Ulrike Beimpold in Karl Markovics' Superwelt

Nach seiner Uraufführung im Berlinale Forum eröffnet der Kinospielfilm "Superwelt" von Karl Markovics die diesjährige Diagonale in Graz. Brilliant in der Hauptrolle: Ulrike Beimpold.

Zwischen Einfamilienhaus und Supermarktkassa, Frauenturnen und (Wasch-)Küche hat sich Routine in den Alltag von Gabi Kovanda eingeschlichen – unbemerkt, jedoch stetig, wie das längst aus der Wahrnehmung verdrängte Piepen der Kassenscanner. Selbst die Beziehung zu ihrem Ehemann verläuft unaufgeregt,
bisweilen sprachlos.

Ulrike Beimpold in Superwelt

Gabi hat sich eigentlich mit ihrem Leben abgefunden, doch eines Tages verliert sich ihr Blick apathisch im Nichts. Was wie momenthafter Wahnsinn anmutet, entpuppt sich bald schon als göttliche Eingebung. Es ist der Einbruch des Metaphysischen in den eingespielten Kosmos des Vorhersehbaren – ein Sujet, das Karl Markovics subtil und durchaus gewitzt mit biblischen Motiven in die Bildebene überträgt. Da brennt der Dornbusch, der eigentlich eine Thujenhecke ist, da avanciert ein Kaffeekränzchen in einem Bauwagen zum perspektivisch ausgeklügelten Abendmahlgleichnis. Gott ist überall. Und spricht fortan vor allem zu Gabi.

Wie Ulrike Beimpold deren ambivalente und notgedrungen imaginäre Beziehung in Gestik und Körperlichkeit übersetzt, ist vielleicht die Sensation in dieser "Superwelt"; wie sich ein vorgebliches Selbstgespräch durch ihr Spiel zunehmend als vertrautes, intimes Flüstern vermittelt; wie sie den anfänglichen Fluch des Stimmenmeeres zum regelrecht physischen Befreiungsschlag aus der familiären und gesellschaftlichen Konvention ummünzt; wie sie paradoxerweise sowohl ferngesteuert als auch selbstbestimmt durch ihre irritierte Mitwelt wandelt und dabei das Stigma der „Irren“ heroisch erduldet. Allen Widerständen zum Trotz öffnet sich Gabi Kovanda einer Welt des Verborgenen und findet sich dort – mit Gott, gegen Gott oder auch ohne Gott – ganz von selbst.

„Herr Markovics, glauben Sie an Gott?“ „Ja.“ „Nein.“ „Ja.“ „Nein.“

Karl Markovics über seinen Film:
„In gewisser Weise ist SUPERWELT die Weiterführung meines ersten Films Atmen. In beiden Fällen geht es um die Erkenntnis ‚in die Welt geworfen zu sein‘ und um die Folgen, die diese Bewusstwerdung nach sich zieht. In beiden Fällen geht es um Menschen, die an Grenzen stoßen, weil es ‚Dinge‘ betrifft, für die Worte und Begriffe fehlen. Und in beiden Fällen ‚wittern‘ diese Menschen, dass Erkenntnis erst jenseits dieser Grenze möglich ist.“

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