Und morgen kommt die Zahnfee? 8 Zahnmythen - und was eine Zahnärztin davon hält

Wahr oder falsch? Wir haben Zahnärztin und Autorin Annette Jasper gebeten, mit Zahnmythen aufzuräumen.

Schlechte Zähne sind Veranlagung, da kann man nicht viel tun.

Dass Mama, Papa oder andere Familienmitglieder mit schlechten Zähnen für unsere eigenen verantwortlich sind, ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Laut Expertin ganz klar falsch: „Veranlagung ist nur ein kleiner Prozentsatz. Wir und unser Zahnarzt haben es meist selbst in der Hand, wie gut oder schlecht unsere Zähne sind.“

Zahnseide lässt mein Zahnfleisch bluten und macht es empfindlicher.

Ihr Zahnfleisch fängt an zu bluten, wenn Sie sich endlich aufgerafft haben, Zahnseide zu verwenden? Das kann gerade am Anfang passieren und ist ein Zeichen, zu handeln: „Zahnseide hilft dabei, die Zahnzwischenräume zu reinigen. Mache ich das nicht regelmäßig und täglich, kann es in bestimmten Bereichen bluten. Die Blutung ist ein Zeichen einer Entzündung, die aufgrund von Bakterien entstanden ist. Hören wir nun auf, zu putzen, können sich die Bakterien wunderbar weiter vermehren. Wir sollten diese Stelle daher besonders gründlich reinigen.“ Um die Zähne wirklich gründlich zu säubern, braucht man zusätzlich Bürstchen für die Zwischenräume, sogenannte Interdentalbürsten: „Die Zähne sind muldenförmig gewölbt, da reicht Zahnseide allein nicht aus“, so Jasper.

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Eine Handzahnbürste reinigt meine Zähne nicht gründlich genug.

Ein klares Jein. Annette Jasper: „Das kommt auf das Handling an. Eine Handzahnbürste kann genügen. Die größere Herausforderung sind für die meisten Menschen nämlich die Zahnzwischenräume.“ Wer Handzahnbürste, Zahnseide und Interdentalbürste kombiniert, sollte also wunderbar zurechtkommen.

Milchzähne muss man nicht pflegen, die fallen sowieso aus.

Leider ein weitverbreiteter Irrtum vieler Eltern – Milchzähne sind extrem wichtig! „Sie erfüllen eine wichtige Platzhaltefunktion. Wenn sie vorzeitig verloren gehen, kann es zu Verschiebungen der bleibenden Zähne kommen, die nur noch mit einer Zahnspange reguliert werden können.“ Gute Pflege für die Milchzähne verhindert also vielleicht die Zahnspange – und damit Schmerzen für das Kind und hohe Kosten für die Eltern.

Wenn ein Zahn gezogen wird, muss man ihn nicht unbedingt ersetzen.

„Jeder Zahn erfüllt eine Funktion und hat eine Aufgabe im Ganzen. Wenn einer verloren geht, müssen andere Zähne seine Aufgabe mitübernehmen. Mit der Zeit kann die Belastung für die Zähne zu hoch werden. Sie werden empfindlich und schmerzen, ganz zu schweigen von den Zahn- und Kieferfehlstellungen, die auftreten. Dieser Vorgang verläuft langsam und schleichend.“ So kann es nach einiger Zeit zu einem Knacken im Kiefergelenk kommen, oder wir bekommen das Gefühl, die oberen und unteren Zähne passen nicht mehr richtig zusammen – ein Teufelskreis, den man vielleicht bald im ganzen Körper spürt.

Ab und zu aufs Zähneputzen zu vergessen macht nichts.

Jein. „Mindestens einmal innerhalb von 24 Stunden sollten wir es schaffen, unsere Zähne gründlich zu reinigen, damit Zähne und Zahnfleisch gesund bleiben.“ Unser Problem ist meist: Wir reinigen nicht gründlich genug. „Meistens bleiben ungeputzte Bereiche, die nur ein-, zweimal im Rahmen der professionellen Zahnreinigung gereinigt werden. Das ist eindeutig zu wenig“, sagt Jasper.

Kunststofffüllungen sind immer eine gute Alternative zu Amalgam.

„Für große Defekte sind Kunststofffüllungen nicht die richtige Versorgung, weil Kunststoff zu weich ist. Zusätzlich nimmt Kunststoff Feuchtigkeit auf und verändert sich. Bei Kälte zieht sich der Kunststoff wieder zusammen. Aus diesem Grund ist eine Kunststofffüllung immer leicht in Bewegung – je größer diese ist, umso mehr.“ Weiße Kunststofffüllungen auf den Kauflächen sind also bei schmerzempfindlichen Menschen problematisch.

Erhöhte Schmerzempfindlichkeit nach einer Kunststofffüllung ist meistens Einbildung.

Oft kämpfen PatientInnen nach Kunststofffüllungen vor allem auf Kauflächen mit Schmerzempfindlichkeit. Warum ist das so? „Ein Zahn, der mit einer Kunststofffüllung versorgt wurde, kann aus zwei Gründen empfindlich reagieren: Erstens durch den Kunststoff, der in die Dentinkanälchen (Zahnbein, Anm.) eindringt, zweitens durch das Schrumpfen und Sich-Ausdehnen des Kunststoffs. Je größer die Füllung und je sensibler der Mensch, desto mehr Probleme.“ Das bedeutet auch, dass eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Zahns bei den PatientInnen keine Einbildung ist, auch, wenn rein von außen alles in Ordnung scheint. Man sollte der Ursache für den Schmerz immer auf den Grund gehen. „Kunststofffüllungen werden in den Zahn eingeklebt. Dieser Verbund verursacht bei sensiblen Menschen ein Problem, denn es dringen Substanzen in das Zahnbein ein, die eine Reizung im Nerv und somit im Körper hervorrufen. Einige Menschen merken das. Wenn zusätzlich mit den Zähnen gepresst oder geknirscht wird, kommt der Aspekt der Überbelastung des Zahnes nämlich noch hinzu.“

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