Ugly Make-Up Revolution: Weg mit Perfektionismus, her mit Kunst!

Der Instagram-Account @makeupbrutalism, hinter dem die Künstlerin Eszter Magyar steht, rüttelt die Beauty-Welt auf. Ihre ungewöhnlichen Bilder irritieren – Grund genug für uns, genauer hinzusehen.

Eszter Magyar

"Über meine Arbeit sage ich immer, ich verbinde menschliche Ästhetik mit Sozialkritik, aber das stimmt nicht ganz. Anfangs wollte ich einfach nur experimentieren. Mein Tun wurde erst mit der Zeit konzeptueller", sagt Eszter Magyar. Die 32-Jährige stammt aus Ungarn und lebt derzeit in London.

Vor etwa sieben Jahren, in der Blütezeit der Beauty-Tutorials, war die Make-up-Künstlerin erschöpft und gelangweilt von der ständigen Frage nach dem Wie. Um sich zu befreien, zwang sie sich, Gelerntes wieder zu verlernen und die Regeln – von denen es ja beim Aussehen viele gibt – für sich umzustürzen: "Makeup ist so viel spannender, als es erscheint. Es geht nicht nur um den sozialen Druck, schön, jung und gesund zu sein, um die richtige Eyelinertechnik oder schicke Produkte. Make-up ist Geschichte, Kunst und Kommunikation; ein Mittel, um sich zu verbinden und abzugrenzen."

#uglymakeuprevolution: Make-Up Kunst

Magyar probierte sich aus – schmierte, klebte, beschleimte, beschriftete und hinterfragte. "Schön" war kein Anspruch, Hässlichkeit bzw. Irregularität eines ihrer liebsten Stilmittel. Schwarze Krakelschrift auf nackter Haut irritiert genauso wie das verschleimte Auge links. Ähnlich wie die brutalistische Architektur der 1960er- bis 1980er-Jahre mit ihren groben Formen und nacktem Sichtbeton widmet Magyar sich eher dem Rohen und Authentischen als dem Verschönern und Perfektionieren, dem Makeup ja normalerweise dient.

Makeup ist so viel spannender, als es erscheint.

Wer ihre Bilder ansieht, hat Gefühle – nicht immer positive. Aber gerade, wenn man sich viel mit Schönheit beschäftigt, ist es ganz gesund, in die Antiperfektion einzutauchen. Magyar stellte die Fotos ihrer Versuche auf Instagram, versehen mit dem Hashtag #uglymakeuprevolution.

"Andere griffen den Begriff auf. Das war unerwartet." Die Künstlerin eröffnete einen Account für die Ugly-Make-up Arbeiten der anderen. Mittlerweile findet man 35.000 Beiträge unter dem Schlagwort; 45.000 Leute folgen dem Kanal. Handelt es sich also tatsächlich um eine Revolution? Magyar: "Klar ist, dass 'Ugly Aesthetics' momentan in Mode sind. Ob aus dem Trend eine Bewegung wird, kann man erst sagen, wenn er von Individuen ins Leben integriert wird."

Sieht man sich @uglymakeuprevolution an, findet man Personen wie Stevie Stevie, Katya Bodrova und Anna Rudzit – Kreative, deren Arbeiten irregulär, normwidrig und manchmal auch schiach im besten Sinne sind. Es wirkt schon so, als würde sich da etwas bewegen.

 

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