Vergewaltigt? Na dann fahr doch eine Runde Party-Tram!

In München wurde eine 18-Jährige von einem U-Bahnfahrer vergewaltigt. Die Reaktion der Münchner Verkehrsbetriebe macht fassungslos.

Einer Münchnerin ist vergangenen Juni etwas passiert, vor dem wir alle Angst haben: Sie wurde sexuell missbraucht. Geschehen ist die Tat in der U-Bahn, ein U-Bahnfahrer soll der Täter sein - eine Person, die eigentlich die letzte Absicherung in den Öffis sein sollte, wenn es um Belästigungen oder Gewalt geht. Der Mann ist geständig: Er hat den betrunkenen Zustand seines Fahrgastes ausgenutzt und die Frau, die nach dem Feiern im Wagon eingeschlafen war, so lange sexuell missbraucht, bis der Zug irgendwann weiterfuhr. Heute muss sich der 58-jährige Täter vor Gericht verantworten.

Die MVG macht ein schockierendes Angebot

Und als wäre die Tat an sich nicht schon traumatisierend genug, bekam die mittlerweile 19-jährige ein respektloses Wiedergutmachungs-Angebot von den Münchner Verkehrsbetrieben: So hat eine telefonische Einladung zu einer kostenlosen Fahrt mit der Partytram (!) erhalten. Das mag eine normale Reaktion auf einen Zugausfall sein, entspricht aber keinesfalls einem sensiblen und angemessenen Umgang mit Opfern sexuellen Missbrauchs.

Als die Frau nicht auf das Angebot einging, habe sie ein MVG-Mitarbeiter sogar nochmals per SMS kontaktiert und um eine Antwort gebeten. "Ich war fassungslos und enttäuscht", sagt die Frau zu der laut MVG "gut gemeinten" Entschuldigung. Verständlich: Zu feiern gab und gibt es für die Betroffene nämlich nichts. Ganz im Gegenteil: Ihr Alltag wird von den psychischen Folgen der Vergewaltigung bestimmt - dazu kommt jetzt auch noch die Tatsache, dass die Tat durch so ein unsensibles Angebot heruntergespielt wird. Ein Schlag ins Gesicht alle, die Erfahrungen mit sexueller Gewalt machen mussten.

Was zur Hölle ist mit der MVG los?

Das ist nicht die einzige Frage, die sich dabei auftut. Zwar kam kürzlich eine Entschuldigung für das Verhalten des Mitarbeiters, trotzdem scheinen sich die MVG nicht klar zu sein, welche Auswirkungen das auf das Opfer bzw. auf alle Opfer sexuellen Missbrauchs hat. Auf mehrfache Kritik via Social Media reagierte man damit, dass es nicht als "Entschädigung" oder "Wiedergutmachung" gemeint war, sondern eher als "Zeichen unserer Anteilnahme und Unterstützung". Geh bitte! Als würde das nur ansatzweise irgendwie Unterstützung liefern. Ob den Zuständigen auch nur ansatzweise klar ist, dass dieser Vorschlag die Tat als Kleinigkeit abtut? Dachten sie ernsthaft, dass die junge Frau mit einem Grinsen im Gesicht zurückkehren und eine lustige Party an jenem Ort feiern würde, an dem ihr Schreckliches angetan wurde?

Eine Feier als Wiedergutmachung für eine Vergewaltigung ist blanker Hohn

Punkt aus. Da hilft es auch wenig, was das Social-Media-Team der MVG ergänzt: „Weil es viele von euch empört hat, möchten wir folgendes zur heutigen Berichterstattung über den Vergewaltigungsfall sagen: Wir bedauern zutiefst, dass wir die Gefühle der jungen Frau verletzt haben. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Es war unangemessen von dem Mitarbeiter, hier eine Sonderfahrt anzubieten.“ Naja: Das hätten sich die Zuständigen der MVG mal vorher überlegen sollen - gut gemeint ist immerhin der kleine Bruder von Scheiße!

 

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