Über Liebe im Konferenzzimmer

Wer mit wem? Manchmal stellt sich diese Frage auch in Konferenzzimmern. Denn warum sollte "Liebe am Arbeitsplatz" vor Schulen Halt machen?

"Letztens haben sie den Kopierer blockiert. Und nicht einmal gemerkt, wieviele Leute schon hinter ihnen waren und gewartet haben", erzählt S. schmunzelnd. Sie unterrichtet an einem Gymnasium und findet es witzig, Kolleginnen und Kollegen bei sich anbahnenden Beziehungen zu beobachten. Wie ihr geht es einigen Lehrerinnen. Hier teilen sie ihre Erfahrungen mit uns:

Wenn die Schulwelt um zwei Turtellehrer herum versinkt

„Bei uns im Konferenzzimmer kriegt man immer wieder solche Sachen mit. Da bleiben zum Beispiel immer dieselben zwei Kollegen bei der Feier als letzte und gehen dann gemeinsam. Oder sie fahren gemeinsam auf Skikurs. Lustig wird´s manchmal, wenn sie ihre Zuneigung zu verheimlichen versuchen – denn das klappt überhaupt nicht. Also sie glauben bestimmt, niemand bekomme etwas mit, aber natürlich haben alle Augen und Ohren.“

„Ich versuche immer, mich möglichst wenig einzumischen – auch ins Gerede nicht. Natürlich wird man immer wieder mal angesprochen, ob einem schon aufgefallen ist, wie die Kollegin und der Kollege miteinander umgehen, einander ansehen. Spekulationen gibt es viele, an manchen ist was dran, an anderen nicht. Oft geht es so weit, dass sogar eine Klasse wissen will, ob einem dies oder jenes aufgefallen ist. Das wird natürlich verneint. LehrerkollegInnen haben schließlich auch das Recht auf Privatsphäre.“

„Wenn es um Liebe im Konferenzzimmer geht, dann bin ich da ein bisschen gespalten. Natürlich gibt es Paare, die jahrzehntelang an derselben Schule arbeiten und es ist nie ein Problem. Aber es gibt auch Beziehungen, die schnell wieder vorbei sind. Da finde ich dann wirklich schade, dass das die Stimmung in einem Konferenzzimmer schon beeinträchtigen kann. Deshalb wäre ich wirklich besonders vorsichtig, wenn es um einen Kollegen geht.“

„Ich bin mit einem Lehrer zusammen und heilfroh, dass wir nicht an derselben Schule unterrichten. Ich hätte überhaupt keine Lust, ständig beobachtet zu werden. Und dann vielleicht noch Ratschläge zu kriegen oder mich für irgendetwas rechtfertigen zu müssen. Lehrer und Lehrerinnen sind nämlich ganz furchtbar gut darin, sich einzumischen.“

„Manchmal schau ich mir das einfach gerne an. Wenn zwei Verliebte mitten im Konferenzzimmer im Gespräch vertieft sind und rund um sich so einfach gar nichts mitkriegen. Wenn die Welt neben ihnen untergehen könnte und sie würden es nicht mitbekommen. Ich finde, das sind nette Momente im Schulalltag.“

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumnenreihe.

 

Aktuell