Userinnen schildern ihre Erfahrungen zum Thema Verhütung

Verhütung ist eine höchst individuelle Entscheidung - und oft genug ein langer Weg auf der Suche nach der richtigen Methode. Hier erzählen wienerin.at-Userinnen von ihren persönlichen Erlebnissen.

Userin 1: Nach Pille und Zäpfchen jetzt die Goldspirale

"Wie wahrscheinlich die meisten Frauen habe ich mit meinen 47 Jahren über 30 Jahre Erfahrung zum Thema Verhütung. Da waren zunächst Fernbeziehungen mit einem gemeinsamen Wochenende pro Monat, wo ich auf Zäpfchen und Kondome gesetzt habe- war ok, aber natürlich unpraktisch.
Ungefähr mit 20 habe ich es dann mal fünf bis sechs Monate lang mit der Pille probiert, und habe daraufhin Probleme mit meiner Stimme bekommen, die wohl auf eine 'Hormonstörung' zurückzuführen waren - ungünstig für eine Gesangsstudentin!! (Zusätzlich habe ich in dieser Zeit auch etwa ein Kilo pro Monat zugenommen, was ich erst nach dem Absetzen der Pille bemerkt habe, als die Kilos wieder gepurzelt sind.)
Hormonelle Verhütung war nach dieser Erfahrung natürlich kein Thema mehr für mich.
Nach der Geburt meines Sohnes gab es noch leidvolle Erfahrungen mit einer Kupferspirale: ich hatte JEDEN MONAT nach meiner Regel eine Pilzinfektion, damit hatte sich dieses Thema auch erledigt.
Nach dem 'Geheimtipp' einer Freundin ließ ich mir vor bald 6 Jahren eine Goldspirale einsetzen- für mich das erste und einzige funktionierende und praktikable Verhütungsmittel!!! Leider ist die Goldspirale noch kaum bekannt, deshalb wollte ich meine Erfahrungen gerne teilen."

Userin 2: Ohne Hormone, aber dafür mit Kondom

"Ich bin 26, in einer langjährigen glücklichen Beziehung und verhüte aus Überzeugung ohne Hormone. Ein halbes Jahr hatte ich eine Pille, die habe ich nicht vertragen - Kopfschmerzen zum Umfallen, Schwindel, Übelkeit - in dieser Zeit begann ich gerade mit dem Studium, ich konnte vor lauter Beschwerden nicht lernen und ging meist um 19:00 schlafen, um wohlgemerkt mindestens zehn Stunden zu schlafen, ich war jeden Tag komplett erschöpft und ko ... Irgendwann konnte ich so nicht mehr leben, habe die Pille abgesetzt und ab dem wurde alles merklich besser. Ich 'spürte' meinen Körper, war nicht mehr müde usw.
Eine Freundin von mir verhütet aus Überzeugung seit zehn (!) Jahren mit Persona (eine natürlich Verhütungsmethode, die den Hormonspiegel über den Urin testet, Anm.) und wurde noch nie ungeplant schwanger, aber mir ist das mit den Teststäbchen und der Pinklerei zu blöd. Ich bleibe bei Kondomen in der kritischen Phase und bei Zyklusbeginn bzw. -ende ohne Verhütung. Eine Schwangerschaft wäre jetzt nicht unbedingt erwünscht, aber auch kein Weltuntergang.
Ich stehe der Hormonbelastung generell kritisch gegenüber, in Kosmetika, in Medikamenten und in Lebensmitteln, daher versuche ich, so 'naturnah' wie möglich zu leben. Ein Beispiel kann ich noch nennen: Seit ich mit dem Rasieren der Intimzone und der Achseln aufgehört habe (und mein Partner auch) und ich mich nicht mehr täglich ewig dusche, was auch für die Haut besser ist, hat sich unsere Libido potenziert (Was für ein Wortwitz.)"

Userin 3: "Verhütung durch NFP? Natürlich funktioniert das!"

"Ich bin 32 Jahre alt und verhüte seit vier Jahren mit NFP (Natürlich FamilienPlanung, Anm.) in Kombination mit Kondomen - und das erfolgreich. Ich weiß, wann meine fruchtbaren Tage sind und ich verhüten muss und wann ich unmöglich schwanger werden kann, weil mein Eisprung ganz sicher vorbei ist. Ich würde NIE WIEDER Hormone nehmen. Die Methode basiert auf Erkenntnissen der Wissenschaft und mussnur richtig umgesetzt werden. Ich ärgere mich sehr, dass so wichtige Themen nicht mehr verbreitet werden und so viel Unwissen diesbezüglich herrscht. In der ersten Zeit musste ich mir jedes Mal von Menschen, die keine Ahnung von der Materie haben, die Frage gefallen lassen: 'Du willst also bald schwanger werden?' oder Sätze wie 'Na das wäre mir viel zu unsicher', 'Dafür braucht man ja einen sehr regelmäßigen Zyklus', 'Ich wette, du bist innerhalb des nächsten Jahres schwanger!'.

Selbst Ärzte, die sich nicht mit dem Thema befassen, raten einem davon ab. Als uninformierte Frau, glaubt man das dann sogar und nimmt lieber weiter Hormone. Frau will ja nichts riskieren. Im Nachhinein betrachtet sind diese Ratschläge der Ärzte aber auch logisch. Ein Mann kann nicht verstehen, wie der weibliche Zyklus funktioniert, wenn er es nicht selber erlebt und ist wohl eher daran interessiert, seine Rezepte an die Frau zu bringen, als nichts daran zu verdienen. Selbst in ihrem Studium wird nicht näher auf die körperlichen Symptome der Frau während des Zyklus eingegangen. Woher soll er das also wissen? Und wenn ich in diversen Zeitschriften davon lesen muss, wie unsicher die Methode doch ist und sie keinesfalls zu empfehlen ist, werde ich richtig wütend. Abgesehen davon, dass sie meist 'Kalendermethode' und 'Temperaturmessen' in einen Topf werfen und nicht erwähnen, dass es eben mehr braucht, also nur den Kalender zu zücken oder irgendwann mal seine Temperatur zu messen.

Es gibt klare Regeln und die sind recht einfach, wenn Frau sie beherrscht und sich daran hält. Alles was man braucht, ist ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen, das NFP-Buch, die Disziplin, jeden morgen gleich nach dem Aufwachen (!) drei Minuten lang die Temperatur zu messen und ein bis drei Zyklen Übung und man hat den Bogen raus. Man wird sensibler, was den eigenen Körper betrifft, weiß mit der Zeit schon ohne Temperatur messen, wann der Eisprung stattfindet und wann der Zyklus endet. Es ist ein Wunder, wie toll der Körper funktioniert, wenn man ihn lässt. Sollte ich irgendwann mal eine Tochter bekommen, wird sie von mir ein solches Buch und ein Thermometer geschenkt bekommen, damit sie ihren Körper richtig kennen lernen kann. Wenn sie dann glaubt, sie müsse mit Hormonen verhüten, werde ich sie das natürlich tun lassen. Aber hätte ich mit 14 dieses Wissen schon erlernt, hätte ich mein Leben nie Hormone genommen. Für alle, die sich für NFP interessieren, gibt es tolle Foren im Internet, in denen sich tausende Frauen tummeln, die mithilfe von NFP verhüten oder auch geplant schwanger werden. Denn wenn man seinen Zyklus kennt, wird man auch leichter schwanger. Und bei diesen Frauen ist der Tenor immer der gleiche: nie wieder künstliche Hormone. Von meinen Freundinnen haben erst zwei den Schritt gewagt und die Methode getestet. Auch sie waren sehr skeptisch und dann doch so begeistert und erstaunt wie einfach und sicher man natürlich verhüten kann. Es braucht Mut, das Neue zu erlernen, aber man wird damit belohnt, dass man sich wieder ganz als Frau fühlen kann, ohne den grauenhaften Nebenwirkungen der künstlichen Hormone. Es ist ein ganz neues, anderes, besseres Leben."

In unserer Serie WIENERIN Stimmen stellen wir zweiwöchentlich ein Thema zur Debatte und bitte unsere LeserInnen um ihre Meinung, ihre Stimme. Du möchtest uns auch schreiben, ob zu unserem aktuellen Thema oder zu etwas anderem, das dir unter den Nägeln brennt? Hier entlang zu allen Infos.

Die veröffentlichten Userinnen-Texte wurden uns anonym über das Web-Tool Tellonym zugesandt. Sie bilden eine persönliche Meinung ab.

 

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