell Nährstoffe verlieren wie z.B. Spinat, diese schnell einzufrieren und so zu erhalten. Wenn man dieses Wissen beachtet, müsste man doch auch mehr davon profitieren können als früher...
Absolut richtig - durch das Schockgefrieren bleiben die Vitamine im Obst bzw. Gemüse sogar besser erhalten, als in der sogenannten „Frische-"Abteilung. Da das Obst bzw. Gemüse häufig zu lange gelagert wird - außer es kommt direkt vom Feld in den Markt.

Inwiefern spielen lange Transportwege eine Rolle?
Lange Transportwege führen, sofern es nicht zu einer korrekten Lagerung kommt, ebenfalls zu Verlusten der Vitamine. Vom Produktionsland, in dem die Frucht oft unreif geerntet wird, geht es ja dann zumeist ins Zentrallager. Manchmal sogar in ein Reifelager - manche Obstsorten haben nur wenig Sonne gesehen. Dann erst wird das Produkt in den Supermarkt geliefert, dort liegt es dann auch einige Stunden bis der Konsument das Produkt kauft und vielleicht sogar erst am nächsten Tag verzehrt. Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Wege, umso besser.

Welche Tipps haben Sie für den Konsumenten?
Heimische Ware zu bevorzugen, Obst und Gemüse so schnell wie möglich verzehren oder rasch einfrieren, so dass es zu keinem Vitaminverlust kommt.

Welche fünf Lebensmittel bringen dem Körper jetzt am meisten und warum?
Äpfel, Heidelbeeren, Weintrauben, Pflaumen und Birnen. Äpfel wegen dem enthaltenen Vitamin C und B, den Carotinoiden und Flavonoiden. Auch die Pektine sind wichtige Inhaltsstoffe, da sie helfen den Cholesterinspiegel zu senken. Heidelbeeren enthalten Anthocyane, welche freie Radikale abfangen und neutralisieren, sowie Vitamin C, welches die Immunabwehr stärkt. Weintrauben enthalten Vitamin C zur Stärkung des Immunsystems und Resveratrol, das sich positiv auf das Zellalter auswirkt. Pflaumen sind reich an sekundären Pflanzenstoffen, welche eine Schutzfunktion gegen Entzündungen und Infektionen haben. Birne enthalten Vitamin A, B und C und sind somit ein Immunsystemschutz. Aber sie sind auch reich an Kalium, das eine entwässernde Wirkung hat. Zusätzlich wirkt es Verdauungsstörungen im Darm entgegen.

 

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