Trend Stand-up Paddling

Paddeln? Kann jeder. Paddeln im Stehen? Ist schon herausfordernder. Mareike Müller hat sich dann noch ein bisschen mehr verbogen – beim Stand-up-Paddling-Yoga auf der Alten Donau.


Yoga lief bei mir bislang unter der Kategorie „Mallorca des Sports": Alle machten es, also fand ich es uninteressant. Und richtig prickelnd erschien es mir auch noch nie, mich in einer stickigen Halle neben anderen triefenden Leibern zu verbiegen, zumal im Sommer. Dann aber flüsterte mir jemand etwas von Stand-up-Paddling-Yoga (kurz SUP-Yoga) - und mein Alte-Wasserratte-Elan war geweckt.

Tritt-Board-Fahrer.

Am „normalen" SUP probieren sich Surfer am Neusiedler See ja schon seit zwei Sommern und inzwischen gibt es auch in anderen Bundesländern „Tritt-Board-Fahrer". In Asien hingegen ist SUP ein alter Hut: Man berichtet sich, dassschon die Ureinwohner Polynesiens stehend zum Fischfang raus aufs Meer gepaddelt sind. Vor ein paar Jahren haben dann Surflehrer auf Hawaii die Technik (wieder-)entdeckt. US-Fitness-Gurus entwickelten sie dann zum SUP-Yoga weiter. Und das gibt es auch in Wien, und zwar auf der Alten Donau.

Ein Hauch von Hawaii.

Urlaubsgefühl weht mich an, als SUP-Trainerin Julia Marketa Tauber und Yoga-Lehrerin Andrea Amrita Richter mein Sportgerät am Bootssteg ins Wasser heben: ein dem Surfbrett nicht unähnliches Paddleboard. Dazu drücken sie mir ein übermannsgroßes Stechpaddel in die Hand. Die Kurzanleitung fürs Standpaddeln lautet: „Stell dich mittig mit leicht gebeugten Knien aufs Board, tauche das Paddel weit vorne ein und ziehe es bis zur Mitte des Bretts durch. Sieben Mal wiederholen", sagt Julia. Mit zittrigen Beinen aufs Board aufgestiegen, habe ich die richtige Paddelhaltung zum Wenden des Bretts augenblicklich vergessen angesichts der Konzentration auf die Ganzkörperherausforderung - Beine, Arme, Rücken, Schultern, Hintern ... alle Muskeln sind aufgerufen, mich in Balance zu halten. Zum Glück ist der Windgott gnädig und hält sich zurück. Immer sicherer stehe ich auf dem Brett, steche das Paddel ein, wende mehr oder weniger elegant. Nach ein paar Minuten befindet Trainerin Andrea, ich hätte mich genug eingewöhnt. Jetzt geht's ans Yoga: Hinsetzen (das Board wackelt), Beine kreuzen (ich helfe mit den Händen nach), Hände vor der Brust zusammenführen (easy) - mit dem Asana Sukhasana und dem „Grußsiegel" starten wir klassisch.

Ist ja einfach, denke ich. Doch ein paar Asanas später - mit dem Kopf zum Knie in die Vorwärtsbeuge, aufrichten zum Sonnengruß, in den „Hund" gehen und ein Bein nach oben strecken -,muss ich eingestehen: Das ist anstrengend! Andererseits hat der „Herabschauende Hund" echt was: Das Wasser und den Horizont aus der Kopfüber- Perspektive zu betrachten, irritiert mein Hirn angenehm - Yoga trainiert ja wirklich nicht nur den Körper! Icmuss grinsen. Und das ist anscheinend auch ganz richtig so. „Ja, lass doch mal ein Lächeln zu!", ruft Andrea von ihrem Board aus rüber, das beneidenswert ausbalanciert im Wasser liegt.

Lass fließen.

„Ziel beim Yoga ist es, alle Widrigkeiten auszublenden beziehungsweise in die Meditation zu integrieren",sagt Andrea und will damit sagen, ich müsse ruhiger werden. Das Karma zwischen mir und dem Board ist super. Nur zum Paddel muss ich noch ein besseres geistiges Band knüpfen. Während der Asanas liegt es vor mir und droht öfter ins Wasser zu gleiten. Doch nach einer Weile hab ich es gut im Griff - es fühlt sich paradoxerweise sogar so an, als streckte und dehnte ich mich mit festem Boden unter mir.

Be a Gummibärli.

Nach mehr als einer Stunde geht es in die Entspannungsphase: Jetzt darf ich auf dem Brett liegen - herrlich! „Stell dir vor, du seist ein Gummibärchen, das in der Sonne schmilzt", weht mich eine Stimme von links an. Kein Problem. Ich fühle mich mit der Natur verbunden, kühle eine Hand in der Donau und finde das Leben wundervoll. „Wenn Yoga, dann so", entscheidet mein Hirn. Mein Herz stimmt ihm zu. Das „Mallorca des Sports" ist - auf dem Wasser und im Freien - eine Destination, die ich auch künftig gern wieder besuchen werde.

SUP gibt es in diversen Bundesländern, siehe etwa paddelsurfen.at, surfschule.at, asupa.at.

Nur in Wien (und am Neusiedler See) bietet markamri SUPflow mit Andrea Richter und Julia Tauber SUP-Yoga und auch -Pilates an sowie Touren auf der Alten Donau. Kurse mittwochs & freitags ab 17 Uhr, ab € 29,–.

Info:markamri.at.
 

Aktuell