Unbeschwerter Eisgenuss trotz Laktoseintoleranz

In einer jüngst ausgesendeten Pressemitteilung stand, dass alle Menschen im Laufes des Lebens Laktoseintoleranz bekommen. Stimmt das?

Hagl-Lechner: In Österreich sind etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. Weltweit gesehen besteht ein geographisches Nord-Südgefälle: Während in Skandinavien nur wenige Menschen betroffen sind, liegt die Laktoseunverträglichkeit in Afrika und Asien bei 70 Prozent, in manchen Gegenden sogar bei 100 Prozent. Das dürfte mit der Sonneneinstrahlung zusammenhängen. In nordischen Ländern scheint die Sonne viel weniger, daher verfügen die Bewohner über weniger Vitamin D und können so weniger Kalzium einlagern. Als Ausgleich liefert die Milch Vitamin D und Kalzium.


Wann merken die meisten, dass Sie Milchzucker nicht mehr vertragen?
Laktoseunverträglichkeit tritt meist im mittleren bis höheren Alter auf, da das Enzym Laktase, also das Werkzeug zum Aufspalten des Milchzuckers, vom Körper nicht mehr in ausreichender Form gebildet wird.

Wie sinnvoll sind spezielle Lebensmittel bei einer Unverträglichkeit?

Wann darf man mit einer Laktoseintoleranz gar kein Milcheis mehr essen?
Generell dürfen Milch, Milchprodukte und Milcheis immer gegessen werden. Oft werden kleine Mengen auch vertragen, je nach Ausprägung der Unverträglichkeit.

Verträgt nicht jeder zumindest eine Kugel Eis?
Das ist ganz individuell. Manche vertragen nicht einmal eine Kugel Eis, andere haben damit überhaupt kein Problem. Mit Enzymprodukten aus der Apotheke, die man 10 bis 15 Minuten vor dem Essen einnimmt, kann man auch mit Laktoseintoleranz einen ganzen Eisbecher unbeschwert genießen.

Gibt es noch andere Alternativen ?
Es wird mittlerweile auch laktosefreies Eis angeboten. Sojaprodukte sind ebenfalls eine Möglichkeit.

Warum sind Kinder selten von Laktoseintoleranz betroffen?
Das Enzym Laktase wird im Kindeshalter noch ausreichend produziert. Später nimmt diese körpereigene Produktion von Laktase ab.

Ernährungsexpertin Eva Hagl-Lechner

Wie stelle ich fest, ob ich laktoseintolerant bin?
Man kann ein Ernährungstagebuch führen und aufschreiben, wann und bei welchen Lebensmitteln Beschwerden auftreten. Dann gilt es Milchprodukte vier bis fünf Tage strikt zu meiden. Bei einer Besserung oder Verschwinden der Beschwerden kann man davon ausgehen, dass eine Milchzuckerunverträglichkeit vorliegt. Die Beschwerden selbst können vielfältig sein: von Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit bis hin zu Durchfall.
Zur Abklärung einer Laktoseintoleranz gibt es den H2 Atemtest. Dieser wird bei Internisten, Allergieambulatorien und in Krankenhäusern angeboten.

 

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