Über erfolgreiche Selbstständige und was man von ihnen lernen kann

"This year will be different" Autorin und Online-Expertin Monika Kanokova im Interview über das erfolgreiche Freelancen, kontraproduktive Eifersucht unter Frauen und Wiener Vorzüge.

Wir widmen uns ein Jahr lang 30 starken Frauen, die uns bewegen und beeindrucken. Diesmal: Monika Kanokova, Autorin und Social-Media Expertin. Mehr dazu hier.


Diese Frau weiß wie der Online-Hase läuft.
Ihr Buch finanzierte sich sich über eine Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter und verbreitete es erfolgreich mithilfe von Pinterest und Instagram. Wie kaum eine andere hierzulande hat sich Monika Kanokova das Internet zu Nutzen und letztendlich auch zu ihrem Job gemacht.

Heute ist Kanokova Content Managerin und Autorin zweier Bücher über das Thema Selbstständigkeit.
Ihr erstes Buch, "This year will be different", ist eine Anleitung für junge Freelancer, für das sie erfolgreiche und selbstständige Frauen zum Interview bat. Enstanden ist ein Guide, der nun anderen Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern soll. Ihre Interviewpartner lernte sie vielfach ebenfalls mithilfe von Social Media kennen.


Die WIENERIN hat die aufstrebende Unternehmerin, die mittlerweile ihr zweites Buch "My Creative (Side) Business: Ein Guide für Freelancer" veröffentlicht hat, zum Interview getroffen und mit ihr über das Wagnis Selbstständigkeit, Feminismus und die Eigenschaften der Wienerinnen gesprochen:

Letztes Jahr hast du dein erstes Buch „This year will be different“ über Geschichten von unterschiedlichen Freelancern aus der Kreativbranche herausgebracht. Wie kam es dazu?
Kanokova: Ich war zu dem Zeitpunkt in London um dort ein Kundenprojekt zu betreuen.. Ich lebte in einem kleinen, maßlos überteuerten Zimmer und neben mir tropfte das Wasser von der Decke. In diesem Moment dachte ich mir: "Ist das wirklich alles? So soll also Selbstständigkeit aussehen?" Und das war der Punkt, an dem ich mich entschloss, eine Recherche zu starten und daraus ein Buch zu machen. Wenn du unglücklich bist, musst du schauen, was dich glücklich macht.

Deshalb auch der Titel des Buches "This year will be different"?
Mein Buch erschien in keinem Verlag, daher musste ich mich auch um die Vermarktung des Buches kümmern. Instagram (und Pinterest) zeigten sich zu diesem Zeitpunkt als die besten Möglichkeiten für mich mein Buch zu bewerben. Daher wollte ich einen Titel nehmen, der sehr gut in den sozialen Netzwerken ankommt. Es sollte etwas sehr Aussagekräftiges sein – ein Statement, mit dem sich Gleichgesinnte identifizieren können.

"A book for and about entrepreneurial women". Du hast mit einigen erfolgreichen weiblichen Freelancern Interviews geführt - warum nur mit Frauen?
Ich finde es spannend, dass es weiterhin noch immer so wenige weibliche Selbstständige gibt. Das Thema Frauen legte sich wie ein roter Faden über meine Recherchearbeit und es war daher nur logisch den Fokus auf Frauen zu legen.

War dieser Faden auch eine Hürde?
Es war gar nicht so einfach Frauen zu finden, die über ihren Beruf sprechen wollen. Frauen sind oft nicht so offen über ihre Stärken und Vorzüge und halten sich eher zurück. Männer gehen das Thema viel pragmatischer an. Sie wagen mehr. Ich fand es daher auch richtig, explizit nach weiblichen Freelancern zu suchen. Auch, wenn ich mich persönlich nicht als Feministin platzieren möchte.

Welche der Frauen die du interviewt hast, hat dich am meisten beeindruckt?
Das war nicht nur eine. Ich konnte von allen Frauen sehr viel lernen. Viele Aussagen prägen mich auch heute noch.

Arbeite nicht nur "in" der Firma, sondern auch "an" deiner Firma. 50% der Zeit, die du in deinem Unternehmen verbringst, solltest du dafür verwenden, zu überlegen, wie du deine Firma weiterbringst und innovativ bleibst.
von Oren Lasry, Interior Designerin, Tel Aviv
Sei dir nie zu schade, um das Geld zu fragen, das du auch verdienst.
von Diana Ovezea, Schrift Desiger, Amsterdam
Lass dir nicht von anderen sagen, dass es nicht geht. Mach’ es trotzdem!
von Tina Toplak, Sängerin, London
Gib die Kontrolle auch an andere ab, damit du dich darauf konzentrieren kannst, worin du wirklich gut bist.
von Breanna Musgrove, Accessoire Designer, Vancouver

Du hast bereits in einigen europäischen und auch internationalen Städten gelebt. Wie wichtig ist das Reisen und das Leben in unterschiedlichen Ländern für deine persönliche und beruflichen Entwicklung gewesen?
Ich habe gelernt, mich an verschiedenen Kulturen zu erfreuen. In jeder Stadt haben sich die Menschen ein wenig anders verhalten. Während wir in Wien oft am „Granteln“ sind, bin ich in meiner Zeit in Holland auf eine unglaubliche Herzlichkeit gestoßen. In London habe ich dafür gelernt, wie wichtig den Engländern Privatsphäre ist.

Und ich habe auch Wien wirklich zu schätzen gelernt: Diese Stadt funktioniert! Sei es was Lebensqualität, öffentlichen Verkehr, etc. betrifft. Man muss manchmal woanders hingehen, um zu lernen, wie schön es in der eigenen Stadt ist. Ein guter Freund von mir hat einmal gesagt: "Das Wichtigste ist, zu lernen, das Schönste aus jedem Ort für sich selbst mitzunehmen."

Was unterscheidet die "Wienerin" von Frauen in anderen Städten?
Das Schöne an den Menschen aus Wien ist, dass sie ihren Ursprung in so vielen verschiedenen Ländern haben und daher alles so schön multikulturell ist.

Jede Wienerin, trägt ein bisschen Welt in sich.


Dein Lebensmotto?

Was haben Sie von einer Frau in Ihrem Leben gelernt?
Erwartung reduziert Freude. Man sollte lediglich an sich Erwartungshaltung stellen und sich darüber freuen, wenn andere für einen etwas freiwillig tun.

Wer oder was kotzt Sie momentan an?
Da wären wir schon bei der Erwartungshaltung. Ich würde es mir wünschen, dass manche Dinge verbessert werden, jedoch muss ich dabei selbst Hand anlegen und mich nicht über andere auslassen.

Was ist feministisch?
Andere Frauen zu unterstützen. Eifersucht ist kontraproduktiv, wenn wir etwas erreichen möchten.

Warum würden Sie nicht mit Ihrer Großmutter tauschen wollen?
Die Oma hatte kein Internet. Wir zum Glück schon!

Welches Ereignis hat Sie im vergangenen Jahr bewegt?
Die unglaubliche Solidarität mit Flüchtlingen. Ich war während dieser ganzen Zeit geschäftlich unterwegs und es hat mir sehr oft Leid getan, bei dieser einmaligen Bewegung nicht dabei sein zu können. Im ersten Jahr Selbständigkeit hat man leider andere Prioritäten. Ich bin der festen Überzeugung unsere Kinder werden in der Schule lernen, was unsere Mitbürger bei der Bewältigung der Flüchtlingssituation geleistet haben.

 

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