Vitamin D

Wenn es um Vitamine geht, besonders um Vitamin D, wird es unübersichtlich: Nimmt man nun mit der Nahrung nicht ausreichend Vitamin D zu sich, wie manche Studie nahelegt? Oder bringt es nichts, das Vitamin vorbeugend einzunehmen, etwa um Krebs vorzubeugen? Ernährungsexperte Sven-David Müller klärt auf.

"Regelmäßig an die Sonne gehen - wie die Sonnenanbeter in diesem Video - und ausgewogen essen reicht aus. Mehr Vitamin D ist nicht notwendig. Und natürlich lässt sich auch über die Nahrung die Zufuhr steigern - das zeigen mehr als eine Million Jahre der Menschheitsgeschichte."

Noch eher wir dem deutschen Ernährungsexperten, Medizinjournalisten und Buch-Autor Sven-David Müller unsere Fragen am Telefon stellen können, fällt sein erster Satz - und der ist eindeutig. Aber ist damit schon alles zum Thema gesagt? Wir haben nachgehakt:

Herr Müller, braucht der Mensch Vitamin D - und wenn ja, warum?

Der Vitamin D-Bedarf ist grundsätzlich unterschiedlich, aber wir haben allgemein eine schlechte Versorgung, besonders Menschen, die sich in Wohnungen aufhalten und ältere Menschen. Damit meine ich nicht nur 90-jährige Menschen im Altenheim, sondern schon viele ab dem Pensionsalter, die nicht mehr außer Haus gehen.

Vitamin D sorgt zum Beispiel für gute Abwehrkräfte. Wer ständig erkältetist, sollte nicht an Vitamin C denken, sondern an Vitamin D. Es ist wichtig bei Herzkreislauf-Erkrankungen, bringt gute Knochen, beugt Asthma, Diabetes Typ II und Krebs vor. Man nimmt auch besser ab, wenn man ausreichend mit Vitamin D versorgt ist. Wie jedes Vitamin hat es nicht nur eine einzige Funktion, das wäre viel zu kurz gedacht.

Vitamine D

Eine Studie der Universität Zürich geht davon aus, dass wir uns über die Nahrung nicht ausreichend mit Vitamin D versorgen können, sondern dafür Ergänzungsmittel und Sonnenlicht brauchen. Was halten Sie von dem Studienergebnis?

Dann müssten alle Menschen unterversorgt sein! Man müsste wissen, wie die Studie angelegt war und unter welchen Bedingungen diese Ergebnisse zustande gekommen sind. Dass jeder substituieren soll, ist natürlich Blödsinn. Es hat über eine Million Jahre keine Nahrungs-Ergänzungsmittel gegeben. Gehen Sie lieber an die Sonne - nicht auf Lichtlampen oder die Sonnenbank, denn das ist nicht normal! Und passen Sie Ihre Ernährung an!

Vitamin D ist eigentlich kein Vitamin, sondern ein Hormon. Bei ausreichender Sonnen- beziehungsweise UVB-Bestrahlung kann es der Körper aus Cholesterol in der Haut in hohen Mengen selbst synthetisieren. An einem Sonnentag reicht etwa eine Viertelstunde Bestrahlung auf Gesicht, Hände und Unterarme, um mehrere Tausend Internationale Einheiten (IE) Vitamin D zu produzieren.

Notwendig sind laut Internationalen Standards 800 IE. Um diese Menge zu erreichen, müsste man täglich 400 g Makrelen, 4 kg Schweineschnitzel, 16 bis 20 Eier, 20 Liter Vollmilch, 10 kg Kalbsleder, 10 kg Brie (mit 45 Prozent Fettanteil), 600 g Avocado oder 1 kg Shiitake-Pilze essen.

Wie man auf die notwendige Dosis Vitamin D kommt, erfahren Sie auf Seite 2 >>

Sonnenblumen
Sven-David Müller, M.Sc.
Medizinjournalist und Gesundheitspublizist
Master of Science in Applied Nutritional Medicine
staatlich anerkannter Diätassistent
Diabetesberater der Deutschen Diabetes Gesellschaft

Zentrum und Praxis für Ernährungskommunikation, Diätberatung und Gesundheitspublizistik (ZEK);
1. Vorsitzender des Deutschen Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik e.V.

Sonne tanken und Ernährung anpassen, das reicht?

Ja, angeblich ist Vitamin D ja in zu geringem Ausmaß in Lebensmittel, aber das sind Lügen, sonst hätte es die Menschheit nicht auf ein paar Millionen Jahre gebracht. Vitamin D ist im Matjeshering, im Lachs, ein bisschen sogar in Sardinen und Sardellen - generell im Fisch, wenn er aus dem Meer kommt. Ein tägliches Hühnerei macht einen nicht unwesentlichen Anteil aus. Täglich eines und man steht auf der richtigen Seite. Gut ist auch Margarine, da wird Vitamin D zugesetzt.

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Und: Lassen Sie täglich einen Teil der Haut unbestrahlt - Gesicht oder Hände. Man darf sich nicht wundern, dass wir im Winter den Blues haben, wenn wir uns so vermummen. Das hat einen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Ich sehe aber nicht ein, warum Menschen auf die Sonnenbank gehen müssen. Das ist ja auch mit einem nicht unwesentlichen Risiko behaftet. Aber nehmen Sie im Urlaub nicht den höchsten Sunblocker, sonst wird kein Vitamin D produziert. Ich rede nicht davon, sich "braten" zu lassen. Man geht vielleicht - je nach Hauttyp - eine halbe Stunde bis zwei Stunden an die Sonne. Die optimale Produktion von Vitamin D erreicht man nach zehn Minuten. Ein bis zwei Stunden Sonnen, länger besteht keine Notwendigkeit.


Sie raten zu Fisch und Ei - da haben es Veganer offenbar in Sachen Vitamin D-Versorgung nicht einfach. Was würden Sie ihnen empfehlen?

Schalten Sie Ihr Hirn aus, das Hirn hilft beim Essen einfach nicht!

Die vegane Ernährung ist Blödsinn, der Mensch ist einfach nicht dafür gemacht. Ein Veganer ist ein guter Kunde für die Apotheke. Studien haben ergeben, dass man bei veganer Ernährung nicht weniger, sondern mehr Krankheiten hat. Um sich mit Vitamin D zu versorgen, muss er zum Arzt und Nahrungergänzungsmittel nehmen. Diese sind schlechter als Lebensmittel: Wer nämlich zum Beispiel Eisenpräparate nimmt, bei dem passt sich der Organismus so an, dass er weniger Eisen aus der gewöhnlichen Nahrung zieht. Damit die generelle Zufuhrrate wieder passt.

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Wenn jemand mit Verdacht auf Mangel an Vitamin D zu Ihnen kommt, was würden Sie demjenigen raten?

Meine erste Frage wäre, was er/sie isst. Wenn es sich tatsächlich um eine Fehlernährung handelt und derjenige das Hinausgehen an die Sonne verweigert, dann ist der Gang zum Arzt notwendig. Dann muss bestimmt werden, ob ein Vitamin D-Mangel vorherrscht. Keinesfalls sollte man zu abstrusen Mitteln aus dem Internet oder der Apotheke greifen. Einfach so ein fettlösliches Vitamin wie Vitamin D einzunehmen ohne ärztliche Beratung ist schwierig. Der Mensch denkt: Viel hilft viel - aber ein Zuviel an Vitamin D ist gefährlich. Fettlösliche Vitamine können nämlich nicht wie Vitamin C im Stuhl ausgeschieden werden. Bei Mangel kommt es zu Krankheiten, aber bei einer Überdosierung kommt es zu einer Vergiftung und in weiterer Folge ebenfalls zu Krankheiten. So kann sich ein Zuviel an Vitamin D negativ auf die Knochen auswirken.

Holen Sie sich statt der Pillen lieber Lebertran aus der Apotheke, es gibt schon welchen, der nicht mehr so schlecht schmeckt ...

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