Unglaubliche Fakten über die Geschichte der Verhütung

Eine historische Spurensuche von Pille, Kondom & Co.

Bidet

Das Bidet ist ein Scheidenspüler

Kein Witz: das, was viele nur als Fußwaschbecken kennen, wurde ursprünglich zur "Verhütung" erfunden. Die Verwendung für Vaginalspülungen vor und nach dem Koitus wurde schon in griechischen Eheverträgen erwähnt. Früher funktionierte das mittels eines separaten Einlaufbehälters oder einer Spritze (‚Mutterspritze‘ genannt). Anfang des 20. Jahrhunderts wurden schließlich Wasserleitungen eingeführt - die Geburtsstunde der "Unterdusche". Doch spätestens mit Einführung der Pille und anderer sicherer Verhütungsmittel wurde das Bidet als Vaginalspülungsgerät obsolet.

Krokodilskot als Verhütungsmittel

Frauen in der Antike haben mit den abenteuerlichsten Methoden versucht, sich vor Schwangerschaften zu schützen. Eine davon: Krokodilskot. Der zerstoßene Kot wird in gegorenen Pflanzenschleim getaucht und in die Scheide eingeführt. Heute wissen wir, dass Inhaltsstoffe des Kotes das chemische Scheidenmilieu verändern und so die Beweglichkeit der Spermien blockieren. Doch das saure Milieu wurde auch mit anderen Mitteln hergestellt: Zitronenhälften, Granatapfelkernne, Ingwer und anderen Pflanzenwurzeln oder Olivenöl, Honig, Essig, Salzlaken, Alaun und diversen Harzen. 

Schafsdarmkondom

Kondome wurden mehrfach benutzt

Auch Kondome - oder so etwas Ähnliches - kannte man bereits in der Antike. Und sie waren im wahrsten Sinne des Wortes "natürlich": unter anderem wurden sie aus Schwimmblasen von Fischen hergestellt, später aus Blinddärmen von jungen Lämmern. Mit einem Faden wurde das Ganze dann festgezogen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kamen schließlich auch Gummikondome auf den Markt. Die ersten Kondome waren allerdings zu teuer, daher wurden sie mehrfach verwendet. Nach Gebrauch wurden sie ausgewaschen, getrocknet, eingeschmiert und wiederverwendet. 

Harnröhrenstöpsel & andere vergebliche "Methoden"

Gescheiterte Verhütungsmethoden gab es in der Geschichte einige. Eine davon: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein kleiner ‚Stift’ zum Verschluss der männlichen Harnröhre entwickelt, der den Samenerguss in einem kleinen Ballon auffangen soll. Diese Entwicklung hat sich - wenig überraschend - nicht bewährt. Vergeblich sind natürlich auch diese "Methoden": hüpfen, beten oder "rechtzeitig" hinausziehen können eine mögliche Empfängnis ebenfalls nicht verhindern.

Dalkon Shield

Eine Spirale, die frau hätte erspart bleiben können

Traurige Berühmtheit erlangte eine Form der Spirale: das "Dalkon Shield". Seine Form erinnert an eine platte Wanze oder einen Fisch mit einem großen Auge und fünf Füßchen beiderseits. Der Faden war ein verflochtener Faserstrang, der es schwer machte, diese Spirale wieder herauszubekommen. Und das führte zu dramatischen Nebenwirkungen: In dem geflochtenen Faden konnten sich Bakterien einnisten. Wurde nun die Frau trotz Dalkon Shield schwanger, wanderten die Bakterien in die Gebärmutter und verursachten dort teilweise schwere Entzündungen; einige Frauen starben sogar. Trotz weniger Studien dazu wurde es 1970 auf den Markt gebracht - wegen vieler Klagen hielt sich die Spirale aber nicht lange. 

So wurde die Pille erfunden

Und schließlich kam sie, die Revolution der Verhütung: die Anti-Baby-Pille. Wie sie erfunden wurde, ist jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Pille haben wir nämlich zwei Frauen in den Wechseljahren zu verdanken, und nicht der Pharmaindustrie. Eine Dinnerparty Anfang 1951 in New York gilt als ‚Geburtsstunde’ der Anti-Baby-Pille. Gastgeberin war die siebzigjährige Margaret Sanger, deren Erlebnisse als Krankenschwester sie zur weltweiten Protagonistin der Geburtenkontrolle gemacht hatten. Außerdem waren ihre Freundin Katharine McCormick, reiche Witwe aus der McCormick-Familie, Gynäkologe John Rock von der Harvard Medical School und sein Mitarbeiter Gregory Pincus dabei. Sanger fragte nach dem "Preis" für die Entwicklung einer sicheren Verhütungsmethode. Das Ergebnis: Die Antibabypille wurde entwickelt – für 2 Millionen Dollar aus dem McCormick-Vermögen.

Die Pille war der Ausgangspunkt für die modernen hormonellen Verhütungsmittel von heute. Spirale, Hormonpflaster, Hormonstäbchen, Scheidenring, Dreimonatsspritze bauen alle auf den Erkenntnissen der Pille auf.

Das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch

Adresse:
Mariahilfer Gürtel 37/1. Stock
1150 Wien

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag 14:00 - 18:00

Führungen:
Führungen für Gruppen (90 Minuten) finden nach Terminvereinbarung ausserhalb der Öffnungszeiten statt.

Um Anmeldung wird gebeten: 
+43/699/178 178 06 (Mo-Fr.: 10-15 Uhr)
oder fuehrungen@muvs.org

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