Uni-Professor belästigte Studentinnen

Von anzüglichen Mails bis hin zu körperlichen Übergriffen: Ein Professor einer Wiener Universität hat jahrelang Studentinnen und Mitarbeiterinnen sexuell belästigt. Er kann seinen Job trotzdem behalten.

Die Liste der Belästigungen ist lang. Wie der "Kurier" berichtet, soll ein Professor einer Wiener Universität mehrmals Mitarbeiterinnen und Studentinnen sexuell belästigt haben. So setzte er sich etwa während der Prüfungseinsicht ganz nah zu einer Studentin und wollte von ihr, dass sie sich über ihn beugt, um einen Stift aus ihrer Tasche zu holen. Eine andere Studentin bekam eine gute Note mit der Begründung, sie habe "ein hübsches Sommerkleid" an. Eine weitere Studentin beklagte, dass er ihr während einer Prüfung sagte, ihm "gefalle" ihre Rocklänge.

Alle Vorfälle stammen aus dem letzten Jahr. Die betroffenen Studentinnen meldeten die Belästigungen an das Rektorat der betreffenden Universität. Die Disziplinarkommission des Wissenschaftsministeriums wurde eingeschaltet. Diese stellte eine "schwere Dienstpflichtverletzung" und mehrmaliges Fehlverhalten fest. Trotzdem behält der Professor seinen Job.

Anzügliche Mails und Grapscher

Im Urteil findet sich eine genaue Auflistung seiner Taten. So habe er einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin „eindeutige Angebote“ gemacht und sie aufgefordert, mit ihm zu „schmusen“. Eine externe Lektorin und Gastforscherin habe gemeldet, er soll mehrmals versucht haben, sie zu berühren. Bei der gleichen Frau soll er „ihren BH-Träger sowie ihren Tanga mit der Begründung angefasst haben, sehen zu wollen, ob BH und Tanga zusammenpassen“, wie im Urteil zu lesen ist.

„Frau FF“, wie sie im Urteil genannt wird, war Projektmitarbeiterin der Universität. Sie meldete mehrere Vorfälle. Als 2010 der PC in einem Seminarraum nicht hochfuhr, sagte er, dass sich die wissenschaftliche Mitarbeiterin darum kümmern solle, weil: „sie schafft schon, dass er hochkommt.“ Er habe auch, als sie gemeinsam ihr Literatur-Review durchgegangen sind, ihr „T-Shirt beim Ausschnitt weggezogen, um zu schauen, welche Unterwäsche sie trage“. Zumindest einmal soll er sie am Busen begrapscht haben. Im Mai 2012 haben sie im Büro „den Geschlechtsverkehr vollzogen.“

Der Mann schickte auch anzügliche E-Mails an seine Studentinnen. Einer Teilnehmerin seines Grundkurses schrieb er etwa: „hübsche Bluse im übrigen … ich mag transparente Sachen :)“. Einer anderen Studentin schickte er sogar Bilder von seinem Penis, begleitet durch den Text: „Wo hast du Platz für mich, wo ich ihn reinrammen kann?“ Derselben Studentin habe er mehrmals gegen ihren Willen auf das Knie gegriffen und nach ihrem Protest ihre Hand auf seinen Penis gelegt – mit der Bemerkung, dass er das schon möchte.

Eine weitere Studentin habe er in sein Büro geholt, unter dem Vorwand, über ihre Prüfung zu sprechen. Stattdessen hatte er aber Snacks und einen Film vorbereitet und wollte wiederholt mit ihr „kuscheln“.

Keine Entlassung

Die Disziplinarkommission verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von vier Monatsbezügen. Er habe Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt. Doch weil er Reue gezeigt und zur Wahrheitsfindung beigetragen habe, wurde von der höchsten Geldstrafe abgesehen. Im "Wiederholungsfall" droht ihm die Entlassung.

Im Jahr 2009 wurden nach einem "Profil"-Artikel Fälle von sexueller Belästigung an der Universität Salzburg bekannt. Heinrich Schmidinger, Rektor der Uni Salzburg, wurde damals beschuldigt, von 20 bis 30 Fällen gewusst, aber diese nicht zur Anzeige gebracht zu haben.

Um sexueller Belästigung vorzubeugen, haben die Wirtschaftsuniversität und die Uni Wien einen Verhaltenskodex implementiert, der bestimmt, wie MitarbeiterInnen der Universität mit Studierenden umgehen sollen. Die Uni Wien gründete 2001 außerdem die erste universitäre Beratungsstelle bei sexueller Belästigung und Mobbing, bei der man sich kostenlos und anonym beraten lassen kann.

 

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