TV-Tipp "Ich bin hier die Bossin": Fünf Frauen, fünf Chefinnen

Warum gibt es in Österreich so wenige Frauen in Führungspositionen? Und wie sehen die wenigen, die es "nach oben" geschafft haben, ihren Karriereweg und ihre Arbeitsrealität? Eine neue ORF-Dokumentation begleitet fünf weibliche Führungskräfte aus unterschiedlichen Bereichen.

Fünf Frauen, fünf ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche - und alle sind sie Chefinnen auf höchster Ebene. Für ihre Dokumentation "Ich bin hier die Bossin", die am kommenden Sonntag, dem 17.2.2019, erstmals im ORF ausgestrahlt wird, hat Filmemacherin Jennifer Rezny nicht lange suchen müssen, um die perfekten Kandidatinnen und Rolemodels zu finden - so viele Frauen in Führungspositionen gibt es in Österreich nicht. Vor der Kamera hat sie Patricia Neumann, Generaldirektorin von IBM Österreich, Haubenköchin Lisl Wagner-Bacher, Rapid-Aufsichtsrätin Petra Gregorits, Nora Schmid, Intendantin an der Grazer Oper, und Sylvia-Carolina Sperandio, Generalin des österreichischen Bundesheeres, begleitet und mit ihnen über Führung, strukturelle Hindernisse und ihre Hoffnungen für die zukünftige Arbeitswelt gesprochen. Im Interview mit der WIENERIN erzählt Jennifer Rezny von inspirierenden und wütenden Momenten während der Arbeit zur Dokumentation und warum Frauen ein großer Fokus ihrer Arbeit sind.

Dokumentation Ich bin hier die Bossin Sylvia Sperandio

Jennifer Rezny über die Dokumentation "Ich bin hier die Bossin": "Ich war auf der Suche nach Heldinnen"

WIENERIN: Dein neuer Film trägt den Titel „Ich bin hier die Bossin“. War es schwierig, Protagonistinnen für den Film zu finden?

Jennifer Rezny: Ich habe im Laufe der Recherche schon ein paar Abfuhren bekommen. Die Mehrheit meiner Wunschkandidatinnen hat aber relativ flott zugesagt, vielleicht weil ich gleich bei der ersten Kontaktaufnahme klargestellt habe, dass ich auf der Suche nach Heldinnen bin. Der Fokus insgesamt war, Frauen zu finden, die in männlich dominierten Berufssparten Chefinnen sind. Da Frauen in Führungspositionen in Österreich fast überall eine Minderheit bilden, war mein Suchfeld verhältnismäßig groß.

Warum hast du genau diese fünf Frauen ausgesucht?

Weil sie sehr unterschiedliche Charaktere sind, die sich in sehr unterschiedlichen Welten bewegen. Weil diese Welten visuell abwechslungsreich sind und mich jede einzelne von ihnen neugierig gemacht hat.

Haben diese fünf Frauen trotz unterschiedlicher Berufsfelder und Lebens- und Karrierewege etwas gemeinsam?

Eine auffallende Gemeinsamkeit, die meiner Beobachtung nach alle fünf vereint, ist, dass sie von ihrem Umfeld darin ermutigt worden sind, ihren Weg fernab von gängigen Rollenbildern zu gehen. Familiäre Prägung und Sozialisation hat also bei allen Fünf eine entscheidende Rolle gespielt. Sie haben daran geglaubt, dass sie Chefinnen sein können. Sie haben sich nicht in Frage gestellt. Und in diesem Punkt sind sie im Gegensatz zu anderen Frauen privilegiert.

Bist du während der Arbeit zum Film auch mal wütend geworden angesichts patriarchaler Strukturen für Bossinnen in Österreich?

Jennifer Rezny

Ja sogar mehrmals. Zu Beginn etwa, als ich aktuelle Statistiken recherchiert habe. Ich war schockiert, dass da in den letzten Jahren so wenig weitergegangen ist und dass die Politik nichts dagegen tut. Sehr wütend geworden bin ich auch als Zuschauerin einer Podiumsdiskussion, an der ein paar CEOs, darunter ein ehemaliger Politiker, zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ debattiert haben. Letzterer sagte dort lauthals, es sei falsch, dass Frauen „danach gieren, die Netzwerke der Männer zu kopieren.“ Ich fand vor allem die Wortwahl „gieren“ furchtbar ärgerlich. Für mich hat dieser Mann das Patriarchat in Reinform verkörpert. Ich glaube ja, dass solche Männer in Wahrheit Angst vor einer verpflichtenden Quotenregelung haben, weil sie glauben, dass ihnen die Frauen dann etwas wegnehmen.

"Diskriminierung von Frauen macht mich fuchsteufelswild"

Wann und warum hast du beschlossen, dich in deiner Arbeit stark auf den Blickwinkel von Frauen zu fokussieren?

Das war nicht geplant, aber ein Zufall ist es auch nicht. Schon als Mädchen hat es mich fuchsteufelswild gemacht, wenn ich Diskriminierung von Frauen erlebt habe – egal in welcher Form. Und das hat sich bisher nicht geändert. Es ist mir ein Bedürfnis, mit meiner Arbeit darauf aufmerksam zu machen. Im Idealfall bearbeitet man als Filmemacherin Themen, die einem wirklich am Herzen liegen.

Zuletzt hat deine Dokumentation „Der Körperkult in sozialen Medien“ für Aufsehen gesorgt. Was hast du von der Arbeit daran mitgenommen?

Dass ich meine eigene Körperzufriedenheit zwar nicht gänzlich, aber bis zu einem gewissen Grad selbst steuern kann und dass die Macht der Bilder noch größer ist als ich vermutet habe, weil das menschliche Gehirn einfach nicht zwischen echten und unechten Bildern unterscheiden kann.

Was möchtest du mit deiner Arbeit bewirken?

Das ist eine sehr große Frage, auf die mir gerade nur eine sehr ernüchternde Antwort einfällt: Natürlich wünsche ich mir, dass die/der ein- oder andere ZuseherIn sich von meiner Arbeit ermutigt oder inspiriert fühlt. Doch eigentlich ist Filme machen etwas Egoistisches. Schließlich profitiere ich als Regisseurin am allermeisten von der Begegnung mit den Menschen, in deren Lebenswelten ich eintauche.

"Ich bin hier die Bossin": Jennifer Rezny begleitet fünf fünf Österreicherinnen, die in männlich dominierten Berufsparten Machtpositionen ausüben.

Erstausstrahlung als dokfilm am Sonntag, 17. Februar 2019, um 23.05 Uhr auf ORF2, danach für sieben Tage in der ORF TVthek abrufbar.

 

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