Video zeigt, wie Frau im indischen Bangalore belästigt wurde

Frauen wurden im indischen Bangalore massenweise belästigt - Schuld ist laut dem Innenminister ihr "westlicher Kleidungsstil".

Wieder hat es Indien öffentliche sexuelle Übergriffe gegen Frauen gegeben. Zahlreiche Frauen - wie viele genau, ist noch unklar - waren im indischen Bangalore in der Silvesternacht von Männern in Gruppen sexuell belästigt und ausgeraubt worden. Die indische Polizei hat Ermittlungen eingeleitet.

Laut dem Polizeichef der südindischen Stadt Bengaluru gibt es jedoch"keine Beweise" für die massenhaften Belästigungen am Silvesterabend, wie er der "BBC" am Donnerstag sagte. Die Ermittler hätten sich die Aufnahmen von fast 70 Überwachungskameras angesehen und keine Hinweise auf sexuelle Attacken auf Frauen erkennen können, so Praveen Sood.

In der Zwischenzeit kommen immer mehr Geschichten der Opfer und auch Videos der Vorfälle an die Öffentlichkeit. Dieses Video aus einer Seitengasse zeigt, wie erschreckend gut organisiert manche Belästiger waren:

In den indischen sozialen Netzwerken machen Videoaufnahmen von weinenden und um Hilfe rufenden Frauen die Runde.

"Aus dem Nichts fing einer von ihnen an, mich zu begrapschen"


Auch die junge Frau Chaitali Wasnik war unter den Opfern. Sie erzählte der britischen Tageszeitung "The Guardian", was sich in der Nacht abgespielt hatte - und wie sie versuchte sich zu wehren: "Ich war auf dem Weg nachhause von der Arbeit und wollte einen betrunkenen Freund in ein Taxi stecken. Es sind ungefähr 300 Pubs auf dieser Straße und als diese zumachten, waren tausende Menschen draußen. Plötzlich kamen zwei verdächtig aussehende Männer auf mich zu. Sie kamen mir sehr nahe und ich wich zur Seite, damit sie vorbeigehen können. Aus dem Nichts fing einer von ihnen an, mich zu begrapschen."

Doch die junge Frau ließ das nicht auf sich sitzen: "Ich habe zurück attackiert und er wurde panisch. Damit hatte er nicht gerechnet. Ich fing an ihn zu schlagen und zu kicken - alles was ich machen konnte, versuchte ich. 15 bis 20 Männer fingen dann an, mich wegzuziehen, damit ich ihn nicht mehr schlagen konnte. Der Täter versicherte den anderen, dass er der Frau nichts getan habe und sie alles nur erfindet. Dann verschwand er und das Opfer hatte keine Chance ihn anzuzeigen. "Ich war wütend, weil mich diese Männer davon abgehalten haben."

"Westlicher Kleidungsstil ist schuld"


Viele BewohnerInnen von Bangalore sind schockiert, denn bislang galt die Stadt als vergleichsweise sicher für Frauen. Für Empörung sorgte der Innenminister des Bundesstaates Karnatak, G Parameshwara, mit der Äußerung, Schuld an den sexuellen Übergriffen sei der "westliche Kleidungsstil der Frauen" gewesen. Die Leiterin der Nationalen Frauenkommission, Lalitha Kumaramangalam, forderte den Politiker zum Rücktritt auf. "Wann werden die indischen Männer endlich lernen, Frauen zu respektieren?", sagte sie der Nachrichtenagentur PTI. Sie würde gern wissen, ob indische Männer tatsächlich so "schwach" seien, dass sie beim Anblick von Frauen mit westlichem Kleidungsstil "die Kontrolle verlieren".

Da dies nicht die ersten Vorfälle dieser Art in Indien sind, fordern viele Frauen in Indien jetzt, dass das Thema sexuelle Gewalt gegen Frauen endlich von Politik und Öffentlichkeit auf die Prioritätenliste gesetzt wird.

 

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