Unfreundliche Ärzte riskieren Menschenleben

Eine neue Studie gibt Einblicke in die Auswirkungen eines schlechten Arbeitsklimas auf die Leistung von medizinischen Teams.

Stundenlange OP's und durchgearbeitete Nächte - da können bei ÄrztInnen schon mal die Nerven durchgehen. Auch unfreundliche Kommentare gegenüber KollegInnen sind da keine Ausnahme. Geht es jedoch nach einer neuen Studie, können solche Unfreundlichkeiten in medizinischen Berufen tödliche Folgen für die PatientInnen haben.

Die Studie, die im September im Fachmagazin "Pediatrics" veröffentlicht wurde, zeigt, dass ein unhöflicher Kommentar in einer hypothetischen Leben-oder-Tod-Situation von einem Arzt die Leistung der anderen ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen um mehr als 50 Prozent verringern kann. "Wir haben herausgefunden, dass Unhöflichkeit die Denkfähigkeit, das Informationsmanagement und die Entscheidungsfähigkeit zerstört", sagt Amir Erez, Studienautor, gegenüber dem Magazin "Science of Us". "Sie können hochmotiviert beim Arbeiten sein, aber wenn Unhöflichkeit Ihr kognitives System zerstört, können Sie in komplexen Situationen nicht mehr so gut funktionieren. Und das schadet den Patienten."

Das Experiment


Für das Experiment hat das Forscherteam 24 medizinischen Teams, bestehend aus einem Arzt/einer Ärztin und zwei KrankenpflegerInnen, eine Stunde lang Zeit gegeben, um eine tödliche Diagnose in einem simulierten Fall bei einem Kind zu stellen. Ihnen wurde gesagt, dass ein Experte aus den USA sie via Webcam dabei beobachtet. Dieser Experte gab in einigen Teams sehr unhöfliche Kommentare ab ("Sie würden bei mir keine Woche überleben", "die Qualität Ihrer Arbeit ist miserabel"), in anderen Teams hielt er sich bedeckt und kommentierte neutral.

Die Situation wurde aufgenommen und von drei unabhängigen Experten, die die Hypothese der Studie nicht kannten, mithilfe eines strukturierten Fragebogens analysiert. Das Ergebnis: die Unhöflichkeit hatte fatale Folgen. Die Teams hatten Probleme dabei, sich zu konzentrieren, zu kooperieren und miteinander zu kommunizieren. Das hatte zur Folge, dass sie die Krankheit falsch diagnostizierten, Anweisungen vergaßen, nicht um Hilfe baten, wenn sie welche brauchten und die falsche Medizin verabreichten.

"Unsere Ergebnisse zeigen die mögliche Rolle von menschlicher Interaktion auf medizinische Fehler, und dass selbst kleine Unhöflichkeiten fatale Folgen auf die Diagnosen und die Performance haben können", schreiben die Studienautoren.

 

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