Verkürzen Menstruationstassen die Periode?

Immer wieder berichten menstruierende Menschen davon, dass ihre Blutung mit dem Menscup kürzer sei. Aber warum erforscht das niemand?

Kann die Menstruationstasse die Periode verkürzen?

Umweltfreundlicher und günstiger, dafür ein bisschen schwieriger in der Anwendung: Das ist das Image der Menstruationstasse. Seit 1937 ist das Periodenhygieneprodukt auf dem Markt und fristete dort die ersten Jahrzehnte ein Nischendasein, bis vor ein paar Jahren ein regelrechtes Mooncup-Revival die Tasse in den Fokus der menstruierenden Bevölkerung rückte. Neben den im Patriarchat leider gewohnten Stigmen um die Periode ("Wäh, Blut!" usw.) hat sie inzwischen zahlreiche Fans gefunden. Und dürfte auch einen unbeabsichtigten Nebeneffekt haben: eine kürzere Blutung.

Bei einer Umfrage im Juni unter 1.400 Mitgliedern der Facebook-Gruppe "Put A Cup In It" gab über die Hälfte (53 Prozent) der Befragten an, seit der Benutzung von Menstruationstassen eine kürzere und leichtere Periode zu haben.

Warum die Periode mit Menscup kürzer sein könnte

Nicht eine einzige wissenschaftliche Studie hat dieses Phänomen bislang untersucht, Menstruationsexpert*innen wissen über dessen Existenz aber sehr wohl Bescheid, wie ein VICE Artikel aus den USA nahelegt.

Und auch im deutschsprachigen Raum gibt es Expert*innenmeinungen. Dr. Mandy Mangler, Chefärztin und Leiterin des Auguste-Viktoria-Klinikums für Gynäkologie in Berlin und Host des Podcasts "Gyncast", sagt gegenüber des Onlinemagazins Très Click: "Es gibt eine Erklärung, die ich für sehr plausibel halte: Wenn man die Menstruationstasse einsetzt und später wieder rausnehmen möchte, saugt die sich gerne ja mal fest. Deshalb haben manche auch Probleme mit dem Rausholen. Es entsteht ein Unterdruck, den man lösen muss – und dabei könnte es sein, dass umliegendes, abgestoßenes Blut der Gebärmutter zusätzlich 'abgesaugt' wird. Je mehr Blut mit rauskommt, desto kürzer könnte also die Periode sein. Periodensex kann einen ähnlichen Effekt haben, da hier der Penis noch mehr Blut 'ausschabt'."

Nicht jede*r vermutet hinter den verkürzten Blutungen physischen Gründe, es könnte auch schlicht eine veränderte Wahrnehmung sein. "Frauen haben einen anderen Eindruck von der Blutmenge, wenn sie eine Menstruationstasse verwenden, im Vergleich zu Tampons oder Binden", sagt etwa Dr. Jen Gunter, Gynäkologin und Autorin des Buches "The Vagina Bible" gegenüber VICE. Auch das klingt logisch: Das im Menstruationscup gesammelte Blut schaut eben nicht so aus wie vollgesogene Tampons oder Binden, die die Blutmenge automatisch komprimieren. Nicht umsonst berichten Menstruationstassenbenutzer*innen häufig davon, durch den Cup ein tieferes Verständnis ihrer Periode erlangt zu haben.

Wenig Forschung um die Periode

Ohne wissenschaftliche Forschung kann das Phänomen nicht restlich erklärt werden - und die ist in der gesamten Frauengesundheit spärlich gesät. "Es gibt einen Mangel an Forschung", bestätigt Dr. Annemieke van Eijk, Forscherin an der Liverpool School of Tropical Medicine und Co-Autorin einer Meta-Analyse über die Benutzung von Menstruationstassen. "Das liegt wohl daran, dass es Frauenthema ist, und zusätzlich noch eines, das sowieso ein Tabu ist."

Das Patriarchat macht eben auch die Regeln in der klinischen Forschung, und das wirkt sich auf medizinische Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten aus. Während etwa Erektionsstörungen weit erforscht und medikamentös behandelbar sind, ist die Liste der Nebenwirkungen der Antibabypille immer noch ewig lang, die Periode ein nur zaghaft erforschtes Tabuthema und die Wirkung und Möglichkeiten von Menstruationshygieneprodukte noch längst nicht Hauptsache, Periodenprodukte werden in vielen Ländern als Luxusgüter besteuert. Da ist eine kürzere Periode ja schon fast ein subversiver Akt.

 

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