Viel Regen, noch mehr Käsknöpfle und ein bisserl Corona: Mein Sommerurlaub 'dahoam'

WIENERIN-Redakteurin Luise verbrachte ihren Sommerurlaub heuer in Vorarlberg. Statt Sonnenbaden am Meer gab’s Regen, Fahrten im nostalgischen Wälderbähnle, rassistisches Bier und äh … noch mehr Regen. Ihr Fazit: Kann man machen – muss man aber nicht.

Mellau, Vorarlberg

"Najo, why not? In Vorarlberg war ich eh noch nie…" waren wohl in etwa die Gedanken, die mir vor der Buchung meines heurigen Sommerurlaubs durch den Kopf gingen. In den Bregenzerwald soll's gehen, fernab von Zivilisation, stinkendem Wiener Verkehr und tosendem Baustellen-Lärm. Eine Woche grüne Wiesen, muhende Kühe und Spaziergänge durch die sonnige Natur. Nun ja, was soll ich sagen, ganz so wie ich mir das vorgestellt hatte, ist es dann nicht gelaufen: All den Twitter-Prediger*innen, die Heimaturlaub in Österreich seit Jahr und Tag als regnerische Enttäuschung verteufeln, gestehe ich nur ungern zu: Ihr hattet Recht.

In Innsbruck war die Welt noch schön

Aber beginnen wir von vorn: Da die Fahrt von Wien nach Vorarlberg eine recht lange und Innsbruck ein ziemlich beschauliches Städtchen ist, beschlossen wir, auf unserem Hinweg einen Stopp in der Tiroler Hauptstadt einzulegen. Während sich meine gute Laune dank sonnigem Wetter auch durch überraschend viele Baustellen nicht schmälern ließ (ich glaube, das Goldene Dachl glänzte zwischen dem vielen grauen Bauschutt nur noch mehr!), ahnte ich noch nicht, dass sich unser sonniges Alpenträumchen bald in regnerische Tristesse verwandeln würde.

Unterwegs mit dem Wälderbähnle

Nach einem ersten (noch trockenen) Abend mit musikalischer und tänzerischer Belustigung durch den Bregenzerwälder Trachtenverein (ich wusste nicht, dass sich Männer beim Schuhplattln gegenseitig hochheben und einander den Hintern versohlen – glaubt mir, es ist sehenswert), sollte sich unser Wetterglück bald in Pech umkehren: Ab dem nächsten Morgen bis zum Ende des Urlaubs war wetterfeste Bekleidung angesagt. Um doch ein bisserl was von der wirklich sehr schönen Landschaft im Bregenzerwald zu sehen (ohne vollkommen nass zu werden), buchten wir eine Zugfahrt mit dem nostalgischen Wälderbähnle – einer altmodischen Dampflok, die mit uns "wie damals“ durch die malerische Landschaft Vorarlbergs tuckerte. Fazit: Eh lieb. Für Großeltern mit Enkerl wahrscheinlich der Hit.

Luise und die Schokoladenfabrik

Das nächste wetterfeste Ausflugsziel, mit dem wir (wie wir glaubten) nichts falsch machen konnten: Die Milka-Schokoladenfabrik in Bludenz. Well, … leider stellte sich dieser Besuch als ziemliche Enttäuschung heraus, denn: Statt auf Website und in Touri-Flyern großspurig angepriesener Hintergrundinfos zur Schokoladenproduktion und Unmengen vergünstigter Schoki erwartete uns ein winziger Shop mit halbleeren Regalen, für den man sich rund eine halbe Stunde im (ihr ahnt es schon) strömenden Regen anstellen musste. Die Ausstellung zur Schokoladenproduktion? Leider geschlossen.

Was uns schokoladentechnisch mehr als enttäuscht zurückließ, machten wir am folgenden Tag mit einem Besuch in St. Gallen wieder wett: Während das "Milka-Lädele“ seine Kund*innen bei weitem nicht zu befriedigen weiß, weiß es ein simpler Schweizer Supermarkt allemal: Tafeln köstlichster Qualitäts-Schoki wohin das Auge blickt – zwar zu stolzen Preisen, aber die blendeten wir einfach mal aus.

Von Geburtszangen und Knöpfle-Träumen

Zwei Erfahrungen unserer Reise möchte ich an dieser Stelle noch lobend erwähnen: Zum Einen die Vorarlberger Küche, die mich mit ihren äußerst käsigen Käsknöpfle definitiv als Fan gewonnen hat (still dreaming about them Knöpfle..hmmm), zum andern das ziemlich lässige Frauenmuseum in Hittisau (btw das erste und einzige Frauenmuseums Österreichs!), das momentan eine super spannende, interaktive Austellung zum Thema "Geburtskultur“ zeigt. Wärmste Empfehlung!

Wie mir ein Bier den Urlaub vermieste

Was mich neben des grauslichen Wetters noch ziemlich nervte: Das in ganz Vorarlberg allgegenwärtige Mohrenbräu mit seiner rassistischen, klischeehaften Darstellung eines Schwarzen Mannes. Es ist 2020 – muss das sein?! Da trinke ich - wenn's regional sein soll - doch viel lieber das gute, alte Fohrenburger – das hat anstatt einer rassistischen Karikatur nämlich ein süßes Einhorn als Logo. Übrigens: Wem das Mohrenbräu-Logo auch sauer aufstößt, der kann sich mit dem Unterzeichnen dieser Petition für die Änderung einsetzen.

Fazit: Nächstes Jahr wieder Adria

Alles in allem war unser Trip in den Bregenzerwald ja irgendwie eh ganz nett und einige Tage kaum etwas von Corona mitzubekommen, auf jeden Fall entspannend (der Mund-Nasen-Schutz war nur im Milka-Shop und beim Be- und Entsteigen des Wälderbähnles Pflicht). Allerdings würde ich wohl lügen, würde ich sagen, ich wäre nicht doch lieber eine Woche an der sonnigen Adria gelegen. Da können die Knöpfle noch so käsig sein.

 

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