"Und, war's geplant?"

WIENERIN-Redakteurin Katrin Halbhuber ist mit ihrem zweiten Kind schwanger. Und hat ziemlich schnell gemerkt: Die blöden Kommentare werden auch beim zweiten Mal nicht gescheiter. Diesmal: Die wenig durchdachte Frage nach dem Warum.

Als bei meiner ersten Schwangerschaft der Bauch größer wurde und die frohe Kunde die Runde machte, erklomm eine Frage ganz besonders schnell die Spitze der Top-Ten der Reaktionen: „Und, war’s geplant?“ Schon damals, vor drei Jahren, war mir der Sinn hinter dem Erhalt dieser Information nicht klar: Halten die Menschen das für einen angebrachten Stehsatz? Sind nähere Informationen über das Zustandekommen meiner Schwangerschaft tatsächlich relevant oder zu irgendwas nutze? Ist „War’s geplant?“ das Umstands-Pendant zum eh nie ernst gemeinten „Wie geht’s dir?“

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Im engen Freundeskreis mag das ja durchgehen, da wird ja auch ehrlich nach Befindlichkeiten gefragt. Unter Kollegen oder gar im Gespräch mit dem Vorgesetzten – quasi als Reaktion auf die Bekanntgabe der Schwangerschaft – hat diese Form der Hintergrund-Recherche absolut gar nichts verloren (abgesehen davon, dass keine Frau in einem Gespräch mit einem – wahrscheinlich männlichen – Chef offen zugeben würde, wenn sie seit einem Jahr an einem Kind bastelt – das haben wir mittlerweile gelernt).

Welche Antwort glaubt der Fragesteller zu erhalten? Und noch spannender: Wie wäre dann wiederum die Reaktion auf diese?
Kämen bei einem direkten „Nein, das Kondom ist gerissen/ich hab die Pille vergessen/ich war betrunken“ gar Mitleidsbekundungen? Belehrungen? Wie viele Details erwartet sich der Fragesteller? „Naja, geplant war’s nicht, aber Coitus Interruptus war eben noch nie die erfolgreichste Verhütungsmethode“, zwinker-zwinker.

Ganz abgesehen davon, dass es nicht wenige Paare gibt, für die die Erfüllung des Kinderwunsches alles andere als eine romantische Geschichte ist. Wie wäre wohl die Reaktion auf ein ehrliches „Ich hatte schon zwei Fehlgeburten, mit In-Vitro-Fertilisation hat’s jetzt geklappt“?

Klar, sagen jetzt wohl einige, muss man ja nicht so ernst nehmen, die Leute meinen's ja nur gut. „Gut gemeint“ ist aber eben manchmal einfach nur das Gegenteil von „gut“, fragen Sie mal die Frau mit den Fehlgeburten. Hoppla, stimmt, da könnte man wohl doch jemandem zu nahe treten. Aber das war sicherlich nicht geplant.

 

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