True Fruits soll mit ihrer diskriminierenden Werbung nun bei einer Konferenz zeigen, wie "erfolgreiches" Marketing geht

Update (06.11.2019): Mittlerweile wurde auf der Website von OMX ein Statement von Konferenz-Veranstalter Oliver Hauser zum medialen Feedback veröffentlicht. Der Vortrag von Lecloux wurde nun aus dem Programm genommen:

Man nehme die "geäußerte Kritik sehr ernst" und lehne "Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung (…) sowie Intoleranz und Radikalisierung in jeglicher Form“ strikt ab. Die Bühnen der OMX seien dazu da, "den Branchendialog zu fördern und nicht um Personengruppen gegeneinander aufzubringen“. Man sehe sich mit "Anfeindungen, Aufrufen zum Boykott unserer Veranstaltung bis hin zu Demonstrationen und Aktionismus konfrontiert“, die den reibungslosen Ablauf der Konferenz und „allem voran die Sicherheit unserer Gäste und Vortragenden gefährden“ würden. Als Veranstalter sei es Priorität "für eine geordnete Konferenz zu sorgen“. Da Hauser die aktuelle Entwicklung nicht verantworten könne, hätten sich Hauser und das Team dazu entschieden, den Vortrag von Nic Lecloux aus dem Programm zu nehmen.

Das vollständige Statement ist hier nachzulesen.

True Fruits

TRIGGER WARNUNG: Im folgenden Artikel werden Werbeslogans von True Fruits genannt, die rassistische, sexistische, ableistische und lookistische Sprache verwenden und sexuelle Gewalt bagatellisieren.

"Schafft es selten über die Grenze", "Noch mehr Flaschen aus dem Ausland" oder "Oralverzehr – schneller kommst Du nicht zum Samengenuss" sind nur ein paar der rassistischen und sexistischen Slogans, mit denen der Smoothie-Hersteller True Fruits in der Vergangenheit seine Produkte beworben hat – und damit nicht nur einmal einen Shitstorm auf der einen Seite und Lobeshymnen auf der anderen Seite auslöste.

Lob für diese Werbestrategie kam etwa von Menschen wie Alexander Malenki, Leiter der Identitären Bewegung Leipzig und rechtsextremer Aktivist. Öffentlich Kritik üben Aktivist*innen wie Christian Berger (@christian___berger), Beatrice Frasl (@fraufrasl), Bloggerin Madeleine Alizadeh (@dariadaria) und Autorin Charlotte Roche (@chailatte_roche), die sich seit Wochen gemeinsam mit Initiatorin Kyra Nastassja Furgalec auf dem Instagram-Account @truediskriminierung engagieren. Wir berichteten:

Die Bagatellisierung sexualisierter Gewalt ist keine Frage des Humors

Dass es sich bei den Reaktionen auf die Marketingstrategie von True Fruits weniger um unterschiedlichen Humor handelt, zeigt die Tatsache, dass etwa auch Der Österreichische Werberat die Werbung des Smoothie-Herstellers als "herabwürdigend und diskriminierend" eingestuft hat. Ebenso hat der Frauennotruf Mainz der Werbung von True Fruits eine "retraumatisierende Wirkung" zugeschrieben, weil True Fruits sexualisierte Gewalt verherrliche – so auch der Geschäftsführer persönlich. Unter einem Sujet, das die Wiederverwendbarkeit der Smoothie-Flaschen als Trinkflaschen mit den Worten "Abgefüllt und mitgenommen" bewerben soll, kommentierte Nicolas Lecloux mit seinem Privataccount: "This is how I like my hoes."

Sexismus und Rassimus, um zu zeigen, wie man als Unternehmen "erfolgreich" wird

Jetzt lädt OMX, "DIE Online-Marketing Konferenz in Salzburg", den Geschäftsführer von True Fruits ein. Nicolas Lecloux soll bei der Konferenz am 22. November über "erfolgreiches" Marketing sprechen. "True Fruits trivialisiert Menschenverachtung und schlägt aus gesellschaftlichem Rechtsruck und Backlash Profit. Wieso legitimiert ihr diskriminierende Werbestrategien und Hate Speech?", fragt etwa Aktivist Christian Berger auf Instagram.

Wir haben bei Oliver Hauser, mit seiner Firma Next Experts GmbH der Veranstalter der Online Marketing Konferenz OMX, nachgefragt. Dem Veranstalter sei es wichtig, "unterschiedlichen Meinungen mit Toleranz" zu begegnen und "unterschiedliche Sichtweisen zu diskutieren". Noch heute will OMX auf der Unternehmenswebseite ein Statement veröffentlichen, aus dem hervorgehen wird, dass Nicolas Lecloux nicht von der Konferenz ausgeladen wird (Stand: 28.10.2019). Eine ausführlichere Aufarbeitung des Statements von Oliver Hauser folgt noch.

Zum Nachhören: In der WIENERIN-Podcast-Reihe "Scho wieder?!" widmet sich die Redaktion Aufregern und analysiert, was dahinter steckt. Für die erste Folge haben die WIENERIN-Redakteurinnen Magdalena Pötsch und Eja Kapeller den Veranstalter der OMX-Konferent mit der Kritik rund um den Bühnenauftritt von True Fruits-Geschäftsführer Nic Lecloux konfrontiert und analysieren, warum es kein frecher Marketing-Gag ist, wenn sexualisierte Gewalt bagatellisiert wird.

 

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