UNO-Bericht alarmiert: Deutlicher Anstieg an Frauenmorden

Weltweit, aber auch in Österreich, sind die Zahlen mehr als besorgniserregend. Täter stammen oft aus dem direkten Umfeld der getöteten Frauen.

alarmierende Zahlen Frauenmorde

87.000 Frauen sind 2017 durch Morde ums Leben gekommen. Das ist das traurige Ergebnis eines Berichts des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, der am Montagabend veröffentlicht wurde.

Frauenmorde im engsten Umfeld steigen

Die Studie kommt zwar zum Schluss, dass Morde an Frauen generell zurückgehen - im Familienumfeld allerdings am steigen sind. In Summe wurden 50.000 der ermordeten Frauen von einem Familienmitglied oder dem Partner getötet - das sind 2.000 mehr als noch vor fünf Jahren.

Bericht des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung

Laut der UNO-Untersuchung kamen 2017 insgesamt weltweit 464.000 Menschen bei Tötungsdelikten ums Leben. Männer wurden dabei deutlich häufiger Opfer (80 Prozent), bilden aber mit 90 Prozent auch den großen Anteil bei den Mordbeschuldigten. Im Vergleich gehen die Tötungen zwar insgesamt zurück, allerdings sind laut Bericht durch Mord und Totschlag viel mehr Menschen gestorben als in allen bewaffneten Konflikten im selben Zeitraum (89.000).

Weltweit gesehen, sind Frauen in Europa zwar im Verhältnis am sichersten, die europäischen Zahlen geben allerdings keinen Grund zu Gelassenheit. Besonders hoch sind die Zahlen der Frauenmorde in Europa in Litauen, gefolgt Ungarn und Deutschland. Zahlen des Vereins Autonomer Österreichische Frauenhäuserzeichnen auch in Österreich ein düsteres Bild: 2014 waren es noch 19 Femizide, 2018 stieg die Zahl auf 41 auf mehr als das Doppelte. Antworten der Politik auf diese besorgniserregenden Entwicklungen werden von ExpertInnen seit Längerem kritisiert.

Nur jede fünfte Frau in Österreich weiß laut einer aktuellen Studie, an welche Einrichtungen sie sich im Fall einer Gewalttat wenden könne. Bewusstseins- und Aufklärungskampagnen gibt es in Österreich aber weiterhin zu wenige, stattdessen forderte die damalige Justiz-Staatssekretärin Karoline Edtstadler strengere Strafen für Täter. Maria Rösslhumer vom Verein Autonomer Österreichische Frauenhäuser sieht darin weniger Nutzen, wie sie schon vor einigen Monaten gegenüber der WIENERIN bekräftigte: es gäbe zwar gute Gesetze, jedoch müssten diese auch "im Sinne des Opferschutzes angewandt werden".

Morde im privaten Bereich

Das bestätigt auch der UNO-Bericht, der das Problem weniger im öffentlichen Raum als im privaten Bereich sieht - gerade in diesem Bereich müsse laut UNO noch viel mehr passieren. Denn die Gewalt gegen Frauen sei vor allem ein Resultat patriarchaler Strukturen - stereotype Ansichten und die autoritäre Rolle des Mannes seien somit die Wurzel der Gewalt. Eifersucht und Angst vor der Trennung spielten laut den AutorInnen der Studie in diesen Fällen ebenfalls eine wichtige Rolle, andere ausschlaggebende Faktoren seien eine geringe Bildung, Misshandlungen in der Kindheit, Alkohol und die Erfahrung geringer Gewaltgrenzen.

UNO-Women-Geschäftsführerin Phumzile Mlambo-Ngcuka beklagte erst im Juni anlässlich der Veröffentlichung einer Fortschrittsstudie der Frauenorganisation der Vereinten Nationen: "Die schockierende Verbreitung von Gewalt in der Partnerschaft bedeutet, dass das Zuhause statistisch gesehen einer der gefährlichsten Orte für eine Frau ist".

Morde nicht spontan - sondern geplant

Die AutorInnen zeigen in dem Bericht auch auf, dass die Morde an Frauen oft nicht aus einem Impuls entstehen - sondern vielmals Resultat einer langen Gewaltspirale sind. Die Zusammenarbeit zwischen Institutionen halten die ExpertInnen daher für essentiell. Nur so könne man schon präventiv auf Gewalt reagieren. Eine solche Zusammenarbeit zwischen Polizei und Stellen zum Gewaltschutz gab es auch in Österreich, in Form der so genannten Fallkonferenzen. Diese wurde von der ehemaligen türkis-blauen Regierung abgeschafft - unter heftigem Protest von GewaltschutzexpertInnen.

Neue Frauenschutz- und Präventionsmaßnahmen werden derzeit im Parlament diskutiert und könnten noch vor der Wahl beschlossen werden. Gabriele Heinisch-Hosek, ehemalige Frauenministerin (SPÖ), sieht die aktuellen Pläne Edtstadlers allerdings kritisch, wie sie in einem Interview mit der WIENERIN bekräftigt. "Trotz massiver Vorbehalte der ExpertInnen, Opferschutz- und Fraueneinrichtungen wollen ÖVP und FPÖ im September ihre Vorschläge durchpeitschen, die in erster Linie nur auf höhere Strafen abzielen", kritisiert Heinisch-Hosek. "Wir müssen aber alles daran setzen, die Gewalt zu verhindern. Ich erwarte mir hier endlich die Bereitschaft zum Dialog und ein Einbeziehen der Opferschutz- und Fraueneinrichtungen".

 

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