Vereinbarkeitsschmäh: „Auch ich bin weit von Perfektion entfernt“

Sophie Karmasin ist Familienministerin und damit für die Vereinbarkeit politisch mitverantwortlich. Hier sagt sie, wie sie Österreich zum Familien-Land Nr. 1 in Europa machen will.

Perfektion ist für viele Frauen ein grundlegender Anspruch – sei es im Beruf, in der Familie, als Tochter, Mutter, Großmutter oder Frau. Sofern sich dieser Perfektionismus so äußert, dass man sein Bestes gibt, ist das natürlich nichts Schlechtes. Der Drang nach Perfektion kann aber durchaus auch hemmend sein, vor allem dann, wenn man die Ansprüche an sich selber derart hoch schraubt, dass die Latte unerreichbar wird. Die oftmals von den Medien porträtierte Idealvorstellung einer Frau, die nicht nur im Beruf erfolgreich ist, mehrere Kinder großzieht, sich um ihren Partner kümmert, einen Haushalt unter Kontrolle hat und ganz nebenbei auch noch strahlend aussieht und ihren Alltag mit einem Lächeln meistert, ist nicht real.


Gelassen.
Diese angebliche Perfektion gibt es nicht, daher lautet mein Aufruf an alle Frauen, dem Perfektionismus abzuschwören und den Alltag mit einer Portion Gelassenheit zu meistern, das ist oftmals Herausforderung genug.
Auch ich bin weit von Perfektion entfernt, das ist auch gar nicht mein Ziel. Mein Ziel war mir von vornherein klar, ich wollte immer Kinder haben, ich wollte immer einen interessanten Beruf ausüben und ­beides habe ich mir erfüllt. Jetzt habe ich das Glück, ein buntes und vielfältiges Leben zu leben, das natürlich auch anstrengend und herausfordernd ist, aber gleichzeitig liebevoll, lustig und immer spannend. Chaos macht allerdings vor keiner Familie halt und ich bin froh, dass mich mein Mann und meine Eltern immer tatkräftig unterstützt haben. Diese Unterstützung wird aber nicht allen zuteil, es gibt viele Frauen, die ihren Alltag ohne jegliche Hilfe managen müssen, davor habe ich höchsten Respekt. Ich würde mir wünschen, dass Frauen bewusst wird, wie stolz sie auf ihre Leistung – die oftmals unbemerkt bleibt – sein können, denn Frauen leisten 365 Tage im Jahr Unglaubliches. Den chaotischen Alltag mit einer gewissen Portion Gelassenheit, Einfallsreichtum, Schnelligkeit, Flexibilität und Ausdauer zu bewältigen – darum geht es! Und darauf können wir alle stolz sein.

Ich würde mir wünschen, dass Frauen bewusst wird, wie stolz sie auf ihre Leistung sein können.
von Sophie Karmasin

Ziel bis 2025. Meine Vision ist es, Österreich bis 2025 zum familienfreundlichsten Land Europas zu machen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müssen wir alle an einem Strang ziehen – Wirtschaft, Arbeitnehmer und Familien. Optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss gleichzeitig mit einem grundlegenden Bewusstseinswandel für mehr Partnerschaftlichkeit einhergehen. Denn derzeit leisten Frauen noch immer den Großteil der unbezahlten Arbeit, sei es in der Kindererziehung, im Haushalt oder in der Pflege Angehöriger. Hier sind die Väter und Männer gefordert, Partnerschaftlichkeit aktiv zu leben.

Partnerschafts-Bonus. Zwei wichtige Projekte des Familienministeriums diesbezüglich sind die Initiative „Unternehmen für Familien“ – ein Zusammenschluss von familienfreundlichen Arbeitgebern, die etwa „Best Practice“-Projekte zu Arbeitszeitregelungen und Wiedereinstiegsprogrammen austauschen – und das geplante Kinderbetreuungsgeld-Konto, bei dem ich einen Partnerschaftsbonus realisieren möchte.

 

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