Viele Familien können sich Schulkosten kaum leisten

Eine neue Schultasche, Hefte, Schreibzeug, Skikurse, Ausflüge oder Nachhilfe – Schule kostet Geld. Für viele Eltern sind all diese zusätzlichen Ausgaben kaum stemmbar.

Schulklasse

An sich gehen Kinder und Jugendliche in Österreich gratis in die Schule. Dennoch müssen Eltern tief in die Tasche greifen, um alle Kosten, die mit einem Schulbesuch in Österreich anfallen, zu decken. Rund 300.000 Kinder und Jugendliche in Österreich leben in einkommensschwachen Familien, für die jedes neue Schuljahr eine enorme finanzielle Herausforderung bedeutet.

Rund 857 Euro an zusätzlichen Kosten pro Kind und Jahr

Ein Startpaket mit allem, was Erstklässler*innen für den Schulbeginn so brauchen, kostet Eltern zwischen 100 und 300 Euro. Im Schnitt geben Eltern von Volksschulkindern pro Jahr 461 Euro aus. Werden die Kinder älter, geht es oft um noch größere finanzielle Brocken, wie etwa Nachhilfe oder Sprachreisen. So kommen Eltern von Kindern im höheren Schulbereich bereits auf durchschnittlich 1.488 Euro pro Jahr, erklärt Evelyn Kometter, Vorsitzende des Verbandes der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen im Standard. Das macht im Schnitt 857 Euro für schulische Zusatzkosten pro Kind und Jahr.

Corona-bedingte Stornokosten entfallen auf Eltern

Vor allem Ausgaben für Skikurse, Sprachreisen oder Sportwochen stellen für viele Eltern eine Belastung dar. Zwar gibt es in Österreich den sogenannten "Familienbonus Plus", ein Steuerabsetzbetrag in Höhe von 1.500 Euro pro Kind und Jahr für Haushalte, die Familienbeihilfe beziehen. Allerdings können gerade Eltern, die weniger verdienen, diesen oft gar nicht geltend machen, erklärt Kometter. Damit auch Kinder aus einkommensschwachen Familien nicht daheim bleiben müssen, helfen oftmals die Elternvereine aus. 2019 haben die Pflichtschulelternvereine aus den Elternbeiträgen in ganz Österreich rund 2,2 Mio Euro dazugezahlt, damit Kinder an Schulskikursen teilnehmen konnten. Heuer besonders bitter: Stornokosten für Skikurse, Sportwochen und Co, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten, dürften an den Eltern hängen bleiben, so die ernüchternde Prognose von Kometter.

Einen weiteren großer Teil der Ausgaben machen neben Schulveranstaltungen Kopierkosten aus. Diese sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen, weil das Schulbuchbudget nicht der Inflation entsprechend erhöht wird, weshalb Schulmaterialien nun häufiger kopiert werden. Pro Jahr und Kind macht das rund 120 Euro aus.

Schulkosten-Studie der Arbeiterkammer

Um die konkreten Beträge zusätzlicher Schulausgaben zu erheben und einer wachsenden Belastung für Familien entgegenzuwirken, bittet die Arbeiterkammer Eltern im Zuge der Schulkosten-Studie, ein Jahr lang genau aufzuzeichnen, welche Schulkosten für ihre Kinder anfallen – von Schultaschen, Laptops, Reisen bis zu Sportschuhen. Bereits vor fünf Jahren hat die AK eine solche Erhebung durchgeführt. Es ist anzunehmen, dass die Ausgaben in den letzten Jahren noch angestiegen sind. Eltern von Schulkindern (Alter und Schultyp egal) können sich noch bis 30. September auf www.schulkosten.at zur Teilnahme anmelden.

Chancenindex für mehr Gerechtigkeit

Die Corona-Krise hat Bildungsungleichheiten in Österreich deutlich gemacht: So stellte etwa das Lockdown-bedingte Homeschooling gerade für Familien mit weniger Geld eine große Schwierigkeit dar. Der Chancenindex, ein Instrument, um die Benachteiligung von Kindern aus einkommensschwachen Haushalten zu bekämpfen, wird aktuell nun wieder verstärkt diskutiert: Anhand einer Formel, die soziale Merkmale berücksichtigt, sollen Ressourcen wie Budget und Personal in unterschiedlichem Ausmaß an Schulen verteilt werden. Darauf bezugnehmend findet sich im türkis-grünen Regierungsprogramm die Absicht, 100 sozioökonomisch benachteiligte Schulen zu fördern. Das reiche allerdings bei weitem nicht aus, da auf diese Weise nur jede elfte Pflichtschule, die auf zusätzliche Ressourcen angewiesen ist, unterstützt wird, so Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk im Standard.

 

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