Und wie lange macht Ihr Kindergarten jedes Jahr Urlaub?

Familienministerin Sophie Karmasin will die Mindestöffnungszeiten von Kindergärten von 47 auf 45 Wochen im Jahr senken. Weil es so realistischer ist, dass in den Bundesländern neue Plätze geschaffen werden. WIENERIN-Autorin Eva Jankl findet das zu wenig. Um Arbeiten realistischer zu machen.

Gehören Sie zu jenen Müttern, die eine Oma ums Eck haben, welche Ihr Kind bei Krankheit sofort übernehmen kann, so dass Sie ungehindert arbeiten können? Wenn die Oma dann noch im Sommer einspringen kann, wenn der Kindergarten länger zusperrt, dann haben Sie wirklich den Jackpot geknackt. Schätzen Sie sich glücklich!

Schaden Kinderkrippen?

Ich gehöre immerhin zu jenen Glücklichen, die Omas und Opas hat, die einspringen können, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung. Denn diese wohnen einige Stunden weiter weg. Die Kinder den ganzen Sommer oder während anderer Ferien gänzlich den Großeltern überlassen, möchte ich jedoch nicht. Und das müsste ich wohl, wenn ich einen Kindergarten Marke „7-Wochen-geschlossen" hätte, wie von Familienministerin Karmasin vorgeschlagen. Habe ich zum Glück nicht, im Gegenteil, aber wäre ja möglich. Denn bei sieben Wochen Schließzeit pro Jahr reichen fünf Wochen Urlaub nicht mehr aus, zudem ja nicht nur die Ferien, sondern noch diverse Kinderveranstaltungen, Arztbesuche, Reparaturen im Haushalt (Tausch einer Therme, Besuch vom Rauchfangkehrer...) etc. ebenfalls Urlaubstage erfordern.

Natürlich könnte man den Urlaub mit dem Partner aufteilen, dann könnte der Kindergarten sogar zehn Wochen zumachen. Nur kann das Sinn einer Familienpolitik sein? Die Partner machen von einander getrennt, dafür mit den Kindern gemeinsam Zwangsurlaub, weil der Kindergarten geschlossen hat? Und müssen Kindergärten überhaupt so lange pausieren? Jedes andere Unternehmen im freien Markt könnte gleich ganz zusperren, wenn es sieben Wochen einfach schließt. Da fragt man doch gar nicht mehr an, weil die sind „eh nur im Urlaub". Und die Eltern mit, weil sie müssen. Außer es gibt eine Oma, die einspringt und wenn nicht, dann zahlt immer noch das AMS. Denn da findet man sich wahrscheinlich wieder, wenn man den Chef fragt, ob man nicht doch sieben Wochen Urlaub pro Jahr haben könnte. Aber das ist wohl Politik. Denn das Problem mit den Kindergartenplätzen hat sich dann auch - zumindest vorübergehend - gelöst.

Natürlich fragt man sich, ob es nicht besser ist einen Platz in einem Kindergarten zu haben, der zu lange schließt, als gar keinen. Umgekehrt stellt sich aber auch die Frage: Kann die Eröffnung eines Kindergartens wirklich an zwei Wochen scheitern? Wohl kaum! Also bitte: Wenn schon, dann doch gleich ordentlich!

 

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