Trennung mit Kindern: Wer hat (welches) Recht?

Auch wenn die Beziehung zu Ende geht, bleibt die Elternschaft bestehen. Die Familienrechtsanwältin Eva Schmelz beantwortet die wichtigsten Rechtsfragen rund um die Themen Familiengründung und -trennung.

Papierschnitt zerrissenes Herz zwei Erwachsene ein Kind

Die 5 wichtigsten Fragen rund um eine Trennung mit Kindern

1. Wohin mit Familienrechtsthemen?

Die Anwältin Eva Schmelz sagt: „Wer Abmachungen zum Kontaktrecht verbindlich regeln will oder Anträge zur Obsorge stellen möchte, kann das beim Amtstag machen. Die gibt es in jedem Bezirksgericht einmal in der Woche, meistens am Dienstagvormittag. Man macht sich einen Termin aus und kommt zum zuständigen Richter.“ Bei Streitigkeiten empfiehlt sie, sich bald eine Rechtsvertretung zu suchen. „Anwälte helfen gerade am Anfang dabei, Dinge klarer zu sehen. Wir fungieren als Begleiter, aber auch als Puffer, was oft zu einer Beruhigung führt.“

2. Gibt es spezifische Frauen- und Männerthemen bei einer Trennung?

Frauen sollten auf wirtschaftliche Fallen achten. Traditio­nell werden ihnen mehr Rechte in Bezug auf die Kinder zugestanden, aber alleine die gesamte Kinderbetreuung zu übernehmen macht es quasi unmöglich, gut zu verdienen, und das hat oft weitreichende Konsequenzen. Männer haben weniger ein Geldthema, als dass sie öfter um ihr Recht kämpfen müssen, die Kinder zu sehen. Da ist es gut, dass das Konzept vom „Wochenendpapa“ auch in der Gesetzgebung ausgespielt hat. Schmelz: „Das Ideal ist ein gut aufgeteiltes Betreuungsmodell, bei dem beide Elternteile die Betreuung auch im Alltag übernehmen. Das kommt sowohl Männern als auch Frauen zugute.“

3. Ist heiraten überhaupt noch wichtig?

Romantik beiseite: Ehe und Familiengründung haben wichtige wirtschaftliche Aspekte. Für Frauen bedeutet Kinderkriegen oft einen Einkommensverlust, der sich bis in die Pension auswirkt. Eva Schmelz: „Wenn ein ­Elternteil beruflich zurücksteckt, länger zu Hause bleibt oder Teilzeit arbeitet, ist Heiraten schon eine wichtige Absicherung. In einer Ehe haben die Partner wechsel­seitige Unterhalts- und Beistandspflicht, in einer Lebensgemeinschaft nicht. Kommt es zu einer Trennung, bekommt man einen möglichen Einkommensverlust durch die Kinderbetreuung nicht abgegolten. Das wird vom Scheidungsrecht zumindest zum Teil abgefedert.“

4. Was ist wichtiger: Obsorge oder Kontaktrecht?

Nach einer Scheidung haben Eltern prinzipiell die gemeinsame Obsorge für ihre Kinder. Bei einem unverheirateten Paar hat grundsätzlich die Mutter die ­alleinige Obsorge, außer man vereinbart etwas anderes. Das Kontaktrecht ist in keinem Fall geregelt. Eva Schmelz: „Das wird oft verwechselt. Obsorge umfasst ein Bündel an Rechten und Pflichten. Gemeinsame Obsorge bedeutet, dass man bei großen Entscheidungen ein Einvernehmen mit dem anderen Elternteil herstellen sollte, sie sind aber bis auf wenige Ausnahmen auch ohne Einverständnis nach außen wirksam. Doch Obsorge hat nichts damit zu tun, wie oft jemand seine Kinder sieht. Das regelt das Kontaktrecht. Daher ist das im echten Leben wichtiger.“

5. Hat Kämpfen bis zum Umfallen Sinn?

Eva Schmelz: „Was einem klar sein muss: Wenn man sich nicht einigt, entscheidet jemand Dritter, und dann ist oft niemand glücklich. Das Gericht achtet nur auf das Kindeswohl und entscheidet auf Basis von Momentaufnahmen, Stellungnahmen und Gutachten. Mutter und Vater werden bewertet, und das ist nicht leicht wegzustecken.“ Bei Obsorge- und Kontaktrechtsentscheidungen vor Gericht spielen auch soziale Verhaltensweisen eine Rolle, etwa, ob man Kontakt zum/r Ex-PartnerIn zulässt, wie man sich verhält und ob man bereit ist, ein Einvernehmen mit dem / der anderen herzustellen. Radikal auszucken ist also nicht förderlich. Grundsätzlich keine Rolle spielt, wer an der Trennung schuld ist – außer es war Gewalt im Spiel.

 

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