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Die Kolumne von miss-Chefredakteurin Julia Wagner über die kleinen und großen Themen des Alltags. Diesmal: Insel der Träume

Die Kolumne von miss-Chefredakteurin Julia Wagner über die kleinen und großen Themen des Alltags. Diesmal: Insel der Träume.

Kennen Sie die Zeile aus Madonnas La Isla Bonita-Song: „Last night I dreamt of San Pedro …“? Ich habe letztens auch geträumt, aber nicht von, sondern in San Pedro. Ich war auf Urlaub dort. Und da kam, wie so oft im Urlaub, die Frage auf, wie es wäre, einfach hierzubleiben, auszusteigen und in irgendeiner kleinen Bar am Strand anzuheuern? Meine liebe Freundin R. hat genau das getan und ist nach San Pedro in Belize gezogen. R. war mal Aktienhändlerin an der Wall Street, hatte 18-Stunden-Arbeitstage mit genau zwei Klopausen – aus Angst, sie könnte einen wichtigen Deal versäumen. Ihre Freizeit nutzte sie zum Ausschlafen. Vor zwei Jahren war R. reif dann für die Insel. Seitdem managt sie eine kleine Bar am Strand namens Tacklebox, trinkt am Nachmittag in der Hängematte ihr erstes Bierchen und hat ihre Manolos gegen eine beachtliche Flip-Flop-Kollektion eingetauscht.


Kurz: R. lebt den perfekten Traum. Wäre da nicht ihre sexsüchtige 65-jährige Nachbarin, die mit Vorliebe Crackdealer abschleppt und lautstark beglückt. Oder R.s gute Freunde, die nach wie vor in den USA leben und nur selten vorbeischauen. Oder die Touristen, die das WC in der Tacklebox regelmäßig zukacken und vollkotzen. I’m living the dream“, pflegt R. immer zu sagen, an den Tagen, an denen sie Kloputzdienst hat. Ich habe eines dieser stillen Örtchen am Tag nach einer Party gesehen und in diesem Augenblick festgestellt, dass die Insel noch ein Weilchen auf mich warten muss. Ich schätze, ich habe noch nicht genug Sch*** erlebt, um die anderer wegräumen zu wollen ...

 

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