Um Hilfe bitten

Die Worte „Ich brauche deine Hilfe“ bringt so manche nur schwer über die Lippen. Auch wenn sie Unterstützung bitter nötig hat. Sich helfen lassen macht aber unabhängig!

Unser Streben nach Autonomie ist evolutionär bestimmt. Denken Sie an ein dreijähriges Kind, das alles alleine machen will. Doch der Mensch ist stark in seinen sozialen Strukturen vernetzt.

„Autonomie ist eine ziemliche Illusion", sagt der Psychologe Dr. Stephan Lermer. Das Image der unabhängigen Powerfrau, die niemanden um Hilfe bitten muss, hält er für ungesund. Die steigende Herzinfarkt-Rate bei Frauen unterstützt diese These. Denn die absolute Selbstständigkeit ist kein Weg zum Glück. Jeder Mensch ist einmal mit einem Problem konfrontiert, das er oder sie nicht alleine bewäl­tigen kann. „Hilfe soll nicht mit Versagen und Scheitern assoziiert werden, sondern mit Entwicklung und Entfaltung", sagt Lermer.

Problem im System erkennen

Die Weigerung, andere Menschen um Hilfe zu bitten, rührt meist von der eigenen Angst, Schwäche zu zeigen. Um diesen wunden Punkt zu kaschieren, trauen sich die meisten nicht, nach Unterstützung zu fragen. „Aber ich bin nicht generell schwach oder schlecht, nur weil ich auf einem Gebiet nichts kann", sagt Lermer.

Es ist an der Zeit, sich einzugestehen, dass es ein Problem im eigenen System gibt, z.B. eine Kommunikations-Hemmung. „Das ist aber keine Schwäche, sondern einfach eine Erkenntnis", sagt der Experte. Selbsteinsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Denn wer unter seiner Situation leidet, wird die Angst vor fremder Einflussnahme über-winden müssen. Und auch den falschen Stolz.

 

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