The Tree of Life

Radikal. Opulent. Poetisch. Terrence Malicks kontrovers diskutiertes, bildgewaltiges Meisterwerk mit Brad Pitt und Sean Penn gewann bei den Filmfestspielen in Cannes 2011 die Goldene Palme. Eine üppige Götterspeise für Cineasten und ein Schlachtfest für Filmkritiker.

Jack O'Brien (Sean Penn) steht an einem Wendepunkt seines Lebens. Beruflich erfolgreich, privat zerknittert, kämpft der New Yorker Architekt mit dem Konstrukt seiner eigenen Existenz. Hat er das erreicht, was sich sein unerbittlicher Vater (herrlich uneitel und so gut wie noch nie: Brad Pitt) sich für ihn gewünscht hat oder ist Jack gescheitert? Wenn ja, welchen Anteil an Erfolg oder Misserfolg trägt der verhasste Erzeuger? In Rückblenden zieht Jacks Kindheit an ihm vorüber.

Terrence Malick ist wie ein Mann mit einem großen Schmetterlingsnetz. Wenn die Wahrheit vorbeifliegt, fängt er den Moment ein.
von Brad Pitt über Regisseur Terrence Malick

Vom Vater mit überzogenen Abhärtungs- und Erziehungsmaßnahmen terrorisiert, von der Mutter (wunderbar feenhaft: Jessica Chastain) verhätschelt, wächst Jack (als Kind dargestellt von Hunter McCracken) mit zwei jüngeren Brüdern (Laramie Eppler, Tye Sheridan) in einer zentraltexanischen Kleinstadt Mitte der 50er Jahre auf. Konflikte zwischen Vater und Teenagersohn sind an der Tagesordnung und belasten den Familienfrieden. Immerwährendes Familienglück ist den O'Briens aber ohnehin nicht gegönnt. Das Schicksal katapultiert die Vorzeigefamilie mit einem übermächtigen Fußtritt in ein Abseits, das die Türen für eine glückliche Zukunft verschließt. Oder doch nicht ...?


Auf Seite 2 geht's weiter zur Filmkritik ...

The Tree of Life
Vorneweg: 138 superbe Minuten "The Tree of Life" sind keine leichte Kost für Liebhaber des Popcornkinos. Wer hier die Zeitsprünge verstehen will, braucht Geduld und den Willen, sich nebenbei auch den existenziellen Fragen des Lebens zu stellen: Bekommt jeder, was er verdient? Gibt es Gott und wo ist er, wenn man ihn braucht? Wie aussichtslos ist das Streben nach Glück? Kann ein Sohn einem Vater verzeihen oder liegt der Generationskonflikt in der menschlichen Natur?

InlineBild (f18bd105)

Antworten gibt es nicht auf alle Fragen, die der Film aufwirft. Klar ist: Wer "The Tree of Life" gesehen hat, kommt auf jeden Fall als anderer Mensch aus dem Kinosaal. Das gilt ganz besonders für Brad Pitt. Mit der erschreckender Intensität und ganz gegen sein Image als schussfreudige Sexbombe gibt er einen Familienvater, der mit Strenge und Brutalität an den biedern Werten der 50er Jahre-Fassade festhält und damit die Familie entzweit. Als Gott den Kameramann erfunden hat, muss ihm wohl ein Mann wie Emmanuel Lubezki vorgeschwebt sein. Oder umgekehrt. Lubezik hat die Welt selbst neu erschaffen. Terrence Malicks "The Tree of Life" erzählt die Schöpfungsgeschichte in neuen Bildern. Lubezkis Bildern. Dieser Magie kann sich niemand entziehen.
 

Aktuell