Ungesunde Müdigkeit: Coronavirus kann das Chronische Fatigue-Syndrom auslösen

Bist du dauermüde, obwohl du lange geschlafen und zwei Kaffees intus hast? Dann leidest du womöglich am Chronischen Fatigue Syndrom. Dieses kann laut neuen Studien auch durch das Coronavirus ausgelöst werden.

Leidest du am Chronischen Fatigue Syndrom?

Long Covid is a thing. Das wissen wir leider mittlerweile. Unter diesem nun ziemlich populären Begriff fassen wir alle langfristen Nachwirkungen einer Corona-Infektion zusammen. Bis Ende Juli wurden in Österreich über 4.500 Patient*innen mit Long-Covid-Symptomen im Krankenhaus behandelt. 4,2 Prozent starben im Rahmen ihres stationären Aufenthalts.

Monatlich erweitert sich unser Kenntnisstand zu Long Covid. Nun ist klar: Nach einer Corona-Infektion leiden viele betroffene Menschen am Chronischen Fatigue-Syndrom. Darunter versteht man diffuse Erschöpfungszustände, die auch durch Schlaf, Urlaub, Kaffee, Pausen oder Wochenenden nicht verschwinden. Das Gefühl wird als schwere Erschöpfung empfunden, dazu kommen manchmal auch langanhaltende Muskel- und Gliederschmerzen, Kopf- und Gelenksschmerzen, Konzentrationsprobleme sowie Lymphkontenschwellungen.

Eine neue Studie belegt nun: Eine Infektion mit Covid-19 kann ebenfalls das Fatigue-Syndrom verursachen. "Es ist eine relativ schwere Erkrankung, bei der die Menschen zum einen an dieser krankhaften Erschöpfung leiden. Was aber fast noch schlimmer ist: Die Betroffenen können sich auch kaum noch belasten. Alltagsaktivitäten führen oft schon zu einer Verschlechterung ihres Wohlbefindens", sagt Prof. Carmen Scheibenbogen, Leiterin der Immundefekt-Ambulanz der Charité Berlin zu SWR.

Expertin erklärt: "Das Chronische Fatigue-Syndrom ist eine schwere Erkrankung"

Scheibenbogen weiter: "Und dann sind immer Symptome dabei, dass die Patienten auch kognitiv nicht mehr gut arbeiten können. Sie können sich also nicht immer gut konzentrieren, nicht immer gut denken, es sind Schmerzen dabei wie beispielsweise Kopf- oder Muskelschmerzen. Fast immer haben die Erkrankten Kreislaufprobleme, viele können sich kaum noch hinstellen, ihnen wird schwindlig. Auch andere Symptome wie eine ausgeprägte Überempfindlichkeit gegen zu helles Licht, gegen zu laute Geräusche."

Scheibenbogen empfiehlt auch, zwischen "Fatigue" und "dem Chronischen Fatigue-Syndrom" zu unterscheiden. "Der Begriff ist deshalb ein bisschen unglücklich, da viele Menschen die Erkrankung mit dem Symptom gleichsetzen. Fatigue (das Symptom) haben aber viele nach einer Covid-19-Infektion, ohne dass sie am chronischen Fatigue-Syndrom leiden", so Scheibenbogen. "Auch im Zusammenhang mit vielen anderen Erkrankungen kennen einige das sehr häufig vorkommende Fatigue-Symptom. Ich glaube, fast jeder von uns hat mal erlebt, dass er sich bei einer Infektion total erschlagen fühlt und nicht mehr leistungsfähig ist."

Problematisch wird es dann, wenn die Erschöpfung zum Dauerzustand wird. "Bislang haben wir keine Möglichkeit, die Erkrankung ursächlich zu behandeln und damit zu heilen. Wir können zurzeit dem Patienten nur helfen, indem wir Symptome lindern", sagt Scheibenbogen. Daran wird nun gearbeitet. "Zum Beispiel eine Studie, bei der wir Auto-Antikörper mit einer bestimmten Technik aus dem Blut herauswaschen. Die Technik nennt sich Immunabsorption", erklärt Scheibenbogen.

 

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