Victoria Beckham

Sie wurde belächelt und diffamiert. Doch schlussendlich hat Ex-Spice-Girl Victoria Beckham allen bewiesen, dass sie Pepp in die Modebranche bringt. Letztes Jahr erhielt sie sogar den begehrten British Fashion Award als „Label des Jahres".

Möchte man eine ihrer Taschen erstehen, reiht man sich auf den Wartelisten bei Harrods oder Bergdorf Goodman ein, bei ihren Shows erhält sie Standing Ovations, die neue Zweitlinie „Victoria, Victoria Beckham" wurde gerade erfolgreich gelauncht.

Und zu guter Letzt erhielt sie vergangenen Herbst den begehrten British Fashion Award als „Label des Jahres". Prominente Vorgänger der renommierten Auszeichnung waren Alexander McQueen, Stella McCartney und John Galliano. Victoria Beckham ist da angekommen, wo sie seit geraumer Zeit hinwollte: in den Modeolymp.

"Meine wahre Leidenschaft gehört der Mode."
von Victoria Beckham

Der Weg dorthin war jedoch lang und steinig. Die ersten zaghaften Schritte in Richtung Mode unternahm sie in zu großen Stiefeln. Der anfängliche Versuch war zwar grundsätzlich solide gewählt, aber klischeeverbunden: Jeans - eng und sexy. So wie man es sich von einer Wag, dem britischen Ausdruck für Fußballergattinnen, erwartete.

Heute, ein paar Jahre später, geht Ehemann David, einst der beste Fußballer und „schönste Mann" der Welt, als ihre Begleitung durch - nicht umgekehrt. Was in der Zwischenzeit passiert ist? Trifft man Victoria Beckham, ist man überrascht: Zwar ist sie in Wirklichkeit noch dünner als auf den kolportierten Fotos, doch es fällt sofort auf, dass man einer intelligenten Frau gegenübersteht. Die nicht nur eine gehörige Portion Ehrgeiz besitzt, sondern auch mit Wissen und Witz brilliert.

Victoria Beckham hat dem launigen Fashionzirkus bewiesen, dass sie weder Clown noch Marionette ist, sondern lieber den Zirkusdirektor mimt.

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1974 geboren, landete Victoria Beckham ihren ersten großen Hit 1996 mit den „Spice Girls“ und dem Lied „Wannabe“. Ihr zweiter großer Hit war die Hochzeit mit Fußballlegende David Beckham.

Heute hat sie mit ihm vier Kinder und lebt in L.A. Obwohl sie als skandalfreies Vorzeigepaar gelten, darf David ihre Shows nicht besuchen.

„Couture statt Promizirkus“ ist das neue Motto.
Ein Vergleich, der zu hoch greift? Keineswegs. Die Designerin hat etwas geschaffen, was nicht jedem Modeschöpfer gelingt. Ihre Kollektionen springen ins Auge - ohne dass man sich schnell satt sieht. Sie sind sexy - ohne offensichtlich zu sein. Sie entsprechen dem Zeitgeist und sind dabei zeitlos.

Victoria Beckham mixt schwere Stoffe mit starken Schnitten. So fallen die kantigen Konstruktionen spielerisch leicht und sorgen für eine gussreife Passform. Hier ein Detail und da ein Zipp geben der ultrafemininen Note einen „edgy touch". Bereits nach nur wenigen Saisonen steht das im September 2008 gegründete Label für eine spezielle Signatur: figurbetonte, schnörkellose Kleider, deren Sexappeal die Designerin raffiniert bricht. In dieser Saison sind das etwa breite Träger aus Nylon, sportliche Assoziationen wachrufen.

Dass Victoria Beckham auch Sportsgeist besitzt, zeigt sich allerdings nicht nur an ihrer Mode. So bewies sie nicht nur Durchhaltevermögen, sondern auch viel Selbstironie. Mehrmals modelte sie in den Kampagnen für Freund und Wegbegleiter Marc Jacobs.

Einmal schlüpfte sie etwa in eine überlebensgroße Tüte mit einem Propeller auf dem Kopf und ließ sich als erwachsene Pippi Langstrumpf inszenieren. Feinsensorige Modeexperten nahmen bereits damals wahr, dass man einer Frau, die so gewitzt mit ihrem Medienbild als Modeirrlicht spielt, doch mehr zutrauen sollte. Wie wahr, denn mit der Zeit fand Victoria Beckham ihren Weg. Sie begann mit Sonnenbrillen, die Lust auf mehr machten: große Shades, außergewöhnliche Fassungen mit einem Mix aus Understatement und Glamour. Es folgte der Launch ihres Couture-Labels und die erste Taschenkollektion 2010.

Zu ihren vergangenen Stilsünden sagt sie heute: „Die betrachte ich als Teil des Weges, der dahin führte, wo ich heute bin." Neben ihrer zunehmenden Stilsicherheit und Expertise vertraut sie auch auf Freund Marc Jacobs: „Er sagte einmal zu mir: Solange die Qualität die beste ist, können die Leute zwar sagen, sie mögen es nicht. Aber keiner kann sagen, es ist Quatsch." Der Presse hat sie es bewiesen: Das einstige Irrlicht ist heute ein klarer Stern.
 

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