Tour de France: Wir brauchen keine Podiumgirls!

Eine Petition wendet sich direkt an den Radverband und fordert ein Ende der Podiumgirls. Ihre Funktion sei sexistisch, veraltet und entbehrlich, meinen die KritikerInnen.

Petition Podiumgirls

Sie sind hübsch, lächeln, klatschen milde und drücken dem Sieger des Rennens am Ende noch ein nettes Bussi auf. Die Podiumgirls sind vor allem eins: ein behübschendes Beiwerk in einem Männersport, deren einzige Funktion es ist gut auszusehen und am Ende den Sieger mit einem Küsschen zu belohnen.

Die Funktion der Podiumgirls oder Tour-Hostessen gilt mittlerweile als umstritten, die Tour de France gerät deswegen seit Jahren medial immer stärker unter Druck. Spätestens seit dem Ende der Gridgirls in der Formel-1 (jene Frauen, die nette Nummerschilder neben dem Formel1-Auto hochhielten). "Wir haben das Gefühl, dass diese Praxis nicht mit unseren Markenwerten einhergeht und in einem klaren Gegensatz zu modernen Gesellschaftsstandards steht", erklärte Sean Bratches, Werbe-Manager der Formul-1 damals die Entscheidung.

"Frauen sind kein Siegespreis"

Wie die Berliner AktivistInnengruppe SHE36 – Empowering Bicycle Culture auf ihrer Petitionsseite berichtet, hat eigentlich auch die Tour de France 2018 ein Ende der Podiumgirls-Praxis versprochen - passiert ist allerdings nichts. Die Gruppe an engagierten RadfahrerInnen hat nun die Nase voll und rief eine Petition ins Leben, die den Veranstalter, die Amaury Sport Organisation (ASO),zur Abschaffung der Podiumgirls bewegen soll. 17.000 Menschen haben die Petiton (hier) mittlerweile bereits unterschrieben.

Die AktivistInnen kritisieren, dass Frauen durch die Praxis bewusst als Objekte dargestellt werden, "Podium-Girls als Dekoration, gar als Preis für den Fahrer? Frauen sind nichts davon: keine Objekte, kein Siegespreis!". Es sei für Frauen im Radsport oft schwierig genug, Anerkennung zu erhalten. Gerade bei der Tour de France würde das Frauenbild aber ad absurdum geführt werden, kritisieren die AktivistInnen, die sich auch für ein Radrennen der Frauen im Rahmen der TdF aussprechen. Bei dem großen medialen Interesse, dass das Radrennen mit sich bringe, habe man jedenfalls seiner Vorbildwirkung nachzukommen, heißt es.

Seit Jahrzehnten sind die Berichterstattungen der Sportmedien männerdominiert. Egal ob im Fußball, Basketball oder Fahrradsport. Es gibt zahlreiche Frauenteams und Frauenligen in nahezu allen Sportarten, in TV und Presse sind sie nur leider wenig präsent. Im Radsport gibt es Formate, die nur für Männer existieren. Es gibt die Tour de France. Aber eben nur für Männer. Die Tour de France wird in mehr als 190 Ländern übertragen. Das schauen sich 1,5 Millionen Zuschauer über Videostream an – und dazu sind es unsere Kinder, viele Jugendliche, die sich sportlich engagieren. Welches Frauenbild sehen sie da?

von Petition gegen Podiumgirls

Um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen, startete die Initiative neben der Petition zum Start der Tour de France am Samstag auch eine Protestaktion in Berlin. Die verkleideten Podiumgirls posierten dabei mit Schärpen, auf denen "I am not a trophy" geschrieben stand. Tamara Danilov, Initiatorin der Petition, formuliert eindeutig "Ich, als Mutter, Fahrradkurierin und Gründerin einer etablierten Berliner Frauen* Fahrradgruppe finde es eine Schande, dass diese Tradition immer noch existiert".

Keine Stellungnahme und gelöschte Kommentare

Dem Organisator der Tour de France sind die Negativ-Schlagzeilen wohl etwas unangenehm. Laut dem Radiosender RBBlöschte man kritische Kommentare der Initiative auf dem Instagram-Profil der Tour de France, eine Reaktion lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Die Rechnung hat das Social Media Team aber ohne die anderen Instagram-NutzerInnen gemacht, die jetzt fleißig anstelle der Initiative mit #getridofpodiumgirls kommentieren.

Letztlich stellt sich die Frage, warum die Tour de France sich so schwer tut, dem gesellschaftlichen Wandel Folge zu leisten und es der Formel-1 und den Olympischen Spielen, die die Hostessen durch NachwuchssportlerInnen ersetzt haben, gleichzutun. Denn eigentlich sollte auch das wichtigste Radrennen der Welt 2019 erkannt haben, dass Bussi-Models keine adäquate Trophäe sind.

 

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