Verhütungs-App "Natural Cycles" sorgte für dutzende Schwangerschaften

In Schweden sind 37 Frauen ungewollt schwanger geworden, weil sie es mit der Verhütungs-App versucht haben.

"Natural Cycles" - so heißt die schwedische Verhütungs-Applikation, die sogar vom deutschen "TÜV Süd" als "verlässliches Verhütungsmittel" zugelassen wurde.

Aber wie sicher ist die App wirklich? Der Pearl Index, der das Restrisiko misst, liegt bei der App bei 0,5. Zum Vergleich: Der Pearl-Index von Kondomen liegt zwischen 2 – 12, die Pille rangiert zwischen 0,1 – 0,9.

Dass es aber nicht immer ganz sicher ist, sich auf Apps und natürliche Verhütung zu verlassen, zeigen aktuelle Fälle aus Schweden. 37 Frauen sind an einer (!) Klinik binnen drei Monaten ungewollt schwanger geworden, weil sie sich auf "Natural Cycles" verlassen haben. Die Abtreibungsklinik richtete sich daraufhin sogar an die schwedische Arzneimittelbehörde.

App-Co-Entwickler Raoul Scherwitzl reagierte in einem Interview mit "Business Insider" zu den ungewollten Schwangerschaften durch "Natural Cycles" jedoch sehr entspannt. Eine 100-prozentige Sicherheit habe man nie garantiert, so der Erfinder, und es verhalte sich mit der Methode wie mit der Pille: Wer sie nicht regelmäßig nimmt, oder eben die App nicht regelmäßig und richtig nutzt, werde nun mal schwanger.

Wie funktioniert die App?

Die App, die von der Physikerin Elina Berglund entwickelt wurde, hilft zusammen mit Körper-Messwerten einen sehr genauen Zyklus-Plan zu entwickeln. Benutzerinnen müssen dafür täglich vor dem Aufstehen ihre Körpertemperatur unter der Zunge mithilfe eines Thermometers messen und die Daten in die App eintragen.

Mithilfe eines Algorithmus werden anschließend alle fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bemessen. An unfruchtbaren Tagen leuchtet die App grün, ist man fruchtbar, scheint ein rotes Lämpchen auf und die Benutzerin wird darauf hingewiesen, zusätzliche Verhütungsmittel (etwa ein Kondom) zu verwenden. Neben den sechs fruchtbaren Tagen der Frau ist außerdem die Überlebensdauer von Spermien in den Algorithmus miteinberechnet, so die Entwickler.

Ob die schwedischen Frauen, die schwanger geworden sind, die App richtig benutzt haben? Das ist jetzt ein Fall für die schwedische Arzneimittelbehörde.

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