Verwendet dein*e Partner*in Strategische Inkompetenz im Haushalt?

Sind wir ehrlich, niemandem fehlen die nötigen Fähigkeiten, um ein Klo zu putzen oder den Müll rauszubringen.

Verwendet dein*e Partner*in Strategische Inkompetenz im Haushalt?

Vor mehreren Jahren zog meine Schwester das erste Mal mit einem Mann zusammen. In einem Telefonat erzählte sie mir, dass sie ihrem damaligen Freund nun eine Einschulung ins Toiletten putzen gegeben habe, da er das nicht konnte. Er war damals 23 Jahre alt. Es war relativ klar, dass es sich um einen perfekten Fall von strategischer Inkompetenz handelte. Und das war nur ein Beispiel von vielen.

Für viele Paare kommt erst, wenn sie zusammenziehen, eine spannende Erkenntnis. Der*die Partner*in nimmt es mit der Haushaltsteilung nicht ganz so genau. Weil er*die keine Lust darauf hat. Nicht, weil er*sie es nicht kann. Aber wer hat schon Lust zu bügeln oder den Müll runterzubringen. Im Jahr 2021 gaben laut einer YouGov-Umfrage 38 % der Frauen, die Vollzeit arbeiten und einen männlichen Partner haben, an, dass sie den größten Teil der Hausarbeit und der Kinderbetreuung übernehmen, während nur 9 % der berufstätigen Männer mit Partnerinnen das Gleiche sagten.

Er weiß nicht, wie man das macht?

Und hier kommt manchmal (besonders von Frauen in Heterobeziehungen) das Argument: "Aber es ist nicht seine Schuld, er weiß halt nicht wie man das macht oder meine Ansprüche sind zu hoch." Halten wir hier ganz kurz inne. I mean. Ladies. Überlegt mal. Macht ihr die Wäsche, weil ihr absolute Genies seid? Braucht es eine eigene Ausbildung zum Müll runtertragen, Wäsche nicht im Wohnzimmer herumliegen lassen oder Badezimmerspiegel putzen. Nein. Denn die haben auch viele Frauen nie bekommen. Sie haben sich diese Fähigkeiten nur angeeignet, weil sie einerseits bereits als Kinder gesagt bekamen, dass das ihre Aufgaben seien und sie andererseits viel Übung haben. Übung macht schließlich den Meister.

Und hier kommt Strategische Inkompetenz bzw. weaponized incompetence ins Spiel. Der Begriff weaponized incompetence wurde erstmals 2007 von Jared Sandberg im Wall Street Journal definiert. Aber was ist es genau? Von strategischer Inkompetenz spricht man, wenn jemand eine Aufgabe absichtlich schlecht erledigt oder so tut, als wüsste er*sie nicht, wie eine Aufgabe zu erledigen ist, damit die andere Person die Aufgabe übernimmt. Dadurch wird ein Verhaltensmuster ausgelöst, bei dem die eine Person sich ärgert, weil sie alles selbst machen muss, während die andere die Situation manipulieren kann, um der Verantwortung zu entgehen. Diese Art von Verhaltensmustern spielt sich sowohl in Liebesbeziehungen und Familien als auch in Freundschaften und am Arbeitsplatz ab.

Mutter spielen ist nicht sexy

Gerade auf Social Media teilen immer mehr Frauen nun Videos und Beispiele, wie diese strategische Inkompetenz in ihrer Beziehung oder Ehe aussieht. Sie veröffentlichen Videos und Fotos von Müllbergen, Kleidung auf dem Wäschekorb und Einkäufen, die aussehen, als hätte man einem 10-jährigen 50 Euro gegeben und erlaubt, er könne sich im Supermarkt aussuchen was er wolle. Diese Videos drücken eine steigende Frustration aus.

Lucy Rowett, Sex- und Beziehungscoachin, erklärt gegenüber Cosmopolitan das große Problem dahinter: "Wenn ein Mann glaubt, eine Aufgabe nicht bewältigen zu können, oder so tut, als ob er es nicht könnte, wirkt sich das letztlich nachteilig auf ihn aus, denn die Beziehung wird fast elterlich und nicht partnerschaftlich. Männer nehmen eine fast kindliche Rolle an, und das ist nicht gut für ihre eigene Entwicklung und ihr Selbstvertrauen. Frauen nehmen eine mütterliche Rolle ein, die jegliche Leidenschaft und Chemie zwischen ihnen zunichte macht. Wir denken vielleicht, dass die Aufgaben im Haushalt trivial sind, aber jeder, der sie schon einmal gemacht hat, wird sagen, dass sie es absolut nicht sind!"

Aber wie kann man das in einer Beziehung ansprechen bzw. verhindern? Die Expertin hat Tipps: "Es ist wichtig zu wissen, dass beide Partner an dieser Dynamik beteiligt sind, es sind nicht nur die Männer, die hier die Schuld tragen. Oft kann die Frau ihrem Partner gegenüber herablassend werden, wenn er sich inkompetent verhält, was dann seine Gefühle und sein Verhalten verschlimmert. Aber wenn ein Mann seine Inkompetenz als Waffe einsetzt, sabotiert er nicht nur seine Beziehung, sondern setzt auch die Gleichstellung der Geschlechter fort und hindert seine Partnerin daran, genügend Energie für ihre eigenen Ziele aufzubringen."

Wenn dies etwas ist, was dein*e Partner*in tut, wird es viel Geduld von dir erfordern, dieses Verhalten einzudämmen, aber es ist notwendig, um eine ausgeglichene und glückliche Beziehung zu führen. Es ist wichtig, dass du deiner*deinem Partner*in gegenüber klare Grenzen setzt. Wenn du das Gefühl hast, dass du zu viel tust, sollten du das nicht einfach abtun, sondern mit ihm*ihr darüber sprechen.

 

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