Trumps Ghostwriter erzählt die ganze Wahrheit

Tony Schwartz hat mitgeholfen, Trumps Mythos als gerissenen Geschäftsmann zu kreieren, und bereut es.

Trumps Memoir "The Art of the Deal" kam 1987 heraus und war ein phänomenaler Erfolg. Das Buch verbrachte 48 Wochen auf der Times Bestseller-Liste, 13 davon auf Platz 1. Das Werk war mit ein Grund, warum Trump zu einem weltweiten Mythos und über die Grenzen von New York hinaus als Immobilienmogul bekannt wurde. Es zeichnete ein Bild von einem gerissenen Geschäftsgenie, und inspirierte den TV-Produzenten Mark Burnett zur Reality Show "The Apprentice", die Trump zu einem noch größeren Star avancieren ließ.

Nur, dass ein Großteil der Anekdoten in "The Art of the Deal" komplett überzogen sind, und Trumps Persönlichkeit von seinem Ghostwriter Tony Schwartz mehr oder weniger erfunden wurde. Der ehemalige Journalist verbrachte in den 80ern 18 Monate als Trumps Schatten und erzählte der "New Yorker"-Journalistin Jane Mayer, was er tatsächlich über Trump herausgefunden hatte. Und das zeichnet ein mehr als dramatisches Bild: "Wenn ich das Buch heute noch einmal schreiben könnte, wäre es ein sehr anderes Buch mit einem ganz anderen Titel." Auf die Frage, wie er es nennen würde, sagt er: "Der Soziopath".

Heute bereut der Autor seine Arbeit an dem Buch, und dass er geholfen hat, Trump in ein positives Licht zu rücken. Seiner Meinung nach ist eine Präsidentschaft unter Trump desaströs.

Seine Aufmerksamkeitsspanne hält wenige Minuten

Wie Jane Mayer im "New Yorker" schreibt, war die größte Herausforderung, Trump dazu zu bekommen, länger als 3 Minuten ein Interview zu geben. Um das Buch zu schreiben, brauchte Schwartz tiefergehende Einblicke über Trump, aber er schien sich an nichts aus seiner Kindheit zu erinnern und war nach wenigen Minuten gelangweilt und beendete Meetings. Das einzige, womit er sich länger beschäftigen kann, ist Selbsterhöhung. Schwartz zweifelt daran, dass Trump in seinem Erwachsenenleben schon ein ganzes Buch gelesen hat. Aus Verzweiflung änderte Schwartz seine Strategie und begann, Trump nicht mehr zu interviewen sondern ihm 18 Monate lang zu folgen und alle seine Telefonate mitanzuhören. Trump störte das nicht, nichts war ihm zu privat, er liebte die Aufmerksamkeit.

Lügen gehört zu seiner grundlegenden Persönlichkeitsstruktur

"Ich habe noch niemanden anderen getroffen, der im selben Ausmaß die Fähigkeit hat, sich in einem bestimmten Moment selbst davon zu überzeugen, dass was er gerade sagt, stimmt." Die meisten seiner Aussagen, auch was seine eigenen Geschäfte betrifft, sind überhöht oder grundlegend falsch. Er hat kein Problem. seinen Geschäftspartnern ins Gesicht zu lügen. Schwartz hat nach mitgehörten Telefongesprächen die Fakten gecheckt oder sich die Version der Gegenüber angehört, und sie stimmten nie überein. Für das Buch musste der Autor Trumps Persönlichkeit in ein positives Licht rücken, und nannte es "wahrheitsgemäße Übertreibung", welches er als unschuldige Form der Selbstbewerbung beschrieb. Das bereut er heute: "Lügen ist niemals unschuldig". Trump liebte die Umschreibung.

Er ist süchtig nach Aufmerksamkeit, Macht und Ego

"Eines seiner größten Bedürfnisse ist es, anderen zu beweisen, dass er reicher ist als sie." Im Buch ist es so dargestellt, als ginge es ihm um die Kunst des Geschäftemachens, tatsächlich sind all seine Handlungen von dem Bedürfnis nach Ruhm, Geld und Lob getrieben. Vor allem seine Sucht nach Aufmerksamkeit ist zwanghaft, und er hat die Dosis seit 40 Jahren kontinuierlich erhöht. "Das Einzige, was ihm jetzt noch blieb, war sich um die Präsidentschaft zu bewerben."

Wenn an seiner übertriebenen Eitelkeit gekratzt wird, reagiert Trump komplett irrational über und zuckt aus bzw. schlägt zurück. Ein Muster, dass sich auf Twitter und in den Medien während des gesamten Wahlkampfs bereits bestätigt hat.

Er ist kein Selfmade-Millionär

Auch seine Geschäftsmacherei ist nicht so gerissen, wie Trump das selbst gerne darstellt. Auch diese Lüge entstand rum und das Memoir "The Art of the Deal". Trump ist es immer wichtig, festzuhalten, dass er sein Vermögen nicht geerbt hat, der Trump Biograph Wayne Barrett hat allerdings herausgefunden, dass Trumps Vater Fred ihn bei seinen ersten Deals mit mehreren Millionen Dollar unterstützt hat und viele seine Verträger mitunterschreiben musste. Viele Deals kamen nur aufgrund der guten politischen Beziehung seines Vaters zustande. Und obwohl Donald Trump ein paar gute Geschäftsentscheidungen traf, irrte er sich auch genauso oft und verlor jede Menge Geld.

Tony Schwartz konnte sich vor der Wahl nicht mit seinem Wissen zurückhalten und wollte die Menschen warnen. "Ich glaube ernsthaft, dass wenn Trump die Kontrolle über Atomwaffen hat, dass das Ende der Zivilsation bedeuten könnte." Mittlerweile ist es zu spät, aber es ist trotzdem wichtig, sich bewusst zu machen, dass die USA von einem narzisstischen Mann ohne Impulskontrolle regiert wird, der wahrscheinlich eine gröbere Persönlichkeitsstörung hat.

 

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