Vagina – Das geheimnisvolle Land

Unser Dossier begleitet Sie durch das Tor des Lebens in ein noch weitgehend unerforschtes Land, Vagina genannt.

Kommen Sie mit auf eine spannende Reise. Unser Dossier begleitet Sie durch das Tor des Lebens in ein noch weitgehend unerforschtes Land, Vagina genannt. Keine Angst, Nackt-über-einem-Spiegel-Kauern ist 70er-Jahre und überholt. So recht viel schlauer wurde dadurch nämlich niemand. Kein Wunder: Die Vagina hält sich nämlich gern bedeckt und lässt Klitoris und Co den Vortritt. Falsche Bescheidenheit - finden wir. Auf den folgenden Seiten ­erzählen wir Ihnen, was dieser 10 cm lange und äußerst ­muskulöse Teil unseres Körpers alles kann. Sie werden staunen! Oder wussten Sie schon, dass Ihre Scheide etwas über Ihre Zukunft verrät und dem A-Punkt hörig ist?

Eine Vagina, vier Jahrzehnte. Ohne ein Feigenblatt vor den Mund zu nehmen, erzählt WIENERIN-Autorin Natalie Weber die Geschichte einer lebenslangen Metamorphose – von der Mumu über die Muschi bis zur Mehrzweckhalle.

Das erste Mal bewusst begegnet bin ich meiner Vagina im Sommer 1973. Ich war drei Jahre alt und entdeckte im Planschbecken, dass der Müller-Jens untenherum ein bisschen anders ausschaut als ich. Das Gelächter, mit dem die Erwachsenen meine „Mama, was hat der Jens da?“-Frage beantworteten, trug nicht gerade zur Klärung bei. Immerhin: Am Ende des sonnigen Nachmittags war mein Wortschatz um zwei Begriffe reicher: „Mumu“ und „Piepmatz“.
Kinderpsychologin Karin Walz: „Für Kinder ist die Entdeckung geschlechtlicher Unterschiede wichtig, Doktorspiele im Kindergartenalter sind normal. Auf keinen Fall sollten Eltern die Genitalien tabuisieren. Kleinkinder untersuchen sich gern selbst, und das sollte nicht durch Äußerungen wie ,Pfui, lass das!‘ unterbunden werden.“

1983 legte sich meine „Mumu“ ein Schamhaar zu. Es wurde mit einer Flasche Champagner gefeiert, ich durfte auch mal nippen. An den Rest des Abends kann ich mich kaum erinnern. Es ging um Bienen und Blumen. Irgendwie verstand ich nur Bahnhof.
Psychologin Sandra Hartwig: „Champagner ist großartig. Studien haben gezeigt: Mädchen, die ihre körperliche Entwicklung als etwas Positives erleben, haben später ein besseres Körpergefühl und mehr Spaß an der Sexualität.“

Zwei Jahre und ein paar Miniblutflecken im Höschen später nahm mich meine Mutter mit zum Frauenarzt. Dort bekam ich meine erste Packung XS-Binden – sie hießen Camelia – und eine ebenfalls recht blumige Aufklärungsstunde.
Gynäkologin Tanja Kramer: „Der erste Besuch beim Frauenarzt ist oft prägend für das spätere Vertrauensverhältnis zum Arzt. Frauen, die nur unregelmäßig zur Vorsorge gehen, berichten oft, dass ,das erste Mal‘ nicht optimal verlief, weil sich etwa Mutter und Arzt über ihren Kopf hinweg über Dinge unterhalten haben, die ihnen peinlich waren. Wichtig ist auch, von Anfang an positiv mit der Menstruation umzugehen, sie als etwas Normales und nicht als etwas Schmutziges zu thematisieren. Regelschmerzen rühren oftmals auch von psychischen Blockaden her.“

Die erste Gelegenheit, mein Wissen „an den Mann zu bringen“, kam im Ferienlager auf der Ostseeinsel Usedom. Ich war 15, er war 17 und das Jungfernhäutchen dahin. Aus „Mumu“ wurde „Muschi“ .
Gynäkologin Tanja Kramer: „Das Jungfernhäutchen ist bis zur Pubertät hormonbedingt sehr empfindlich und dünn. Es kann leicht gedehnt werden oder einreißen – etwa beim Sport, durch die Verwendung von Tampons oder bei der Selbstbefriedigung. Daher lässt sich aufgrund seiner Beschaffenheit keinesfalls darauf schließen, ob ein Mädchen seine Jungfräulichkeit verloren hat. Auch die beim ersten Geschlechtsverkehr eventuell auftretende Blutung hat nichts mit der Jungfräulichkeit zu tun. Nur die Hälfte aller Frauen blutet beim ersten Mal. Durch Dehnen bzw. Einreißen des Hymens kann es beim ersten Sex aber zu Schmerzen kommen. In sehr seltenen Fällen ist das Jungfernhäutchen tatsächlich so straff und fest, dass es nicht gelingt, es zu dehnen oder einzureißen. In diesen äußerst seltenen Fällen kann das Häutchen mithilfe eines kleinen Eingriffs unter lokaler Betäubung abgetragen werden. Dies muss auch geschehen, wenn das Hymen die Scheide gänzlich verschließt und es so Probleme bei der Menstruation gibt, weil das Blut nicht abfließt.“

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Was Sie noch nicht über Ihre Vagina wussten, sich aber zu fragen trauen sollten: Entdecken Sie in der April-WIENERIN das geheimnisvolle Land.

Sexkolumne

Ist da unten jemand?

Die Beziehung zum besten Teil ist rätselhafter, als es auf den ersten Blick aussieht, findet Sexkolumnistin Petra Hauk und stellt sich mutig dem Vagina-Dialog.

"Hund, der auf Reißnagel tritt", meint der Liebste, während er meine Verrenkung begutachtet, „so würde ich diese Yoga­übung nennen.“ Ts, Yoga. Halt ich doch nie im Leben durch. Nein, die bemühte Grätsche, der gekrümmte Rücken und mein tomatenroter, aber immer noch formschöner Kopf, von dem meine Tante Lore meint, ich wäre sicher eine aus Atlantis – das alles ist ein spiritueller Kontaktaufnahmeversuch. Und weil ich mein Hasilein niemals anlügen könnte, fühle ich mich a) ertappt und b) deshalb blöd, während ich erkläre: „Ich will, ähem, einen inneren Dialog mit meiner Vagina führen.“ Quasi nach Hause telefonieren.

Der Liebste verzieht keine Miene und rührt bloß schneller im Kaffee herum. Na und? Andere umarmen Bäume. Ich wollte mich nur mal vorsichtig und so nebenbei nach irgendwelchen günstigen Schwingungen umschauen. Weil die Beziehung zur eigenen Vagina, die gibt’s ja leider nicht im guten Fachhandel. Mein Hasi sagt, er könnte das Beziehungherstellen gern für mich übernehmen.Ich solle Bescheid sagen, wenn’s allein nicht klappt. Und viel Erfolg.

Den kann ich brauchen, weil leicht ist das nicht. Schuld ist der Sextherapeut, mit dem ich ein Interview hatte. „Wissen Sie“, fragte er mit einer Miene wie Boris Karloff, „wissen Sie, wie eine Vagina aussieht?“ Im Kopf ging ich die Notrufnummern durch, schön alphabetisch. Aber bevor ich noch herausgefunden hatte, ob P vor R kommt (die Panik!), hechtete er enthusiastisch zum Computer und zeigte mir die Hydraulik der inneren und äußeren weiblichen Geschlechtsorgane. Und da vor allem den so schmählich vernachlässigten Beckenboden. Er erklärte mir ausführlich – puh, wirklich ausführlich –, welche sexualtechnischen Gipfelerlebnisse man haben kann, wenn man den anständig trainiert.

Pfau, das ist so gemein, dachte ich sofort. Wieso sagt der mir das? Wieder etwas, von dem ich weiß, ich müsste es machen, aber nie machen werde. So wie rechtzeitig Strafzettel bezahlen, mehr zu Fuß gehen oder den Kindern gesunde Schulbrote machen. Meine diesbezügliche Liste reicht eh schon bis zum Mond und wieder zurück. Danke.

Habe ich überhaupt schon einen Kosenamen für mein bestes Stück? Und was heißt schon Stück? Ich weiß nicht mal, ob wir Mädels ein Stück oder ein Teil oder weiß der Kuckuck haben. Ja, gehört mir der Laden überhaupt? Bin ich Frau meiner selbst? Da haben wir den Salat.

In den Vagina-Monologen von Eve Ensler könnte ich vielleicht eine Antwort finden. Aber wie ich da so sitze und grüble, komm ich drauf, ganz entre nous: Ich hab keine Lust drauf. Es interessiert mich nicht, ob jemand Tor des Lebens, Yoni oder Höhle der Lust zu seiner intimsten Körperstelle sagt. Ob frau sie trimmt, stylt, behaart lässt oder Hier-geht’s-lang eintätowiert. Jede soll das halten, wie sie will. Die leicht frisierte Gretchenfrage „Wie hältst du’s mit der Vagina?“ würde ich so beantworten: feucht-fröhlich. Das genügt mir.

Ich rufe mein Hasi vom Computer weg: „Kommst du mal bitte? Oder muss ich immer alles alleine machen!“

EI-NDRUCKSVOLL. Love Eggs sind nicht nur zu Ostern ein hübsches Präsent. Denn die gläsernen Lustobjekte stärken das ganze Jahr über Beckenboden und Oh!- fähigkeit. Bei Coco-de-mer . Um € 319,–.

 

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